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China sucht Tech-Spezialisten – Aber bloß keine Frauen

Chinesische Frauen verdienen in der Internetbranche bis zu 30 Prozent weniger.
Chinesische Frauen verdienen in der Internetbranche bis zu 30 Prozent weniger.
Foto: imago
Nicht nur bei Google haben es Frauen in der Tech-Branche schwer. Zahlreiche Job-Angebote in China weisen ausdrücklich darauf hin, dass Bewerbungen von weiblichen Arbeitskräften nicht erwünscht sind.

Dass Tech-Unternehmen in den USA mit Frauen auf Kriegsfuß zu stehen scheinen, ist bekannt. Für die Erinnerung daran sorgten unlängst das Memo eines Google-Mitarbeiters, welches Frauen aufgrund ihrer Biologie eine natürliche Benachteiligung für den Bereich Technologie bescheinigte, sowie diverse Beschwerden wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung bei Uber Technologies Co.

Chinas Gesellschaft erkennt kein Fehlverhalten

In China sind Probleme dieser Art so stark in der Gesellschaft verankert, dass sie von Vielen gar nicht als Fehlverhalten wahrgenommen werden. Sexuelle Belästigung und Diskriminierung sind zwar illegal, die Einhaltung der dazugehörigen Gesetze wird für gewöhnlich aber nicht überwacht. Mit speziellen Zusätzen in Jobanzeigen nehmen Unternehmen den "Störfaktor Frau" daher scheinbar eher präventiv in Angriff. Sie fügen ihren Annoncen schlicht bei, dass man ausschließlich auf die Bewerbung von Männern Wert legt.

Frauen bekommen 30 Prozent weniger Gehalt als Männer

Laut dem Wall Street Journal ist diese Handhabung nicht verwunderlich, da bereits Eltern in China ihren Töchtern oft einreden sollen, dass sie für Mathematik, Physik oder Programmieren nicht geeignet seien. Dazu kommen die "typischen" Bedenken rund um Schwangerschaft und Kindererziehung, wenn es um die Anstellung oder Förderung von Frauen im Unternehmen geht.

Laut einer Umfrage der in Peking basierten Online-Rekrutierungsfirma Boss Zhipin soll Chinas Internetindustrie zudem zu den am stärksten diskriminierenden Branchen im Land gehören. So sollen Frauen dort 2016 im Durchschnittt 30% weniger verdient haben als ihre männlichen Kollegen.

Die Gesetze sind da, es macht sie nur niemand geltend

Dass sich die Umstände in naher Zukunft ändern werden, ist eher unwahrscheinlich. Denn obwohl die Rechtslage chinesischen Frauen theoretisch bereits einen umfangreichen Arbeitsschutz und den Schutz ihrer Rechte gewährt, ist die Durchsetzung dieser bestenfalls lückenhaft.

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