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NoPetya-FAQ: Was bisher alles bekannt ist

Die Schadsoftware Petya, beziehungsweise NoPetya, hat nach WannaCry erneut für globale Aufregung gesorgt.
Die Schadsoftware Petya, beziehungsweise NoPetya, hat nach WannaCry erneut für globale Aufregung gesorgt.
Foto: imago
Bereits zum zweiten Mal wurden weltweit Computersysteme mit Malware infiziert, die Daten sperrt und Lösegeld fordert. Was ihr darüber wissen müsst.

Bereits zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit gab es einen weltweiten Cyberangriff, bei dem zahlreiche Computer weltweit lahmgelegt worden sind. Die dafür eingesetzte Schadsoftware ist nach Einschätzung von Experten allerdings gefährlicher als der Erpressungstrojaner WannaCry Mitte Mai, auch wenn sich die Schadsoftware langsamer verbreitet.

Wie erfolgt der Angriff?

Eine Schadsoftware infiziert die Computer ihrer Opfer mit sogenannter Ransomware. Die Opfer werden von ihren Rechnern ausgesperrt und können nicht mehr auf die Daten zugreifen. Die vermeintlichen Erpresser verlangen Lösegeld.

Welche Schadsoftware steckt dahinter?

Beim Ausbruch der Attacke glaubte man, dass dafür ein Trojaner namens „Petya“ adaptiert worden war. Doch neue Untersuchungen von Sicherheitsforschern ergeben, dass ein neuer Trojaner dahinter steckt und bezeichnen die Schadsoftware daher als „NoPetya“. Die neue Variante verwendet die Erpressung auch nur als Vorwand.

Was wollen die Angreifer?

Der oder die Erpresser fordern zur Wiederherstellung infizierter Computersysteme 300 Dollar Lösegeld, zu zahlen in der Digitalwährung Bitcoins. Es wird aber von Experten davon ausgegangen, dass die Angreifer vor allem Chaos und politische Unruhe erzeugen wollten. Die Lösung für die Freischaltung der Daten wurde nämlich äußerst schlecht konzipiert. Das Geld sollte nur auf ein bestimmtes Konto fließen. Die dazugehörige Mail-Adresse ist mittlerweile gesperrt. Außerdem können die Angreifer die Daten gar nicht entschlüsseln, wie Sicherheitsforscher am Donnerstag rausgefunden haben. Betroffene sollten daher auf gar keinen Fall zahlen.

Welche Länder und Unternehmen sind/ waren betroffen?

Die IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes verzeichnete bis Mittwoch rund 18000 Infektionen in über 60 Ländern. Vor allem Firmen und öffentliche Einrichtungen in der Ukraine und Russland wurden hart getroffen. Deutsche Unternehmen gehören aber ebenfalls zu Petyas Opfern. Der in Berlin ansässige E-Mail-Dienstleister Posteo sperrte nach eigenen Angaben einen Account, der für den Cyberangriff genutzt wurde. In der Hamburger Zentrale des Kosmetikherstellers Beiersdorf wiederum sind Computer sowie die gesamte Telefonanlage ausgefallen. Die IT-Systeme der Deutschen Post und von Metro wurden in der Ukraine attackiert.

Von dem Angriff betroffen waren auch der größte russische Ölproduzent Rosneft, der US-Pharmakonzern Merck, der Werbegigant WPP, die französische Bahn SNCF und der Lebensmittel-Riese Mondelez („Milka“, „Oreo“). An der Ruine des Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine musste die Radioaktivität nach dem Ausfall von Windows-Computern manuell gemessen werden. Jüngstes Opfer ist eine Schokoladen-Fabrik von Cadbury in Australien, wo die Produktion nach dem Angriff gestoppt wurde.

Wer sind die Angreifer?

Es wird von einem politisch motivierten Angriff ausgegangen. Der Cyberangriff hat seinen Ursprung in der Ukraine, wo er sich über ein manipuliertes, automatisiertes Update einer Steuersoftware verbreitet hat, die dort praktisch jeder nutzt.

Wo ist der Unterschied zwischen NoPetya und WannaCry?

Der Trojaner hat sich zumindest zum Teil über dieselbe Sicherheitslücke in älterer Windows-Software verbreitet wie WannaCry. Die Windows-Schwachstelle wurde ursprünglich vom US-Abhördienst NSA ausgenutzt. Anders als bei WannaCry werden aber mehrere Schwachstellen in Windows-Systemen ausgenutzt. Bei WannaCry konnten infizierte Computer außerdem noch hochgefahren und Programme gestartet werden. Das ist bei der neuen Schadsoftware nicht möglich. Nach einem erzwungenen Neustart erscheint nur noch die Information, dass der Computer infiziert ist.

Welche Systeme müssen geschützt werden?

Durch die Wurm-Funktionalität sind alle Windows-Systeme gefährdet, die den MS17-010 Patch aus März/April 2017 noch immer nicht eingespielt wurden. Weiters sind alle Netzwerke akut gefährdet, die es erlauben, dass sich Benutzer mit lokalen Admin-Rechten am System anmelden, und Netzwerke, die über mehrere Maschinen hinweg gleiche Admin-Accounts verwenden, sagt CERT.at.

Was rät die Polizei zum Schutz vor derartigen Angriffen?

Es hilft, regelmäßig Sicherheits-Updates zu installieren und Patches für System und Software einzuspielen. Nutzer sollten außerdem vorsichtig beim Öffnen von E-Mails sein, deren Absender sie nicht kennen. Keinesfalls sollten von derartigen Absendern unbekannte Dateianhänge geöffnet werden. Bei vermeintlichen "Rechnungen" sollten User besonders vorsichtig sein. Wichtig ist außerdem eine Strategie für Sicherheitskopien zu entwickeln. Das Backup-Medium darf keinesfalls permanent am selben Netz hängen.

Was soll ich tun, wenn ich betroffen bin?

Das Backup einspielen. Experten raten dazu, keinesfalls Lösegeld zu zahlen. Privatnutzer und Firmen, die zahlen, finanzieren die Angreifer, die dadurch mehr Ressourcen haben, nach Schwachstellen zu suchen oder sie zu kaufen. So soll es regelmäßig Ransomware-Fälle geben, bei denen nach erfolgreicher Zahlung keine Entschlüsselungstools bereit gestellt wurden.

Was kann ich als Verbraucher tun?

Die Software immer auf dem neuesten Stand halten ist die absolute Mindestanforderung. Außerdem sollte man eine Firewall einsetzen, die den Datenverkehr überwacht - auch innerhalb des eigenen Netzwerks, damit ein Gerät nicht andere anstecken kann. Schließlich sollte man die jahrelangen Warnungen von Experten beherzigen, nicht übereilt auf unbekannte Links in E-Mails zu klicken.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse für die Zukunft?

  1. Wenn kritische Sicherheitsupdates bereitgestellt werden, gehören sie zeitnahe installiert.
  2. Keine Admin-Rechte für normale Nutzer.
  3. Regelmäßige Backups sind essentiell.
  4. Es braucht eine Verpflichtung zum Melden und Beheben von Sicherheitslücken, die auch für Geheimdienste und Staaten gilt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf futurezone.at.

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