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Whatsapp "gehackt": So leicht hatten Forscher Zugang zu privaten Gruppen

Forscher haben WhatsApp gehackt und sich Zugang zu zahlreichen WhatsApp-Gruppen verschafft.
Forscher haben WhatsApp gehackt und sich Zugang zu zahlreichen WhatsApp-Gruppen verschafft.
Foto: imago images/Westend61
Wissenschaftlern ist es gelungen, Tausenden privaten WhatsApp-Gruppen beizutreten. Dadurch gelang es, Millionen Nachrichten einzusehen.

Forscher des Tow Center for Digital Journalism in Columbia haben es geschafft, auf einfachem Weg rund 1.400 WhatsApp-Gruppen zu betreten. Das Erschreckende: Ihr Vorgehen war dabei keineswegs illegal. Sie haben WhatsApp gehackt, indem sie den privaten Chats einfach beitraten und so leicht Tausende WhatsApp-Nachrichten überwachen konnten.

WhatsApp gehackt: Privat ist nicht gleich privat

Bisherige Forschung zur Informationsverteilung über den beliebten Messenger konzentrierte sich auf öffentliche WhatsApp-Gruppen. Die Wissenschaftler des Tow Center fanden jedoch einen Weg, auch in private Chats vorzudringen. Ohne APIs, spezielle Werkzeuge oder Best Practices entwickelten sie eine Strategie, um über einen Zeitraum von 3,5 Monaten die andauernde Aktivität in 1.400 geschlossenen WhatsApp-Gruppen zu überwachen, die mit den Wahlen in Indien 2019 in Verbindung standen. Am Ende konnten über eine Million WhatsApp-Nachrichten gesammelt werden.

Wie sie WhatsApp gehackt haben, ist besonders verblüffend. So gibt es zwei Möglichkeiten, Teil einer privaten WhatsApp-Gruppe zu werden: man wird vom Administrator hinzugefügt oder folgt einem Einladungslink. Entsprechend gingen die Forscher vor. Sie crawlten das Internet nach genau solchen Verlinkungen für private WhatsApp-Gruppen und wurden fündig.

Hunderttausende Daten über WhatsApp gehackt

Ausgewählt wurden davon jene Chats, die inhaltlich für die Wissenschaftler interessant waren, in diesem Fall politisch motivierte WhatsApp-Gruppen, innerhalb derer in den Sprachen Hindi und Englisch kommuniziert wurde. Die Forscher traten den Chats mit einem einzelnen iPhone bei und identifizierten sich zudem als "Tow Center", ohne jedoch jemals an den dortigen Konversationen teilzunehmen.

Das Ergebnis der Analyse: Nachdem die Wissenschaftler von einem einzelnen iPhone auf sechs andere Handys wechseln mussten – die iPhone-Nummer, die über 600 WhatsApp-Gruppen beigetreten war, wurde als verdächtig markiert und gesperrt – konnten sie 500.000 WhatsApp-Nachrichten, 300.000 Bilder, 144.000 Links, 118.000 Videos, 12.000 Audio-Dateien, 4.000 PDFs und 500 Kontaktkarten speichern.

Nachdem sie auf diese Weise WhatsApp gehackt und die vorliegenden Daten analysiert hatten, stellten die Forscher fest, dass 35 Prozent der Medieninhalte innerhalb der WhatsApp-Gruppen weitergeleitet wurden. Das ist insofern problematisch, als dass WhatsApp solche Inhalte aufgrund der Verbreitung von Fake News bereits beschränkt hat. Dabei waren "Links zu News-Organisationen auffallend gering", während 65 Prozent der Links auf YouTube-Inhalte verwiesen, wie NiemanLab berichtet. Die mögliche Beeinflussung der Wähler durch vornehmlich subjektive Medieninhalte war damit erschreckend hoch.

In Indien ist das Problem der Informationsverteilung allerdings nicht nur in Verbindung mit Wahlen bekannt. 2018 führte die Verbreitung falscher Informationen über WhastApp zu mehreren Morden.

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