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Big Brother is watching you: Das Handgelenk im Fokus deutscher Versicherer

Auch die Apple Watch Series 4 überwacht die Körperfunktionen der Träger.
Auch die Apple Watch Series 4 überwacht die Körperfunktionen der Träger.
Foto: AP/Marcio Jose Sanchez
Versicherer beginnen vermehrt, ihre Tarife an die Gesundheitsdaten der Kunden zu koppeln. Auch in Deutschland. Datenschützer sind alarmiert.

Der gläserne Patient ist keine düstere Zukunftsvision mehr, sondern spätestens jetzt Realität. Denn diese Woche gab das US-Versicherungsunternehmen John Hancock bekannt, dass man Lebensversicherungen nur noch „interaktive" Versicherungen anbieten werde – also jene, bei denen die Versicherten ihre Fitness- und Gesundheitsdaten über Smartphones und Wearables wie ein Fitnessband oder eine Smartwatch tracken. Damit sammeln die Kunden Punkte, für die sie im Gegenzug ermäßigte Versicherungsprämien zahlen oder in diversen Geschäften oder Hotels Rabatte bekommen.

Schrittmacher vs. Datenschützer

Optional hat die Versicherung diesen Dienst bereits seit 2015 angeboten. Betont wird dabei, dass die Methodik zu einem deutlich gesünderen Lebensstil beiträgt, zum Beispiel gehen die Versicherten doppelt so viele Schritte wie ein Durchschnittsamerikaner. Zugleich melden sich aber Datenschützer zu Wort, die die dystopische Vision Realität werden sehen, bei der mit Überwachungstechnologien jene Menschen diskriminiert werden, die sich nicht zu einer medizinischen Optimierung ihres Lebensstils überreden lassen wollen.

Marianne Harrison, CEO von John Hancock, widerspricht diesen Bedenken: Erstens habe man ohnehin bereits Erfahrung mit relevanten Finanz- und Gesundheitsdaten und lege daher viel Wert auf Datenschutz. Zweitens entscheide der Kunde selbst, welche Daten er mit der Versicherung teile.

AOK und Techniker vorn mit dabei

Dass die Entwicklung dennoch bedenklich ist, skizzierte zuletzt der Soziologe Stefan Selke im Gespräch mit dem KURIER. Derzeit würden Menschen zwar noch belohnt, wenn sie ihre Gesundheitsdaten aufzeichnen. „Aber wenn sich diese Systeme verbreiten, werden wir auch die Schattenseiten kennen lernen, nämlich, dass Leute bestraft werden, die solche Systeme nicht nutzen", sagt Selke.

Wearable-Smartphone Nubia Alpha

Es war eines der großen Highlights auf der IFA: das tragbare Smartphone von Nubia. In China wird es schon 2018 verkauft.
Wearable-Smartphone Nubia Alpha


Diesen Wandel spüre man nicht sofort, sondern er finde schleichend statt: „Wenn es sich verbreitet, wird es von einer Generation auf die andere einen spürbaren Effekt haben", sagt Selke: „Das ist ein Prozess, der zehn oder 20 Jahre braucht." In Zukunft werde es normal sein, Transparenz in allen Lebensbereichen zu erzeugen.

Einen Schritt weiter als beispielsweise die österreichischen Versicherer ist auf diesem Gebiet die deutsche AOK, bei der mit der „AOK Bonus-App" Daten an die Versicherung vermittelt werden und der Versicherte dadurch Vorteile erhält. Auch die zurückgelegten Schritte, die per App getrackt werden, fließen in die Bewertung ein – wobei auch die AOK betont, dass keine Fitness- oder Vitaldaten an die AOK übertragen werden. Ähnliches bietetauch die Techniker Krankenkasse mit ihrem digitalen Gesundheitsprogramm.

Wearables: Zweifelhafter Datenschutz und große Vorteile

Wearables wie diese haben einen fragwürdigen Datenschutz. Die Verbraucherzentrale warnte bereits in der Vergangenheit vor einem allzu sorglosen Umgang der Hersteller und Kunden mit den Datenmengen. Die Akzeptanz ist in Deutschland trotzdem groß: Mittlerweile misst rund jeder dritte Deutsche mit Wearables seine Körperfunktionen und Gesundheit.

Denn dass wiederum Patienten von den neuen Technologien profitieren können, zeigt unter anderem Peter P. Hopfinger von Diabetes-Austria Initiative Soforthilfe für Menschen mit Diabetes. Er misst seinen Glucosewert mit einem Sensor, der am Oberarm platziert wird. Hält er ein Lesegerät oder sein Smartphone an den Sensor, wird der aktuelle Wert gespeichert. „Ich messe jetzt 15 bis 19 mal am Tag, gestochen habe ich mich früher maximal sechs Mal am Tag.“ Die häufigeren Messungen helfen ihm und den Ärzten, die Insulinmengen über den Tagesverlauf besser abzustimmen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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