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Deutsche Ärzte sind bereit für Online-Diagnose

Die Online-Diagnose übers Internet ist in Deutschland nicht erlaubt.
Die Online-Diagnose übers Internet ist in Deutschland nicht erlaubt.
Foto: imago
Telemedizin wird noch wenig genutzt, vor allem aber für die erste Online-Diagnose und Medikamentenausgabe. Was in Deutschland jedoch bisher verboten ist, scheint im Ausland zu funktionieren.

Doktor Google ist nach wie vor ein beliebter Anlaufpunkt für deutsche Patienten, wenn es um Krankheitssymptome geht. Die Suche nach einer Online-Diagnose für die eigenen Beschwerden kann auf den ersten Blick helfen.

Es kann aber ebenso zu etwas führen, das neuerdings als Cyberhypochondrie bezeichnet wird. Das bedeutet, dass Informationen zu Krankheitszuständen aus dem Internet zu hypochondrischen Tendenzen hervorrufen können. Geschürt wird die Angst vor einer Krankheit, die der Betroffene vielleicht gar nicht hat. Das kann sowohl psychische als auch physische Folgen für denjenigen haben. Auch Fachärzte warnen: E-Health darf den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht ersetzen.

Neben Google schneiden aber auch Online-Apotheken gut ab in der Gunst der Deutschen. Außerdem wird das Thema der elektronischen Patientenakte weiter vorangetrieben, zum Beispiel durch ein Projekt von der Techniker Krankenkasse und IBM. Grund genug, das Thema Fernbehandlung auf dem 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg (23. bis 26. Mai 2017) in den Fokus zu nehmen.

Arzneimittelgesetz: Telemedizin mit Online-Diagnose eingeschränkt

Genutzt wird Telemedizin im Moment zwar schon, nicht aber für Erstbehandlungen und die Verschreibung von Medikamenten, da dies in Deutschland bisher verboten ist. Einige Ärzte und Verbände plädieren allerdings für Online-Angebote, die vor allem als Hilfestellung in ländlichen Gebieten mit dünner Besiedlung und Mangel an Fachkräften betrachtet werden. Erste Modellversuche wurden deshalb bereits in den vergangenen Jahren gefordert, sind aufgrund des Arzneimittelgesetzes jedoch problematisch. Die Bundesärztekammer legte deshalb Anfang 2016 berufsrechtliche Hinweise und Erläuterungen zu Fernbehandlungen vor.

Was ist eigentlich Telemedizin? Ein gemeinnütziger Verein erklärt es
Deutsches Telemedizin Zentrum e.V.

Existierende Modelle gibt es zumindest im Ausland, wie das in Großbritannien ansässige Portal "DrEd". Von London aus stellen drei deutsche Ärzte im Internet Diagnosen und verschreiben auch Medikamente. Laut eigenen Angaben hat "DrEd" seit 2011 mehr als eine Millionen Patienten erfolgreich behandelt. Das Portal operiert allerdings in einer rechtlichen Grauzone, weil die Ärzte das deutsche Ferndiagnoseverbot umgehen.

Baden-Württemberg wagt Vorstoß bei Online-Diagnose

Während eine reine Online-Diagnose von der Bundesärztekammer weiterhin abgelehnt wird, erlaubt die baden-württembergische Landesärztekammer erstmals in Deutschland, "dass ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden." Dabei gehe es nicht um eine Verlagerung bisheriger ärztlicher Versorgung, sondern um eine Ergänzung. Damit sich Patienten in Zukunft nicht mit fragwürdigen, kommerziellen Anbietern konfrontiert sehen, will die Landesärztekammer die qualitativ hochwertige Fernberatung außerdem lokal und unter einem Kammersiegel anbieten.

Wer sich weiter über das Thema Telemedizin und Online-Diagnose informieren möchte, kann dies zum Beispiel über den Deutschen Bundestag tun oder bei seiner Krankenkasse nach den Angeboten fragen. Auch das Informationssystem der Gesundheitsberichterstattung des Bundes bietet Informationen dazu. Die Online-Datenbank wird vom Statistischen Bundesamt betrieben und gibt einen Überblick über alle relevanten Gesundheitsthemen.

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