B2B 

Wie Microsoft es geschafft hat wieder hip zu werden

Microsoft hat es geschafft – und kann sich wieder mit den großen Tech-Konzernen messen.
Microsoft hat es geschafft – und kann sich wieder mit den großen Tech-Konzernen messen.
Foto: Gregor Gruber
Microsoft war totgeglaubt. Doch der Windows-Konzern hat es zurück an die Spitze gebracht. Woran liegt das? Wir haben sieben Gründe gesammelt.

Totgesagte leben länger: Noch vor einigen Jahren hätte kaum ein Experte Microsoft eine große Zukunft prophezeit. Der Softwarekonzern hatte den Smartphone-Trend kräftig verschlafen. Der rückläufige PC-Markt ließ die Nachfrage nach Betriebssystemen und Office-Paketen schrumpfen.

2010 verlor Microsoft den Titel als wertvollstes Börseunternehmen der Welt an Apple. Doch seither hat der IT-Konzern aus Redmond – von der breiten Öffentlichkeit fast unbemerkt – ein erstaunliches Comeback geschafft.

In dieser Woche war es soweit: Die Aktienkurse von Apple und Microsoft lieferten sich ein enges Match, mehrmals wechselte der Titel des wertvollsten Börsenunternehmens der Welt. Am Donnerstag gegen Mittag hatte Apple mit rund 859 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung wieder hauchdünn die Nase vor Microsoft mit 853 Milliarden Dollar.

Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass der "Dino" Microsoft wieder zu seinem hippen Mitbewerber aufgeschlossen hat?

Grund 1: Sonne trotz Wolken

Microsoft hat seine Geschäftsmodelle radikal überdacht und ist, spät aber doch, in das kapitalintensive, aber äußerst gewinnträchtige Cloud-Business eingestiegen. Damit ist gemeint, dass Software-Pakete nicht mehr in der Kartonpackung aus dem Regal gekauft werden. Heutzutage bezieht der Anwender seine benötigten Programme und Daten je nach Bedarf von Internet-Servern (aus der "Datenwolke"). Microsoft schaffte es in dem hart umkämpften Business, Platz zwei hinter Branchenleader Amazon einzunehmen.

Mehr Microsoft:

Grund 2: Lizenz zum Exceln

Die Anschaffung von Software ist kein Lebensprojekt mehr. Microsoft hat seine Business-Pakete auf Abo-Modelle umgestellt. Die Nutzung der beliebten Office-Software (Word, Excel, PowerPoint und Co.) wird jetzt über Lizenzen auf Zeit bereitgestellt. Das sorgt für dauerhafte, besser planbare Einkünfte.

Grund 3: Abenteuer mit Milliardenverlusten

Es sollte ein Angriff zweier Riesen werden, die den Anschluss im Handymarkt zu verlieren drohten. 2011 bündeln Microsoft und Nokia ihre Kräfte, um den Höhenflug der Google-Plattform Android aufzuhalten. Nokia-Chef Stephen Elop und Microsoft-Boss Steve Ballmer wollen Windows Phone als Gegenpol etablieren. 2013 übernimmt Microsoft Nokias Handysparte zur Gänze. Das Projekt scheitert spektakulär. 2016 zieht Ballmer-Nachfolger Satya Nadella die Reißleine und beendet das finnische Abenteuer mit Milliardenverlusten.

Grund 4: Führen aus der Not heraus

Stichwort Satya Nadella: Der 2014 neu installierte Chef galt anfangs eher als Notlösung, erwies sich aber als Glücksgriff. Er verordnete Microsoft eine konsequente Kurskorrektur mit den erwähnten Geschäftsmodellen und schüttelte so das angestaubte Image ab. Die Investoren honorierten seine konsequente Linie und trieben den Aktienkurs hoch.

Grund 5: Ein Apfel kann helfen

Zum Führungswechsel trugen auch die jüngsten Kurseinbußen bei Apple bei: Nur vier Monate, nachdem der Konzern aus Cupertino erstmals eine Billion Dollar Börsewert erreicht hatte, ist diese Kennzahl auf knapp 860 Milliarden Dollar abgestürzt. Die globalen Smartphone-Absatzzahlen schwächeln, Gerüchte über eine gedrosselte iPhone-Produktion beschleunigten die Kurseinbußen.

Grund 6: Die Großen schwächeln

Apples Schwächeln fällt in eine Phase, in der die großen Tech-Werte ohnehin bereits massiv unter Druck geraten waren. Wegen der steigenden Zinsen in den USA sind die Geschäftsmodelle weniger attraktiv, deshalb haben sich die Aktionäre vielfach von Google, Facebook und Co getrennt.

Grund 7: Donald Trump

Und nicht zuletzt hat auch US-Präsident Donald Trump seinen Anteil am Apple-Rücksetzer: Er drohte China vor dem aktuellen G20-Gipfel in Argentinien abermals mit einer Verschärfung der Strafzölle. In einem Zeitungsinterview erwähnte er, dass künftig Einfuhrzölle in Höhe von zehn oder sogar 25 Prozent auch auf Produkte wie das iPhone fällig werden könnten, die bisher verschont geblieben waren. Das würde die iPhones für US-Kunden massiv verteuern.

Fazit: Abwarten

Die vorangegangenen Monate brachten positives Momentum für die Microsoft-Aktie sowie ein eher schwaches Umfeld für Apple. Ergibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des wertvollsten Börsenunternehmens der Welt. Ob es eine Momentaufnahme bleibt oder eine dauerhafte Umkehrung der Machtverhältnisse bedeutet, werden die nächsten Monate weisen.

Zu den Kommentaren

Neueste Videos von futurezone in der Autoplay Video Playlist

Die neuesten Videos von futurezone.

Neueste Videos von futurezone in der Autoplay Video Playlist

Beschreibung anzeigen