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Ist dein Handy eine Wanze? So erkennst du Spionage-Apps

Spionage-Apps erkennen und entfernen, das solltest du unbedingt drauf haben.
Spionage-Apps erkennen und entfernen, das solltest du unbedingt drauf haben.
Foto: imago images/Westend61
Dein Handy solltest du immer im Blick behalten. Denn heute ist es für wirklich jeden absolut einfach, dich ohne dein Wissen per Spionage-App auszuhorchen.

Nicht nur wenn du besonders paranoid bist, ist es ratsam, dein Handy im Auge zu behalten. Mittlerweile kann nämlich jeder leicht an Software kommen, die dein mobiles Gerät zur Wanze werden lässt. Alles was nötig ist, ist ein kurzer Moment der Unachtsamkeit. Daher solltest du zumindest wissen, wie sich Spionage-Apps erkennen und entfernen lassen.

Spionage-Apps erkennen und entfernen: Das musst du wissen

Gruselig genug: Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche und gefährliche Spionage-Apps. Eine davon ist FlexiSpy, die damit wirbt, völlig unerkannt Text-, Bild-, Video- und Gesprächsdaten zu übermitteln.

Ganz gezielt richtet sich das Marketing dabei an eifersüchtige und paranoide Liebhaber, es gibt aber auch Optionen, die sich explizit mit der Mitarbeiterbespitzelung befassen. Der Slogan dazu lautet: "Problem-Mitarbeiter: Bedrohung für Ihr Unternehmen? Handy-Überwachung gibt Ihnen die Power, die Wahrheit herausfinden".

Willst du besonders vorsichtig sein, musst du demnach nicht nur auf deine Liebsten achten, sondern im schlimmsten Fall auch auf deinen Arbeitgeber. Damit du also gar nicht erst in die Bredouille kommst, Spionage-Apps erkennen und entfernen zu müssen, versuch am besten, dein privates und Arbeitshandy immer fest am Mann zu behalten.

Wer nutzt Spionage-Apps wie Flexispy?

Dass auch das wahrscheinlich nicht immer ausreicht, zeigen geleakte Informationen über Flexispy. Diese belegen laut dem c't-Magazin, dass die Handy-App allein in Deutschland mehr als tausend zahlende Kunden hat, darunter unter anderem "Rechtsanwälte, Firmengründer, Mitarbeiter von Reinigungsfirmen, Sicherheitsunternehmen, Party-Veranstalter, Friseurinnen und Internisten". Immerhin ein Drittel der App-Nutzer sind Frauen.

Die Installation einer Spionage-App wird dem Spitzel leider oftmals recht einfach gemacht, er muss lediglich Hand an das Handy seines Opfers legen und die Anwendung installieren. Danach verbirgt sich die Spionage-App FlexiSpy zum Beispiel von selbst und sperrt ihre eigenen Dateien, damit sie nicht deinstalliert werden kann.

Wie funktioniert eine Spionage-App?

Die meisten der Spionage-Apps sind vergleichsweise identisch aufgebaut. Sie sammeln sämtliche Aktivitäten und Inhalte deines Handys, wenn sie installiert sind, und übermitteln sie via Internet an einen Server. Der "Spion" hat nun die Möglichkeit, ein dazugehöriges Webinterface aufzurufen und alle zusammengetragenen Informationen über dich einzusehen.

Dazu gehören je nach Ausstattung der Spionage-App Chatverläufe, Inhalte von Textnachrichten, Anruf-Protokolle, Standortinformationen, Kalenderaktivitäten etc. Teilweise lassen sich sogar bestimmte Inhalte auf deinem Handy über einen Remote-Zugriff sperren.

Problematisch ist auch, dass die meisten Spionage-Apps für alle gängigen Betriebssysteme und Handy-Modelle entwickelt sind, das heißt sowohl iPhones als auch Android-Geräte können leicht ausspioniert werden. Zumindest im Fall von iPhones und auch iPad könntest du jedoch etwas Glück haben, denn in der Regel ist ein Jailbreak nötig, um die Überwachung per Handy-App möglich zu machen.

5 Tricks zum Schutz vor Spionage-Apps

Spionage-Apps erkennen und entfernen, aber wie?

Die schlechte Nachricht zuerst: Ohne Hilfsmittel gibt es nur wenige Anhaltspunkte, die dir helfen, eine Spionage-App zu erkennen. Im schlimmsten Fall musst du darauf warten, dass dein Überwacher sich von allein verrät oder gar zu erkennen gibt. Nun zur guten Nachricht: Es gibt einige Anzeichen und Apps, die dir nicht nur helfen, den Täter zu entlarven, sondern auch, dessen Spionage-App zu entfernen.

1. Hoher Datenverbrauch

FlexiSpy, wie andere Spionage-Apps auch, benötigt einen Internetzugriff, um protokollierte Daten übertragen zu können. Solltest du also beispielsweise keine mobile Daten-Flatrate haben, merkst du relativ schnell, ob der Verbrauch plötzlich gestiegen ist.

2. Weniger Handy-Akku und verlangsamte Prozesse

Aufgrund der ständigen Aktivitäten im Hintergrund beanspruchen Spionage-Apps wie FlexiSpy gleichzeitig sehr viel Arbeitsspeicher, CPU-Leistung und Akkuleistung, wodurch dein Handy verlangsamt wird. Zur Überprüfung kannst du einen Blick in die laufenden Prozesse werfen und nachschauen, welche Anwendung wie viele der Ressourcen in Anspruch nimmt.

3. Seltsame Vorgänge

Ungewöhnliche Verhaltensmuster deines Handys geben dir ebenfalls Aufschluss darüber, dass etwas faul sein könnte. Geht zum Beispiel der Bildschirm von alleine an oder lässt sich nicht ausschalten, kann dies bedeuten, dass verdächtige Hintergrundprozesse ablaufen.

Ein weiteres Indiz kann eine Fehlermeldung beim Aufrufen der Kamera sein. Eventuell greift nämlich die Spionage-App gerade darauf zu. Benötigt dein Handy sehr lange, um herunter zu fahren, ist es möglich, dass Überwachungsdaten übermittelt werden, die den Prozess verzögern.

4. Seltsame Textnachrichten ohne Sinn

Fehlerfrei agierende Überwachungssoftware gibt eigentlich keine erkennbaren Zeichen von sich. Sollte die Spionage-App allerdings nicht ganz rund laufen, kann es sein, dass du Nachrichten zu sehen bekommst, die auf den ersten Blick nach Chaos aussehen. Darin könnten sich Codes verbergen, durch die eine Spionage-App Anweisungen erhält.

Spionage-App erkannt: Was nun?

Wichtig ist zunächst, dass du beim Auftreten von nur einem der genannten Anzeichen, wie einem schwachen Handy-Akku, nicht gleich vom Schlimmsten ausgehst. Besonders in diesem Fall gibt es nämlich eine ganze Reihe an Ursachen. Bestimmte Fehler beim Aufladen deines Handy-Akkus solltest du zum Beispiel unterlassen, da dieses deine Batterie stark belasten können.

Treten mehrere solcher Vorgänge allerdings gleichzeitig auf, wird es Zeit, zu reagieren. Am besten überprüfst du in einem ersten Schritt, welche Apps auf deinem Handy eigentlich installiert sind. Du kannst außerdem mit einem einfachen Tool prüfen, ob dein Handy schadhafte Apps ausführt. Prozesse oder Anwendungen, die Wörter wie "spy" oder "monitor" enthalten, stehen sehr wahrscheinlich mit Spionage-Apps in Verbindung.

Zur zusätzlichen Überprüfung gibt es Datei-Manager-Apps, mit denen du die Dateien auf deinem Handy durchforsten kannst.

Spionage-Apps, die du erkennen und entfernen solltest:

  • FlexiSpy
  • mSpy
  • PhoneSheriff
  • Mobile Spy
  • SpyEra

Maßnahme #1: Anti-Virus-Software

Wenn du sichergehen willst, können dir Security- und Anti-Viren-Programme weiterhelfen. Anhand verschiedener Faktoren können sie Spionage-Apps erkennen und sogar vom Handy entfernen. Eine regelmäßige Malware-Suche ist deshalb dringend zu empfehlen, falls du glaubst, ausspioniert zu werden.

Maßnahme #2: Anti-Spionage-Apps

Für zusätzliche Gewissheit gibt es schließlich noch Anti-Spionage-Apps. Damit kannst du herausfinden, ob jemand dein Handy gerootet hat (Android) beziehungsweise ob ein heimlicher Jailbreak (iPhone) durchgeführt wurde. Überwachungssoftware braucht für viele Funktionen beispielsweise einen Root-Zugriff auf Android-Geräte.

Ich habe eine Spionage-App erkannt. Was tun?

Ist dir eine gefährliche Anwendung ins Auge gesprungen, kannst du versuchen, diese gezielt mit einer Anti-Virus-App zu entfernen. Bist du dir bei der verdächtigen Datei nicht sicher, solltest du allerdings jemanden mit viel Handy-Erfahrung konsultieren. Zeigt dein Smartphone nach diesen Maßnahmen dann keine Auffälligkeiten mehr, war die Säuberung höchstwahrscheinlich erfolgreich.

Video: Wie leicht sich Smartphones in Wanzen verwandeln lassen

Fazit: Prävention hilft, Kontrolle ist besser

Eine hunderprozentige Datensicherheit gibt es selbst am eigenen Handy nie, daher ist es besonders ratsam zu wissen, wie du Spionage-Apps erkennen und entfernen kannst. Der letzte Ausweg ist deshalb immer die Sicherung deiner Daten und das anschließende Zurückstellen deines Handys auf Werkseinstellungen.

Noch besser ist es allerdings, gar nicht erst mit Spionage-Apps in Berührung zu kommen. Dein Handy solltest du deshalb möglichst immer bei dir tragen und zusätzlich mit einem starken Passwort sichern, so dass sich auch ein physischer Zugriff für Angreifer nicht lohnt.

Allen, die schon einmal darüber nachgedacht haben, eine solche Überwachungs-App zum Einsatz zu bringen, sei jedoch eines gesagt: Sollte der Eigentümer des Smartphones weder sein Einverständnis gegeben haben noch darüber Bescheid wissen, dass Spionage-Software auf seinem Handy installiert wurde, handelt es sich um eine illegale Tätigkeit.

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