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FlexiSpy: Gefährliche Spionage-App für den Hausgebrauch

Foto: FlexiSpy / Screenshot
"Viele Frauen betrügen. Ihre Handys werden Ihnen verraten, was sie nicht sagen", so das Credo der Software-Hersteller. Zielgruppe von FlexiSpy sind vor allem eifersüchtige und paranoide Liebhaber.

Mehr als tausend Deutsche spionieren ihre Nächsten illegal aus. Das Werkzeug dazu: die Spionage-App FlexiSpy. Sie wird von einer thailändischen Firma Vervata über eine in den USA gehostete Webseite zum kostenpflichtigen Download angeboten. Auf der Webseite, die während der Entstehung dieses Artikels nicht erreichbar war, liest sich laut Fokus der schaurige Slogan "Viele Frauen betrügen. Sie alle benutzen Handys. Ihre Handys werden Ihnen verraten, was sie nicht sagen."

Tinder-, Facebook- und WhatsApp-Überwachung sind nur einige Methoden

Für einen Jahresbeitrag von rund 350 US-Dollar, umgerechnet etwa 318 Euro, kann das komplette Repertoire an Bespitzelungsmethoden in Anspruch genommen werden: Mikrofonüberwachung, Einsicht in die Inhalte von SMS, Abfangen von Anrufen, Aktivierung der Kamera, Übermittlung der Fotos, Livebilder bei Videoanrufen, GPS-Daten etc. Wem das nicht genug ist, der sei beruhigt, denn die App kann auch gefakte Nachrichten verschicken, Passwörter stehlen, die Internetnutzung verfolgen und Facebook, iMessage und WhatsApp-Chats ausspionieren. Selbst eine Überwachungsfunktion für Tinder wurde eingeführt.

Alles, was der Spion tun muss, ist die App auf dem Handy seines Opfers zu installieren. FlexiSpy kümmert sich auch gleich darum, sein Icon zu verbergen, damit die Infiltration nicht auffällt. Erschreckenderweise geht die App sogar soweit, dass das Datenleck selbst bei Entdeckung nur mit erheblichem, technischen Aufwand zu schließen ist.

Vervata hat ganz harmlos angefangen

Doch kurz zurück zu Vervata, denn FlexiSpy entspringt eigentlich bescheidenen Anfängen. Das Unternehmen bot zu Beginn 2004 recht durchschnittliche Dienste im Bereich mobiler App-Entwicklung und Beratung für Individuen und Firmen an. Den anfänglichen Lauf nam Vervatas Malware dann zwei Jahre später, als die Firma damit beauftragt wurde, für 1000 US-Dollar das Muster für eine Überwachungssoftware zu entwickeln. FlexiSpy.

Für 50 US-Dollar konnte damit ab sofort jeder SMS-Inhalte und Anruflisten auslesen, zumindest auf Geräten mit dem Betriebssystem Symbian. Schnell folgte allerdings die Kompatibilität mit Blackberry-Software, Windows und schließlich dem iPhone. Um den Verkauf zusätzlich voranzutreiben, wurde FlexiSpy außerdem von Anfang an zielgerichtet an eine sehr spezifische Gruppe vermarktet: eifersüchtige und paranoide Liebhaber.

Video: Wie leicht sich Smartphones in Wanzen verwandeln lassen

In Deutschland droht Gefängnis bis zu drei Jahren

In Deutschland sind die Mehrheit der FlexiSpy-Kunden Männer. Frauen sind unter den Käufern mit über einem Drittel vertreten. Wer die Software allerdings ohne Zustimmung der Zielperson auf deren Smartphone installiert und nutzt, und darum geht es ja, macht sich strafbar – zurecht wie wir finden, wenn ein Urteil an dieser Stelle erlaubt sei. Nach deutschem Recht käme eine Verurteilung bis zu drei Jahren Gefängnis gleich. Leider geht Eifersucht aber in den seltensten Fällen mit gesundem Menschenverstand einher, so dass vielen Nutzern einfach das Unrechtsbewusstsein fehlt.

Zwar sind sich Anwälte einig, dass es nahezu unmöglich ist, sich bei der Nutzung einer solchen Software nicht strafbar zu machen. Dennoch sind es die Betroffenen, die unter der Strafverfolgung zu leiden haben und nicht die Täter. Zähe Ermittlungen, eine schwierige Beweislage und nicht zuletzt die psychologische Belastung können bei Opfern durchaus ein Trauma auslösen.

FlexiSpy im legalen Einsatz

Es gibt trotzdem positive und vor allem legale Anwendungsbeispiele. Laut Befragungen von Kunden durch Motherboard, gab es beispielsweise eine Übereinkunft zwischen einem Chef und seinem Angestellten, die die App dafür nutzten, Fotos im Außendienst automatisch an die Zentrale übermitteln zu lassen. Ein Sicherheitsforscher wiederum verwendet FlexiSpy für Demonstrationszwecke, wenn er LKA-Beamten und der Polizei die Gefahren der Smartphone-Überwachung nahebringt.

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