Digital Life 

Wenn die Toilette ihren Nutzer kennt: Smart-Home-Lösungen für Menschen mit Handicap

Vernetzte Kühlschränke sind schon heute Realität. Bis zur intelligenten Toilette kann es nicht mehr lange dauern.
Vernetzte Kühlschränke sind schon heute Realität. Bis zur intelligenten Toilette kann es nicht mehr lange dauern.
Foto: Wolfgang Kumm / dpa
Sensoren werden die Wohnräume der Zukunft vernetzen. Und intelligente Kleiderschränke und irgendwann vielleicht Duschroboter können den Alltag erleichtern.

Im Alter sind es häufig die Kleinigkeiten, die das Leben im eigenen Haus erschweren. Zwar kommt man gut mit dem Rollator durch die Räume, aber Fenster gehen schwer auf oder die Lichtschalter liegen in ungünstigen Höhen. Hier erleichtern neue Technologien den Alltag. Die Branche spricht auch von alltagstauglichen Assistenzlösungen. „Das ist etwas für ältere oder körperlich eingeschränkte Personen, die zum Beispiel kein Smartphone nutzen“, sagt Falko Weidelt, Fachgebietsleiter Smart Home bei der Brancheninitiative Elektro+ in Berlin.

Klassischerweise fallen unter die Smart-Home-Technologie automatische Fensteröffner, programmierbare Heizungen sowie Elektrogeräte wie Backofen und Waschmaschine, die sich mit dem Smartphone, dem Tablet oder Computer aus der Ferne steuern lassen. Doch das Smart Home beginnt schon früher: Der elektrisch verstellbare Fernsehsessel zum Beispiel kann dazu ebenso zählen wie der Notfallknopf, den manche mit sich tragen.

Sensoren als Assistenten

„Für ältere Menschen ist Sicherheit ein ganz großes Thema“, sagt Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie in Bad Honnef. Deshalb gehöre auch der Schutz vor Einbrechern zum Smart Home – etwa mithilfe von Bewegungsmeldern oder einer Überwachungskamera am Eingang. Sensoren schlügen Alarm, sobald man das Haus verlasse und Fenster noch offen stünden. Auch die automatische Lichtsteuerung sei wichtig, sobald man beispielsweise den Flur betrete, so die Wohnexpertin.

Wichtig für jene Menschen, die schlecht zu Fuß seien, sich abstützen müssten, vielleicht sogar an Krücken gingen. Auch mancher Schrank macht inzwischen selbstständig Licht, öffnet man seine Tür. „Hilfreich, wenn im Alter die Augen die Kon­traste nicht mehr so gut erkennen“, sagt Geismann. Die Beleuchtung der Regale erleichterte dann die Auswahl der Garderobe.

Ältere könnten länger zu Hause wohnen

Smarte Technologien übernehmen auch das Überwachen mancher Tätigkeit: Viele moderne Herde haben beispielsweise Hitzesensoren, die die Kochfelder bei Gefahr selbstständig abschalten. „Es gibt bei der Pflege von Demenzpatienten auch Anwesenheitskontrollen, die etwa zeigen, wo jemand sich im Haus aufhält“, so Geismann. Und schlaue Badezimmerspiegel mit eingebauten Bildschirmen können Bewohner zum Beispiel an die Einnahme von Tabletten erinnern.

„Es gibt Sensorböden, die feststellen, ob jemand normal über den Boden läuft oder darauf stürzt“, berichtet Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung im Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). „Das ist zwar nicht billig, aber es kann dafür sorgen, dass Ältere lange zu Hause wohnen können.“

Das Haus der Zukunft hat Sensoren

Dechert geht von Preisen um die 100 Euro pro Quadratmeter aus. „Künftig wird sich das gesamte Haus so mit Sensoren bestücken lassen, dass ein Individualitätsmonitoring möglich ist“, prognostiziert der Experte. Dann könne jeder Mensch entsprechend seinen Gewohnheiten und Krankheiten zu Hause unterstützt werden.

Wer das Gebäude altersgerecht umbaut – einschließlich der Elektroin­stallation –, kann auch einen zentralen Ausschalter nahe der Haustür installieren lassen. Über ihn lassen sich beim Verlassen des Hauses alle Geräte ausschalten. „Das ist jedoch schwierig und teuer zum Nachrüsten, es bietet sich deshalb vor allem bei Neu- und Umbauten an“, so Elektroexperte Weidelt. Nicht alles muss aber teuer sein.

Von intelligenten Toiletten zur Vision des Duschroboters

Als smarte Helfer im Alltag zählt Ursula Geismann auch Rasen- oder Saugroboter. Oder Möbel mit schlauen Funktionen wie zum Beispiel Betten mit elektrischen Aufstehhilfen oder Fernsehsessel, bei denen sich nicht nur die Lehne und Sitzhöhe verstellen lassen, sondern die beim Aufstehen mit einer kleinen Bewegung helfen.

Auch für das Badezimmer gibt es bereits viele hilfreiche Lösungen: zum Beispiel höhenverstellbare Toiletten, die ihren Nutzer erkennen und sich auf ihn einstellen. Oder Dusch-WC. „Hier kann man automatische Reinigungsprogramme abrufen, was bei Bewegungseinschränkungen sehr hilfreich sein kann“, sagt Jens J. Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft. Die Entwicklung werde weitergehen. „Es kann gut sein, dass es bald Duschroboter gibt, die einem bei der täglichen Hygiene helfen.“

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