Digital Life 

Wenn Computer auf Pornos abfahren

Was kommt dabei heraus, wenn man es einer Maschine ermöglicht, sexuelle Fantasien "auszuleben"? Eine Video-Installation des britischen Künstler Jake Elwes gibt Einblicke.

Es sind Pornobilder – ein Mix aus Penissen, Hintern und Vaginas. Und doch sieht man, wenn man es ganz genau nimmt, auch wieder nichts von alldem. Die Bilder, die bei „Machine Learning Porn“ gezeigt werden, gehören zumindest zu keinem Menschen, sondern sie sind rein maschinell erzeugt. Ein neunminütiges Video davon war bei der diesjährigen Ausstellung „Artificial Intimacy“ im Rahmen des „Ars Electronica Festivals 2017“ zu sehen. Alle 30 Sekunden generiert die Maschine eine neue Videosequenz aus anderen Geschlechtsteilen.

Der britische Künstler Jake Elwis hat ein neuronales Netzwerk darauf hin trainiert, eine Suchmaschine nach pornografischen Inhalten zu durchsuchen. Das Material hat dabei allerdings nicht er, sondern lediglich die Maschine gesichtet – und die hat er so programmiert, dass sie neue explizite Inhalte generiert.

Maschine mit Pornobildern gefüttert

„Die Daten selbst stammen von Yahoo. Die Suchmaschine hat mehr als 14 Millionen Pornobilder gesammelt. Ich habe das Material nicht gesichtet, sondern nur meine Maschine damit gefüttert“, erklärt Elwis im Gespräch mit der futurezone. „Ich habe begonnen mit sogenannten Generative Adversarial Networks zu experimentieren“, erzählt Elwis. Inspiriert dazu worden sei er von Gabriel Goh, seinem Mentor aus Berlin.

Generative Adversarial Networks sind zwei künstliche neuronale Netzwerke, die ein Nullsummenspiel durchführen. Das erste Netzwerk („der Generator“) versucht zu lernen, neue Bilder aus denen zu generieren, mit denen es „gefüttert“ wird und die so realistisch wie möglich aussehen. Das zweite Netzwerk („der Kritiker“) lernt dann in Folge echten Ergebnissen und den künstlich generierten zu unterscheiden. So lernt der Generator ständig bessere Resultate zu liefern, sodass der Kritiker immer besser werden muss, um die künstlich erzeugten Bilder zu bemerken. „Das funktioniert mit Katzenbildern genauso wie mit Pornografie“, so Elwis.

Computer "kreiert" Menschen

Der deutsche Künstler Mike Tyka hat sich bei seinen „Portraits of Imaginary People“ derselben Grundidee mit Generative Adversarial Networks bedient. Dabei handelt es sich um ein Kunstprojekt, das mithilfe von maschinellem Lernen Porträts von Menschen erstellt, die gar nicht wirklich existieren. Tyka verwendete dazu als Ursprungsquelle tausende Bilder von Flickr.


„Ich habe Pornografie gewählt, weil ich finde, dass das sehr poetisch ist: Einem Computern Dinge beizubringen, die er selbst nie haben kann – Erotik und Sex. Weiter als das kommt eine Maschine nicht!“

Für Elwis, der gerade seinen Abschluss auf der berühmten Kunstschule „Slade School of Art“ in London gemacht hat, ist das Ganze zudem nichts weiter als ein künstlerisches Experiment. „Ich habe schon immer mit Technologie experimentiert“, sagt er. „Für mich ist es interessant, wenn man sich als Künstler aus einem Werk selbst herausnimmt, und der Maschine den Vortritt lässt.“

Sexroboter liest Erotikgeschichten

Die Bilder, die die Maschine ausspuckt, werfen vor allem einen männlichen Blick auf die „Action“. War das dem Künstler bei seinem Projekt bewusst? „Nein, nicht wirklich. Ich habe sehr viele Hintern zu Gesicht bekommen, also dachte ich eher, es sei sehr homosexuell“, sagt Elwis. Der Künstler arbeitet bereits an seinem nächsten Projekt, das einen weiblicheren Blickwinkel vertreten wird. „Ich werde einen Sexroboter programmieren, der basierend auf acht Millionen Artikeln aus erotischen Literaturgeschichten vorliest“, erzählt Elwis.

Bisher hat Elwis ausschließlich positive Reaktionen auf sein Projekt erhalten. „Meiner Großmutter habe ich es allerdings noch nicht gezeigt“, sagt er. Nur Facebook und Instagram waren weniger begeistert von seinem Projekt: Sie nahmen „Machine Learning Porn“ sofort offline. „Das ist für mich etwas absurd – es handelt sich dabei ja nicht um menschliche Pornografie. Ein Mensch sollte den Unterschied erkennen“, so Elwis, der an eine „friedliche Symbiose“ zwischen Mensch und Maschine glaubt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

Digital Life 

Abo-Fallen im Mobilfunk: Verbraucher sind schlecht geschützt

In die Abo-Falle geraten Smartphone-User leicht.
In die Abo-Falle geraten Smartphone-User leicht.
Foto: imago

Verbraucherschützer missbilligen die Abo-Fallen der Mobilfunkanbieter: Das Redirect-Verfahren werde mit präparierten Apps systematisch "unterlaufen".

Mehr lesen