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Wozniak gegen die Branche: Er teilt wieder aus

Wozniak hat erneut Kritik an Facebook, Tesla und Co. geübt.
Wozniak hat erneut Kritik an Facebook, Tesla und Co. geübt.
Foto: imago / AFLO
Steve Wozniak ist dafür bekannt, gerne mal gegen die Tech-Branche auszuteilen, wenn er die Möglichkeit dazu hat. So auch bei der WeAreDevelopers Entwicklerkonferenz.

Die Wiener Entwicklerkonferenz „WeAreDevelopers“ will das „Woodstock für Developer“ sein, da macht es nur Sinn, dass man einen wahren Rockstar der IT-Branche eingeladen hat. Apple-Mitgründer Steve Wozniak sprach am Mittwochmorgen vor mehr als 8.000 Menschen im Austria Center – und teilte ordentlich aus. Sei es nun Facebook, Tesla oder Google, jeder Star der Branche wurde vom mittlerweile 67-jährigen US-Amerikaner kritisiert.


Misstrauen gegenüber Elon Musk

„Das ist wohl die größte Gruppe an Menschen, vor der ich je gesprochen habe“, sagte Wozniak, der von einem jubelnden Publikum empfangen wurde. Zu Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk, der derzeit ähnlich als Visionär gefeiert wird wie einst Steve Jobs, habe er eine komplizierte Beziehung. „Er hat mir einmal eine E-Mail geschickt und gesagt, ich wäre kein echter Silicon Valley Boy.“ Wozniak pries die Elektrofahrzeuge von Tesla lange als revolutionär an, kürzlich sagte er jedoch, er „glaubt Elon Musk kein Wort mehr“. Zu oft habe Tesla revolutionäre Technologien, wie selbstfahrende Autos, versprochen und diese nicht geliefert.

„Er hat aber eine glaubwürdige Vision von der Zukunft, die deutlich weitreichender ist als die von anderen Herstellern.“ Auch er kann sich aber dem Tesla-Hype nicht entziehen: Als ihm seine Frau erlaubt hat, einen Tesla zu kaufen, hat er sofort zugeschlagen. „Dreißig Sekunden nachdem sie das gesagt hat, habe ich ihn schon online bestellt.“ Derzeit bevorzugt er aber dennoch den Chevy Bolt EV, der in Europa als Opel Ampera E verkauft wird.

Auch Facebook muss einstecken

Wozniak ist bekannt dafür, harsche Kritik an aktuellen Technologie-Konzernen zu üben. Derzeit hat er auch Facebook im Visier, von dem er sich kürzlich nach zehn Jahren Mitgliedschaft abgemeldet hat. „Mark Zuckerberg sagt, Apple sei so teuer. Immerhin kümmern sie sich um Privatsphäre. Das würde Facebook wohl auch nicht, wenn sie einen Dollar pro Monat verlangen würden.“

Der offene Schlagabtausch zwischen Apple-CEO Tim Cook und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sorgte in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen. Cook warf Facebook vor, die Daten seiner Nutzer zu verkaufen, worauf Zuckerberg entgegnete, Apple-Kunden würden an dem Stockholm-Syndrom leiden. Obwohl Wozniak bereits in den 80er Jahren aus dem operativen Geschäft bei Apple ausgeschieden ist, wird er nach wie vor offiziell als Mitarbeiter geführt. Dieser Konflikt zwischen den beiden CEOs habe aber nicht den Ausschlag für Wozniaks Entscheidung gegeben, sein Facebook-Konto zu löschen.

Von Google zu Apple

„Meine Frau hat mich dazu inspiriert, sie hat ihr Konto auch gelöscht“, sagte Wozniak. „Ich hatte 5000 Facebook-Freunde, die ich nicht wirklich kannte. Ich war süchtig nach dem Scrollen durch den Feed. Aber ich will mein Leben lieber leben statt damit anzugeben.“ Das Geschäftsmodell hinter Facebook sieht er allerdings ebenfalls kritisch. „Facebook verdient Milliarden mit deinen Daten und man bekommt gar nichts, das hat mich immer gestört. Außerdem sollte die Tatsache, dass mir etwas gefällt, das du gepostet hast, zwischen uns beiden bleiben und nicht mit Werbern geteilt werden.“

Seine Social-Media-Aktivitäten habe er deutlich eingeschränkt und kurioserweise auf die Tochterplattform verlagert: „Ich habe einen Instagram-Account mit nur sechs Freunden. Zugegeben, es gehört auch Facebook, aber es ist so wundervoll. Ich werde nicht überfordert.“

Er will Facebook aber nicht komplett verteufeln: „Facebook ist nichts Schlechtes, viele Menschen nutzen es gerne. Aber ich glaube auch, dass es viele Menschen überschätzen. Ich hatte am Anfang auch Angst davor, es zu verlassen. Ich dachte, es wäre unmöglich.“Auch Google, das seine Dienste kostenlos anbietet und im Gegenzug zielgerichtete Werbung anzeigt, will er künftig nicht mehr nutzen. „Ich werde mich so bald wie möglich auch von Google verabschieden“, sagte Wozniak. „Ich werde mein Gmail und meinen Kalender löschen und zu Apple wechseln.“

„Ich hatte Bitcoin zum Experimentieren"

Obwohl er sich in den vergangenen Jahren kritisch gegenüber Apple zeigte, verteidigt er das von ihm gegründete Unternehmen in Wien. „Apple ist seit dem Tod von Steve Jobs sehr innovativ“, sagt Wozniak und verweist auf den Fingerabdruck-Sensor Touch ID. „Wer hatte das schon vorher? Android hatte zwei Jahre lang Bezahlen mit dem Smartphone und es war zu kompliziert. Dann kam Apple mit Apple Pay daher und man konnte mit dem Fingerabdruck bezahlen.“

Für Bitcoins und der dahinterstehenden Technologie Blockchain hat er nur wohlwollende Worte übrig, warnt aber auch vor einem Crash. „Die Blockchain kam mit Bitcoin und das ist die gute Blockchain, weil sie vollständig dezentral organisiert ist“, erklärt Wozniak. „Viele der Vorteile der Bitcoin-Blockchain hat man bei anderen Ablegern nicht.“ Für ihn sei die Bitcoin-Blockchain auch der „Goldstandard“ der Branche, der auch den Hype überdauern werde. „Ich kann mich noch an die Anfangszeit des Internets erinnern, es gab unglaublich viele Ideen und dann stürzte alles mit dem Crash zusammen.“

Eine ähnliche Phase werde auch die Blockchain-Branche durchlaufen: „Es gibt bereits erste Blockchain-Anwendungen, aber sie werden sich erst in zehn Jahren richtig durchsetzen.“ Insbesondere die aktuelle Goldgräber-Stimmung habe ihn dazu gebracht, fast all seine Kryptowährungen zu verkaufen. „Ich hatte Bitcoin zum Experimentieren. Doch dann stieg der Preis plötzlich und ich habe aus Angst alles verkauft bis auf einen Bitcoin und zwei Ether. Ich bin kein Investor, ich will nicht die ganze Zeit dabei zuschauen, wie der Preis rauf und runter geht.“

Eigene Online-Universität

Wozniak erzählte auch von einem Treffen mit Musiker Kanye West, der sich selbst einmal als der „nächste Steve Jobs“ bezeichnete und Facebook-CEO Mark Zuckerberg öffentlich um Geld bat. Der Apple-Gründer traf West 2013 und unterschrieb eine von zwei Mac-Pro-Mäusen – die andere wurde von Steve Jobs unterschrieben. „Er ist eine sehr merkwürdige Person, er sprach zunächst nicht mit mir und schaute nur auf den Boden. Er wurde erst hellhörig, als ich von einem Infrarot-Gerät erzählte, das Paparazzi-Fotos unbrauchbar macht.“

Obwohl er heutzutage nur mehr einfache Programmierübungen mit einem Raspberry Pi mache, sei der dennoch laufend unterwegs, um junge Menschen zum Programmieren zu motivieren. „Wenn ich mir anschaue, was es heute alles gibt, habe ich gar keine Ahnung mehr, wie wir das früher geschafft haben.“ Kürzlich hat Wozniak auch eine eigene Online-Universität gegründet, die Entwicklern neue Fähigkeiten beibringen soll. „95 Prozent unserer Absolventen des ersten Jahrganges haben bereits Jobs.“

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„Algorithmus zum Glücklichsein“

Zum Schluss teilt er auch seinen „Algorithmus zum Glücklichsein“: „Glück entspricht Lächeln minus finsteren Blicken. Spiele und Witze waren schon immer ein großer Teil meines Lebens und das lässt mich lächeln. Und um finstere Blicke zu verhindern, sollte man einfach nicht mit Menschen streiten oder sich unnötig aufregen. Sei konstruktiv. Ich habe mein ganzes Leben nach dieser Formel verbracht und es hat mich glücklich gemacht.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei futurezone.at.

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