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Die U-Bahn in L.A. scannt die Körper der Fahrgäste – das ist nichts für Berlin

Sehen so zukünftige U-Bahnhöfe aus? Ein Körperscanner checkt, ob du Waffen mit in die U-Bahn nimmst.
Sehen so zukünftige U-Bahnhöfe aus? Ein Körperscanner checkt, ob du Waffen mit in die U-Bahn nimmst.
Foto: AP / Richard Vogel
Los Angeles will sich vor Terroranschlägen besser schützen. Deshalb werden alle öffentlichen Verkehrsmittel mit einem Körperscanner ausgestattet. Wie finden das denn die Berliner Verkehrsbetriebe?

Die Metro Rail, das U-Bahn- und Straßenbahn-System in Los Angeles, wird als erstes öffentliches Verkehrsmittel der Welt mit einem Körperscanner ausgestattet, berichtet AP News. Das System soll Personen auf versteckte Gegenstände, allen voran Waffen und Bomben, untersuchen.

Im Gegensatz zu den am Flughafen verwendeten Körperscannern muss man dazu nicht stehenbleiben, der Scan erfolgt laufend aus knapp neun Metern Abstand. Laut den Behörden können bis zu 2.000 Personen pro Stunde so untersucht werden. Täglich fahren mehr als 150.000 Menschen mit der Metro Rail.

Ziel: Terroranschläge verhindern

„Wir suchen spezifisch nach Waffen, mit denen Menschen in Massen verletzt werden können. Das sind Sprengstoffwesten oder Sturmgewehre. Kleinere Waffen, die keine Massenverletzungen verursachen können, sind nicht unser primäres Ziel“, so Alex Wiggins, verantwortlich für die Sicherheit in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Los Angeles.

Die Körperscanner sollen in den kommenden Monaten installiert werden. Fahrgäste werden durch Schilder auf den Einsatz der Körperscanner hingewiesen und können diese auch verweigern - allerdings dürfen sie dann auch nicht die Metro Rail betreten. Neben den fix installierten Körperscannern, die von der britischen Firma Thruvision stammen, sollen auch andere Körperscanner gekauft werden, die ihre Perspektive anpassen und verdächtige Personen verfolgen können.

Der Einsatz von Körperscannern wurde bereits in mehreren öffentlichen Verkehrssystemen in den USA erprobt, unter anderem New York, Washington D.C. und New Jersey. In Europa kamen diese vorwiegend an Flughäfen zum Einsatz, vielerorts wird wegen ihrer Unzuverlässigkeit aber bereits wieder darauf verzichtet. Diese lassen sich Kritikern zufolge relativ leicht austricksen und würden lediglich das Gefühl von Sicherheit geben.

Körperscanner für die Berliner U-Bahn denkbar?

Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass es auch in Deutschland derartige Körperscanner in öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht gibt. Selbst in der deutschen Hauptstadt Berlin, die 2016 einen Terroranschlag auf einen ihrer Weihnachtsmarkt erleben musste, ist die Sicherheitsmethode nicht denkbar.

"Wir haben Derartiges definitiv nicht vor, außerdem fehlen uns die rechtlichen Grundlagen dafür", erklärt Petra Reetz, Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf Anfrage von futurezone. "Wir sind die Verkehrsbetriebe, keine Staatsmacht", ist die Botschaft.

Selbst rein theoretisch seien Körperscanner in der Berliner U-Bahn nicht möglich, so Reetz. "Wir dürfen unsere Fahrgäste rechtlich gesehen noch nicht einmal nach ihrem Ausweis fragen, selbst wenn sie uns verdächtig vorkommen. Das einzige, was wir machen dürfen, ist, jemanden des Bahnhofs verweisen. Das müssen wir allerdings schon sehr gut begründen."

Polizei macht den Rest

Abgesehen von den unterschiedlichen Rechtssituationen in Berlin und Los Angeles bliebe außerdem noch der Aufwand: Während in L.A. täglich 150.000 Menschen die U-Bahn benutzen, sind es in der deutschen Hauptstadt ganze 1,5 Millionen. Selbst Stichprobenuntersuchungen wie in L.A. seien deshalb unrealistisch, sagt Reetz. "Geschweige denn, dass wir bei jedem Verdacht die Polizei rufen müssten, weil wir eben selbst nicht die Befugnisse haben, jemanden festzuhalten. Das geht einfach nicht."

Die Sicherheit vor mutmaßlichen Terroristen und anderen Kriminellen werde in der Berliner U-Bahn jedoch immer besser, so Reetz. Eine neue Uniform soll Polizisten besser sichtbar machen, auch der vermehrte Einsatz von Hunden und Videoüberwachung (am Bahnhof Südkreuz nun auch mit Gesichts- und Situationserkennung) soll potenzielle Täter abschrecken. Letztlich könne die BVG aber nicht viel mehr machen, als seine Züge in Schuss zu halten und den Rest der Polizei zu überlassen.

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