Digital Life 

Wie die digitale Welt Stalking vereinfacht

Sandra Cegla, Gründerin von „SOS-Stalking" sprach bei der Privacy Week in Wien.
Sandra Cegla, Gründerin von „SOS-Stalking" sprach bei der Privacy Week in Wien.
Foto: Barbara Wimmer
Stalker können soziale Netzwerke und Smartphones leicht für ihre Zwecke Missbrauchen. Stalking-Expertin Sandra Celga klärt über die Gefahren der digitalen Verfolgung auf.

Als Marina Leises (Name geändert) Freund sie plötzlich mit einer Information konfrontiert hat, die er gar nicht wissen konnte, weil sie nichts davon in seiner Gegenwart je erzählt hatte, wurde die junge Unternehmerin stutzig und fragte sich: „Woher weiß er das alles?“ Ihr Freund hatte eine Spyware auf ihrem Smartphone installiert und alle Gespräche mit ihren Freundinnen mitgehört und –gelesen. Vor ihrem inneren Auge waren alle Dialoge abgelaufen, die sie in den vergangenen Wochen ausgetauscht hatte. Die junge Unternehmerin schilderte der Kriminalkommissarin und Stalking-Expertin Sandra Cegla, Gründerin von „SOS-Stalking“, lebhaft, was mit ihr passiert war, als sie davon erfahren hatte.

Stalking in der Familie

„Es war ein riesiger Vertrauensbruch. Der Fall hat mich betroffen gemacht, und mich dafür sensibilisiert, wie einfach es heutzutage ist, an Daten ranzukommen, die wir gar nicht haben dürfen“, erzählt Cegla, die bei der „Privacy Week“ in Wien vergangene Woche einen Vortrag zum Thema „Stalking“ gehalten hatte. „Spyware auf Geräten zu installieren ist einfach. Im Familienbereich ist es gar kein Problem, weil da lässt man sein Handy auch mal am Küchentisch liegen und der Partner kennt den Code“, so die Stalking-Expertin. „Viele Männer, zumindest jene älterer Generationen, sind außerdem als Administratoren für die Betreuung der Heim-Computer zuständig und haben es leicht, derartige Software zu installieren“, sagt Cegla. Und laut Cegla sind 80 Prozent der Stalker Männer.

„Stalking ist ein weit verbreitetes Gesellschaftsphänomen, das unsagbares Leid verursachen und ganze Existenzen vernichten kann. In 80 Prozent der Fälle gab es davor eine Art von intimer Beziehung zwischen Opfer und Täter“, so die Expertin, die mit „SOS Stalking“ eine Plattform gegründet hat, um Opfern zu helfen. „Wir bieten eine aktive und diskrete Hilfe im Einzelfall an, sowie Aufklärung“, sagt Cegla.

Täter leiden oft unter psychischer Erkrankung

„Wichtig ist dabei zu wissen, dass Stalking selbst keine psychische Erkrankung ist, aber eine solche bei vielen Tätern vorliegt. Aber nicht nur. Manche stecken in einer Lebenskrise und klammern sich an den Partner und überschreiten dabei Grenzen. In so eine Lebenskrise kann jeder geraten, aber diese Personen haben meistens die Fähigkeit, neue Kontakte zu knüpfen und sich selbst zu helfen.“

Bei den Opfern hingegen gebe es „keinen bestimmten Typ“, wie die Expertin sagt. „Aber: Es sind zu 80 Prozent Frauen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Das muss gar nichts mit dem Auftreten zu tun haben.“ Intime Partner würden allerdings naturgemäß viele Kränkungspunkte kennen und mit Daten „großen Schaden“ anrichten können. Im digitalen Bereich ist es etwa Spyware „der Klassiker“ unter den Stalking-Methoden.

WhatsApp macht es Stalkern besonders leicht

WhatsApp bezeichnet die Stalking-Expertin als „eigene Kategorie“. „Bei WhatsApp gibt es die Möglichkeit, den Messaging-Dienst mit anderen Geräten zu verbinden, etwa Tablets oder Laptops. Wenn der Stalker das Smartphone in die Hände bekommt, kann er den Dienst mit seinem eigenen Gerät verlinken und hat so die Möglichkeit, alles mitzulesen“, schildert Cegla. „Das hört sich haarsträubend an und man könnte denken, dass das keiner macht. Aber es machen tatsächlich Menschen. Das muss ich jeden Tag wieder erleben.“

Bei Stalkern heiß gefragt sind auch die Standortdaten ihrer Opfer. „Diese Daten sind das gefundene Fressen, weil sie dann wissen, wann sich ihre Opfer wo aufhalten und ein Bewegungsprofil erstellen können“, sagt Cegla. Auch Social-Media-Aktivitäten werden regelmäßig beobachtet. Ihr Rat: „Man sollte sich vor jedem Posting die Brille eines Menschen aufsetzen, der einem nichts Gutes will.“

Hilfe für die Opfer

Für Opfer sei es oft schwierig, sich bewusst zu machen, dass das, was da mit einem geschehe, tatsächlich Stalking sei, so die Expertin. „Ist man sich dessen klar, sollte der sofortige Kontaktabbruch zum Täter erfolgen. Und zwar konsequent. Andernfalls glaubt dieser, dass er noch eine Chance hat und man noch Kontakt haben will“, sagt Cegla. Empfohlen werde auch, die Handy-Nummer zu wechseln. Zudem rät die Expertin, „rechtliche Beratung“ in Anspruch zu nehmen und zur Polizei zu gehen. Weitere Tipps und Hilfestellungen für Betroffene gibt es in Deutschland unter „SOS Stalking

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at

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