Digital Life 

Wie ein Mann die Welt nach 44 Jahren hinter Gittern sah

2014 kam Otis Johnson nach 44 Jahren Haft frei und wurde damit in eine neue Welt geschickt.
2014 kam Otis Johnson nach 44 Jahren Haft frei und wurde damit in eine neue Welt geschickt.
Foto: Al Jazeera
Nach 44 Jahren Haft wird ein Mann in einer völlig neuen Welt ausgesetzt. Seine Reaktion auf den technologischen Fortschritt gibt noch heute zu denken.

Für uns scheint es vollkommen normal: Wir laufen mit unseren Smartphones durch die Straßen, an Werbetafeln, Spots und Beschallung vorbei. Jeder befindet sich dabei in seiner eigenen digitalen Blase. Doch wie wirkte das Ganze auf eine Person, die die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte gar nicht – oder nur vom Spielfeldrand aus – beobachten konnte? Otis Johnson kann das wohl mit am besten beurteilen, denn er saß bis 2014 ganze 44 Jahre hinter Gittern.

Von wegen „Schöne neue Welt“

Im Alter von 25 Jahren griff Johnson einen Polizisten an – mit dem Urteil des versuchten Mordes schickte ihn ein Gericht daher ins Gefängnis. Mit 69 Jahren durfte der Mann erstmals wieder einen Fuß in die Freiheit setzen und kam sich dabei vor, als hätte man ihn in einen Science Fiction-Film gesteckt. Gegenüber dem arabischen Sender Al Jazeera erläutert er, wie es sich in dieser neuen Welt zurechtfand und welche Gefühle ihn dabei begleiteten.

„Ich stand hier sehr lange und habe mir diesen verrückten Kram angeschaut“, erklärte Johnson. Die meisten Menschen redeten mit sich selbst.“ Vor allem am Time Square in New York wurde ihm mit aller Wucht klar, was er in den vergangenen Jahrzehnten alles verpasst hatte. „Ich dachte: Ist denn jetzt jeder bei der CIA?“. Er sah erstmals Smartphones und das Verhältnis der Menschheit zu diesen neuen Technologien.

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Faszinationen eines Neulings

„Manche Leute gucken noch nicht einmal, wo sie langgehen“, so Johnson. „Das fand ich erstaunlich.“ Doch sind es nicht nur die Smartphones und anderen Gadgets, die es dem ehemaligen Häftling angetan hatten. Denn auch die Supermärkte – vor allem ihre Vielfalt – begeisterten den damals 69-Jährigen: „Es gibt so viele Sachen, die man essen kann.“ Auch seine Familie konnte er nach seiner Zeit im Gefängnis erstmals wiedersehen – ihre letzte Begegnung war 1975.

Doch wie würde es einem Menschen gehen, der nun entlassen wurde? Denn alleine in den vergangenen drei bis vier Jahren hat sich viel getan. Neben neuen Smartphones, Tablets und Co. sehen wir auch immer neue Trends in der Automobilindustrie: Selbstfahrende und elektrische Autos bahnen sich ihren Weg auf die Straßen und haben sogar bereits einen Flug ins All absolviert.

Netzwerke wie Facebook und Twitter spielen eine wesentliche Rolle in der Meinungsbildung der Bevölkerung, und alles, was man braucht, findet man online. Das alles muss ein recht verstörendes Bild für jemanden sein, der nicht einmal die Entstehung des Internets miterleben konnte und stattdessen völlig abgeschottet von sämtlichen Neuheiten leben musste.

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