Digital Life 

Diese 5 Gründe sprechen gegen einen Cyberwar

Ist der Cyberwar nur eine Legende oder befinden wir uns bereits mittendrin?
Ist der Cyberwar nur eine Legende oder befinden wir uns bereits mittendrin?
Foto: imago/Kraehn
Ein Krieg im Cyberspace – das ist die Angst vieler Menschen weltweit. Doch ist das überhaupt wahrscheinlich? Wir erklären euch, was dagegen spricht.

Angefangen bei Snowden und Assange über die Hacker-Armee Kim Jong-uns bis hin zu jüngst manipulierter Hardware aus China. Der nächste Weltkrieg wird im Cyberspace ausgetragen, oder? Ob der Cyberwar tatsächlich eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, in wiefern er sich auf euch auswirken würde und ob wir uns möglicherweise bereits mittendrin befinden, erfahrt ihr hier.

Cyberwar – was ist das?

"Informationstechnologie" ist das Zauberwort des Cyberwars. Sie bildet das Fundament, auf dem kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Staaten im Cyberspace fußen. Zugleich ist es dank unkonkreter – unter anderem völkerrechtlicher – Definitionen nicht einfach, Aktionen im digitalen Raum tatsächlich kriegerische Handlungen zu deklarieren.

Ziel einer solchen Kampfhandlung könnte es sein, Netzwerke auszuspähen oder zu sabotieren. Auf diese Weise könnte man der gesamten Bevölkerung eines Staats nicht nur Internet und Strom kappen, sondern zugleich die gesamte Wasser- und Lebensmittelversorgung einer Nation zusammenbrechen lassen.

Video: Edward Snowden

Nicht zuletzt die Snowden-Enthüllungen haben gezeigt, dass den US-amerikanischen Geheimdiensten genau hierfür die notwendigen Mittel gestellt werden: das Black Budget. Speziell trainierte Cyber-Kommandos sollen Schwachstellen ausfindig machen, um sie im Ernstfall nutzen zu können. Doch was ist der Ernstfall und woran erkennen wir ihn? Befinden wir uns schon im digitalen dritten Weltkrieg?

N°1: Frieden auf Erden

Seit dem 02. September 1945 befindet sich die Welt in einem Zeitalter des Friedens. Angesichts der Konflikte, die nach wie vor hier und dort aufbrennen, scheint diese Aussage nur wenig glaubwürdig. Doch wenn man die Zahlen betrachtet, wie es beispielsweise Neil Halloran getan hat, fällt einem schnell auf, dass sie der Wahrheit entspricht.

Halloran hat sich im Rahmen seiner Projekte "The Shadow Peace" und "The Fallen of World War II" mit den Gefallenen des zweiten Weltkriegs auseinandergesetzt. Sie bezeichneten die größte Massenabschlachtung unserer Zeit und sorgten zugleich scheinbar für eine Art Lerneffekt. Hinzu kam der Kalte Krieg.

Video: The Fallen of World War II

Ein offensichtlich kriegerischer Akt – nicht nur im Cyberspace – zwischen Mächten wie Russland oder den USA könnte zur Eskalation führen. Folge dieser Eskalation wären entsprechend jeweiliger Fähigkeiten nicht nur die Lahmlegung von Strom- und Wasserversorgung. Atomanschläge bieten zugleich Gefahr und Schutz, da sie Zeitalter schaffen könnten, von dem sich die Menschheit, wenn überhaupt, nur schwerlich erholen könnte.

N°2: (Cyber-)War! What is it good for?

Absolutely nothing... Die großen Nationen, die die Erde bevölkern, hätten nichts von einem Krieg. Nehmen wir an man ließe das Finanzsystem eines Staates zusammenbrechen. Am Beispiel der EU hätte dies Folgen für sämtliche Mitgliedsstaaten und würde ihnen ebenso schaden wie dem eigentlich angedachten Ziel.

Doch ist die Europäische Union nicht der einzige Staatenverbund auf unserem Planeten. Finanzbündnisse, militärische Allianzen und viele weitere Verträge schützen uns vor dem Cyberwar. Wer in dieser Konstellation anderen ernsthaften Schaden zufügt, provoziert eine Eskalation, für die sich der Einsatz nicht lohnt. Sie würde den Angreifer selbst wohl nicht minder schaden als seinem Opfer.

N°3: Ein Geben und Nehmen

Trotz all dieser Allianzen und der Angst vor möglicher Eskalation, wird immer wieder über Spionage, Cyberangriffe und dergleichen Berichtet. Doch geht es hierbei meist nicht um das filmreife Erbeuten von nuklearen Abschusscodes oder die Zerstörung des Mondes. Vielmehr sichern sich die Staaten ab. Am Beispiel der USA zeigt sich das im Rahmen des Black Budgets.

Der Nutzen derzeitiger Aktionen liegt vorrangig darin, im Ernstfall die Strippen in der Hand zu halten. Sollten die deutschen Truppen also mitsamt G36 durch den Atlantik waten, könnten die US-Geheimdienste Versorgung, Kommunikation und vieles weitere kappen. Ansonsten lohnt sich der Einsatz dieser Mittel jedoch nicht.

N°4: Ignoranz für den Frieden

Die Experten streiten sich, wie der "Cyberwar" überhaupt zu verstehen ist. Man ist sich darüber uneinig, ob wir uns nicht schon mittendrin befinden – und wenn, warum wir es nicht bemerken. Oder ist es uns einfach egal? Nahezu 24/7 tragen wir unsere Smartphones bei uns, sitzen am Laptop oder nutzen digitale Bezahlmethoden.

Von Hacker-Angriffen wissen wir. Wir wissen auch, dass wir uns durch schlichtes Nicht-Nutzen auf einfachstem Wege davor schützen könnten. Käme es zum Krieg, würden unsere Daten dem Feind so ziemlich alles verraten. Tracking und psychologische Kriegsführung würden völlig neue Ausmaße annehmen. Doch im Endeffekt ist das alles kaum greifbar und entsprechend irrelevant.

N°5: "Wir reden hier eigentlich von Peanuts"

In den vergangenen Jahren gab es eine ganze Reihe größerer Hacks. Im Visier der Angreifer lagen unter anderem demokratische Wahlen – so auch 2017 in Deutschland, als der Bundestagswahlkampf beeinflusst wurde, und 2016, als die Russen den Wahlkampf der USA hackten. 143 Millionen Kundendaten fielen der Attacke auf den Finanzdienstleister Equifax zum Opfer und Riesen-Konzerne wie Netflix und HBO wurden von Hackergruppierungen wie "Thedarkoverloards" erpresst.

Und obwohl zudem Viren wie WannaCry und Lojax (Regierungs-)Netzwerke in aller Welt befallen, ist es bislang noch immer zu keiner ernsthaften Eskalation gekommen. Der Grund: Kein Staat hat seine größten Trümpfe ausgespielt. Niemand hat für den kompletten Blackout gesorgt oder klar in eine Richtung provoziert.

Fazit: Der Cyberwar ist überall und nirgends

Befinden wir uns nun im Krieg oder nicht? Nun, wenngleich es im Cyberspace immerwieder zu Handlungen kommt, die man als kriegerisch bezeichnen könnte, schützen uns doch diverse Gegebenheiten vor der tatsächlichen Eskalation. Es erinnert an die Pausen-Schlägerei hinter der Schule. Ist der aktuelle Tages-Konflikt behoben, sind sie wieder Freunde – Tausende kleine Cyberwars ohne Konsequenzen.

Natürlich sind eure Daten dennoch in Gefahr. Doch geht diese weniger von verfeindeten Staaten aus, als eher von großen Tech-Konzernen wie Facebook, Google und Co., die tatsächlich von ihnen profitieren können. Auch Lojax und ähnliche Schadware konzentriert sich eher auf staatliche Netzwerke. Ihr als Endverbraucher seid also für den Cybersoldaten derzeit uninteressant.

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