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Elektroauto: Nur Plan B der Autoindustrie

Wer denkt, dass E-Autos in Zukunft im Fokus der Automobilhersteller stehen, wird bitter enttäuscht sein. Das Gewinnmodell Benziner läuft einfach noch zu gut.

Die Autoindustrie wird derzeit stark mit E-Mobility in Verbindung gebracht. Träumt sie doch öffentlich von einer "Mobilität der Zukunft" und geht dazu sogar den innovativen Weg, mit Start-ups zu kooperieren. Frischer Wind muss her und geistreiche Ideen, um den verstaubten Unternehmensapparat in Schwung zu bringen.

Unlängst ist die Wende wirtschaftlich notwendig geworden, zum Beispiel in China, wo den Deutschen ab 2018 Mindestquoten für Elektroautos aufgezwungen werden. Ganze Konstruktionspläne sollen ausgehändigt werden, sonst wird die Produktion vor Ort nicht erlaubt. VW beispielsweise, der größte Hersteller in China, müsste 2018 bei derzeit drei Millionen verkauften Wagen rund 60.000 Elektroautos absetzen. Gegenwärtig kommt VW auf einige Hundert pro Jahr in China.

Die Autobranche ruht sich aus

Das setzt unter Druck. Besonders, wenn es noch gar keine Strategie für E-Modelle gibt. Aber ist der Druck wirklich groß genug? Die Autoindustrie kann sich im Vergleich zu anderen Branchen darauf ausruhen, das das Bedürfnis nach Mobilität nicht durch Digitalisierung und neue Technologien verdrängt wird: "Es ist ein Glück für den Automobilmarkt, in absehbarer Zeit nicht in einer Datenwolke aufgelöst zu werden wie es in der Musik und bei den Medien der Fall war", sagt Dr. Kay Lindemann, CEO des Verbandes der Automobilindustrie.

Und er hat recht. Vordergründig wird trotzdem am Elektroauto gebastelt. Aber eben nicht mit Herz und vielleicht nur als Alibi. Erkennbar zum Beispiel daran, dass der Verkauf von E-Modellen trotz Kaufprämie nur schleppend vorangeht. Dass ein Grund dafür das mangelhaft ausgebaute Versorgungsnetz aus Ladestationen ist, muss der Autoindustrie einfach gelegen kommen.

"Elektromobilität fängt mit dem Verbrennungsmotor an"

Und obwohl die Ambitionen im begrenzten Rahmen der Bemühungen groß sind – das perfekte Elektroauto ist am liebsten auch noch vernetzt und fährt autonom – bleibt die Branche ur-konservativ: "Elektromobilität fängt mit dem Verbrennungsmotor an." Zitatgeber ist Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius. Seine Zukunftsvision sieht viele Jahre an Hightech-Motoren vor, die zum Teil auch elektrisiert sind.

Auch bei Bosch scheint der Wind der Innovation sehr lau zu wehen. Rolf Bulander, in der Bosch-Geschäftsführung für den Bereich "Mobility Solutions" zuständig, empfindet Einsparungen von CO2 anhand verbesserter Verbrennungsmotoren effizienter als den reinen Elektroantrieb: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird uns der Verbrenner noch das größte Einsparpotenzial bieten."

Es brennt auch nach 2040 noch

Man will einfach nicht loslassen. So diskutieren Autobauer und Zulieferer Ansätze, die den Verbrennungsmotor auch nach 2030 noch künstlich am Leben erhalten sollen. Selbst "jenseits von 2040" solle es noch Verbrenner geben. Vielversprechende Chancen durch die Zusammenarbeit namhafter Autokonzerne mit jungen, neuen Unternehmen werden nach außen hin zwar propagiert, es läuft aber gerade auch so ganz gut. Und weshalb ändern, was sich bisher bewährt hat?

Fazit

Nach Schätzungen sollen sich Elektroautos ab 2025 preislich nicht mehr von konventionellen Fahrzeugen unterscheiden. Dann würden lediglich Infrastruktur, Ladezeiten und Reichweite gegen Stromer sprechen. Die gedankliche Versteifung der Autoindustrie auf ihren Erfolgsgaranten, den Verbrennungsmotor, mag dem aber vielleicht einen Strich durch diese Rechnung machen.

Immerhin muss mehr und günstiger produziert werden, um billiger verkaufen zu können. Der Schock in der Branche über die chinesische E-Auto-Quote ab 2018 zeigt deutlich, dass das Gegenteil der Fall ist. Wer wie VW heute nur ein paar hundert Elektroautos in China verkauft, wird in einem Jahr kaum auf 60.000 Stück aufstocken können. Möglicherweise hat man auch schon aufgegeben, bevor die Umstellung angefangen hat.

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