Digital Life 

Facebook hat keine Ahnung, welche Daten weitergegeben wurden

Nahezu zwei Drittel der deutschen Facebook-Nutzer haben mittlerweile Angst davor, dass ihre Daten durch das soziale Netzwerk missbraucht werden könnten.
Nahezu zwei Drittel der deutschen Facebook-Nutzer haben mittlerweile Angst davor, dass ihre Daten durch das soziale Netzwerk missbraucht werden könnten.
Foto: imago/ Becker&Bredel
Als wäre der Skandal nicht schon groß genug, muss Facebook jetzt auch noch zugeben, dass nicht bekannt ist, welche Nutzerdaten zu Cambridge Analytica gelangt sind.

Facebook ist nach eigenen Angaben weiterhin nicht bekannt, welche Informationen seiner Nutzer genau im jüngsten Datenschutz-Skandal bei der umstrittenen Firma Cambridge Analytica gelandet sind.

„Bis zum heutigen Tage wissen wir nicht, welche Daten Cambridge Analytica hat“, sagte die für das operative Geschäft zuständige Top-Managerin Sheryl Sandberg der „Financial Times“. Nach Gründer und Chef Mark Zuckerberg räumte auch sie Fehler ein und sagte, Facebook habe zu langsam reagiert.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.

310.000 deutsche Facebook-Nutzer könnten betroffen sein

Nach Einschätzung des sozialen Netzwerks könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein, darunter potenziell knapp 310.000 Facebook-Mitglieder aus Deutschland.

Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook konnte den Datenbestand bei Cambridge Analytica bisher nicht nachprüfen, weil bei der Firma zunächst die britische Datenschutzbehörde am Zug ist.

Datenskandal: Hunderttausende deutsche Facebook-Nutzer betroffen

Laut Kartellamt hat Facebook seine Marktmacht ausgenutzt

Nach Meinung von Kartellamtspräsident Andreas Mundt hat Facebook bei der Datennutzung seine Marktmacht missbraucht. „Nach dem jetzigen Stand gehen wir davon aus, dass Facebook seine Marktmacht gegenüber den Kunden durch die Art und Weise, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, missbräuchlich ausnutzt“, sagte Mundt der „Rheinischen Post“. „Bleiben wir bei diesem Befund, wird Facebook seine Praxis anpassen müssen.“

Der Präsident des Bundeskartellamts verstärkte damit den Druck auf das soziale Netzwerk.

Fast zwei Drittel der deutschen Facebook-User haben Angst vor Datenmissbrauch

Unterdessen wächst die Angst der Internetnutzer vor Datenmissbrauch. 61 Prozent der User in Deutschland haben große oder sehr große Sorge vor einem Missbrauch ihrer persönlichen Daten, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-„DeutschlandTrend“ hervorgeht.

So versteckt ihr eure Daten vor Facebook Apps

59 Prozent der Internetnutzer gaben an, unabhängig von den aktuellen Berichten das soziale Netzwerk nicht zu nutzen. 27 Prozent sagten, sie nutzten Facebook unverändert weiter. Zwölf Prozent nutzten demnach Facebook wegen der Berichte weniger als früher. Zwei Prozent gaben an, Facebook aufgrund der Berichte nicht mehr zu nutzen.

Das Vertrauen in das soziale Netzwerk ist laut der Umfrage gering. Nur zehn Prozent der befragten Facebook-Nutzer haben großes Vertrauen, dass das Unternehmen mit persönlichen Daten verantwortungsvoll umgeht. 88 Prozent haben wenig oder gar kein Vertrauen. Sehr großes Vertrauen hat demnach keiner der befragten Facebook-Nutzer.

Zu den Kommentaren

Neueste Videos auf futurezone.de

Beschreibung anzeigen