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Studie zeigt Facebook als Schuldigen für Hassverbrechen gegen Flüchtlinge

Facebook scheint Hassverbrechen gegen Geflüchtete zu fördern.
Facebook scheint Hassverbrechen gegen Geflüchtete zu fördern.
Foto: imago/Christian Mang
Im Rahmen einer Studie wollen zwei Forscher der University of Warwick bewiesen haben, dass Facebook zu Hassverbrechen verleitet.

Geschürt durch Hassbeiträge in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter sowie die mediale Omnipräsenz der „Flüchtlingskrise“ und in Teilen Erlebnisse am eigenen Leib, wächst vielerorts in Europa – auch in Deutschland – der Unmut gegenüber Geflüchteten. Die Resultate spiegeln sich in brennenden Unterkünften, Protesten und noch mehr (digitaler) Hass-Rede wider. All dies sind Beobachtungen und Spekulationen, doch kann man eine solche Bewegung überhaupt noch in Zahlen ausdrücken?

Anstoß in Altena

Die Kleinstadt Altena im nordrhein-westfälischen Märkischen Kreis der Bundesrepublik gilt derzeit als eines der Paradebeispiele, wenn es um durch Facebook ausgelöste Gewaltverbrechen an Flüchtigen geht. Den Auftakt dazu bot unter anderem der auszubildende Feuerwehrmann Dirk Denkhaus. Er erlangte durch seinen Versuch eine Flüchtlingsunterkunft anzuzünden bundesweite Bekanntheit. Der Grund dafür lag vor allem in der Frage nach seiner Motivation, denn der 25-Jährige wurde bis dato nicht als politisch – geschweige denn gefährlich – angesehen.

Neben gängigen Begründungen wie der schrumpfenden Wirtschaft der Kleinstadt sowie den gelangweilten und desillusionierten jungen Menschen tat sich hier ein neuer, bislang hintergründiger Faktor auf: Facebook. Auch Karsten Müller und Carlo Schwarz, Forscher der University of Warwick, schienen sich für Facebooks Rolle in solchen und ähnlichen Szenarien zu interessieren. Die daraus resultierende Studie brachte nun beunruhigende Ergebnisse zum Vorschein.

„Soziale Medien und Hassverbrechen“

Wie die New York Times berichtet, untersuchten Müller und Schwarz ganze 3.335 gelistete Angriffe auf Geflüchtete, die sich in einer Zeitspanne von zwei Jahren in Deutschland zugetragen haben. Dabei konzentrierten sie sich vor allem auf die entsprechenden Kommunen sowie scheinbar relevante Faktoren wie Wohlstand, Demographie, Unterstützer rechtsextremer Politik, Zeitungsverkäufe, Anzahl der Geflüchteten, Geschichte der Hassverbrechen sowie die Zahl der Protestaktionen.

Eine Variable stach im Rahmen ihrer Untersuchungen jedoch besonders stark heraus: Ortschaften, in denen die Facebook-Nutzung über dem Durchschnitt lag – darunter auch Altena – schienen anfälliger für Attacken gegen Geflüchtete. Weitgehend unabhängig von anderen Faktoren blieb diese Beobachtung konstant. Die Studie zeigt: Überall, wo die Facebook-Nutzung pro Person auf eine Standardabweichung über dem Landesdurchschnitt anstieg, stiegen die Angriffe auf Geflüchtete um circa 50 Prozent.

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Facebook als schwarzes Schaf

Die beiden Forscher der University of Warwick berichteten bundesweit von den Ergebnissen ihrer Studie. Dabei wurde klar: Der entdeckte Effekt beeinflusst rund zehn Prozent aller Gewalttaten gegen Flüchtige. Damit nicht genug ließ sich herauskristallisieren, dass hierbei nicht die Internetnutzung im allgemeinen – auch nicht der Gebrauch sozialer Medien – sondern explizit die Facebook-Nutzung derartig auf den untersuchten Gegenstand auszuwirken scheinen.

Facebook lehnte es ab, sich zu der Studie zu äußern, eine Sprecherin erklärte jedoch in einer E-Mail: "Unsere Herangehensweise an das, was auf Facebook erlaubt ist, hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verändert sich ständig, da wir von Experten auf diesem Gebiet lernen." Das Netzwerk hat seine Richtlinien bereits angepasst, um aggressiver gegen Hatespeech und ähnliche Phänomene vorgehen zu können, weshalb die weitere Entwicklung abzuwarten bleibt.

Zudem ist zu beachten, dass die Studie von Müller und Schwarz zwar eine Korrelation zwischen entsprechenden Angriffen und der Facebook-Nutzung aufzeigt, jedoch keine gerichtete Kausalität erkennbar ist. Ebenso könnten die Hassverbrechen also für den vermehrten Gebrauch des sozialen Netzwerks sorgen.

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