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1-2-3 und 7-8-9: Deshalb sind Handy- und Taschenrechnertastatur verschieden

Dein Handy beginnt mit 1-2-3, dein Taschenrechner mit 7-8-9. Warum ist das so?
Dein Handy beginnt mit 1-2-3, dein Taschenrechner mit 7-8-9. Warum ist das so?
Foto: Pixabay
Hast du dich auch schon einmal gefragt, warum auf deiner Handytastatur die Zahlen anders angeordnet sind als auf einem Taschenrechner? Nein? Auch egal, wir erklären es dir trotzdem.

Legst du dein Handy und einen Taschenrechner nebeneinander, fällt eines auf: Die Tastenfolgen unterscheiden sich. Während das Handy in der ersten Reihe mit 1-2-3 beginnt, stehen beim Rechner dort 7-8-9. Ist das Zufall? Mitnichten.

Denn was auf den ersten Blick sinnwidrig erscheint – schließlich dienen beide schlicht dem Ziel, Zahlen einzutippen – hat die verschiedensten Gründe. Dafür reist du mit uns zurück in die Geschichte, zu den Anfängen des Ziffernblocks.

Die numerische Rechnertastatur: Wer hat's erfunden?

Um zu verstehen, wieso sich Rechnertastatur und Telefontastatur heute unterscheiden und wie das alles zusammenhängt, ist ein kurzer Rückblick nötig.

1642: Die zweite Rechenmaschine der Welt

Die Anfänge der Entwicklung der Tastatur reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Was Blaise Pascal 1642 baute, sah aber noch nicht nach den Keyboards aus, wie wir sie heute kennen. Obwohl seine "Pascaline" nicht die erste mechanische Rechenmaschine der Welt war, hat sie die nachfolgenden doch grundlegend beeinflusst. So hatte sie etwa Metallwählscheiben, mit denen die Nummern eingestellt werden konnten.

1822: Die erste Rechenmaschine mit Tasten

Im 19. Jahrhundert dann wurde Pascals Konstruktion entscheidend weiterentwickelt, und zwar durch James Whites Konzept einer tastengesteuerten Rechenmaschine (1822). 1844 schließlich erfand Jean-Baptiste Schwilguć den ersten funktionierenden Prototypen einer numerischen Tastatur. Die Nummern waren dabei in einer Tastenreihe von 1 bis 9 angeordnet.

So weit, so gut. Das ist aber noch keine Antwort auf die Frage, warum heutige Rechner diese Reihenfolge umgekehrt haben, also von 9 bis 0 zählen. Hier kommt ein Mann namens Dorr Felt ins Spiel.

1884: Die erste Rechenmaschine für mehr Effizienz

Ende des 19. Jahrhunderts war die Zweite Industrielle Revolution in vollem Gange. Der Erfinder Dorr Eugene Felt erkannte zu jener Zeit, dass die Funktionsweise von Kassen auch die Effizienz von Rechenmaschine erhöhen konnte. Er schuf mit dem "Comptometer" eine Rechenmaschine mit einem 9-zu-1-Layout, mit der nun auch größere Rechenaufgaben möglich waren. Mehr noch: Die 9 stand oben auf der Tastatur, die 1 ganz unten – fast so, wie wir es heute gewöhnt sind.

1902 bis 1914: Die Rechner des Jahrhunderts

Die 0 kam dann erst im Jahr 1902 mit der "Dalton"-Rechenmaschine hinzu. Sie war eine Art Mini-Schreibmaschine mit zwei Tastenreihen: 24579 oben und 13068 unten. Damit hatte der Rechner seine 10 Tasten, und er hat sie bis heute. Die Effizienz war enorm gestiegen, seit die Tasten in Reichweite der Finger waren.

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Doch noch immer war es schwierig, die Rechner mit nur einer Handy zu bedienen. Das Problem löste David Sundstrand im Jahr 1914. Sein Ziel war eine logischere, natürliche Konfiguration der Zahlenfolge. Er entwickelte die schnellste Tastatur aller Rechenmaschinen. Das Layout: 3x3, beginnend mit 7-8-9 oben. Das ist das Konstrukt, was wir heute noch verwenden.

Die numerische Telefontastatur: Wer hat's erfunden?

Jetzt wird es interessant: Wir wissen, wie sich die numerische Tastatur des (Taschen)Rechners entwickelt hat. Was aber hat das mit deinem Smartphone zu tun? Eine klare Antwort gibt es nicht, doch der AT&T-Konzern scheint daran Schuld zu sein. Seit 1887 experimentierte sie mit physischen Tastentelefonen für Ferngespräche und konnte diese schließlich kommerzialisieren.

Video: Erste Ferngespräche mit dem Bell-Telefonsystem von 1949

Als sich die Technologie in den 1950ern stark verbreitete, wurden lokale Nummern, die bisher sechs Ziffern oder weniger hatten, mit einem siebenstelligen Standard erweitert. Ferngespräche hatten damit nun 11 Ziffern mit der 1 als erster. Mit immer längeren Telefonnummern wurden aber auch mehr Anrufe verpasst.

Der nordamerikanischer Telekommunikationskonzern AT&T fragte sich, ob dies an der Anordnung der Tastatur lag. Infolge wurden mehrere Studien durchgeführt, eine 1955 und eine 1960. Die Frage war: Welche Ziffernkonfiguration ist die beste für Telefonnutzer? Zugegeben, eine finale Antwort darauf lieferten beide Untersuchungen nicht. Aber die Vermutung lag nahe, dass Nutzer eine Folge von links nach rechts und von oben nach unten bevorzugten.

Telefon- statt Rechnertastatur: Menschen sind Gewohnheitstiere

Wohl deshalb entschied sich AT&T für eine 3x3+1-Folge. Fällt dir etwas auf? Ja, das ist noch heute die Anordnung, die wir in unseren Smartphones verwenden. Nur bieten die modernen Mobiltelefone Entwicklern außer bei der Bildschirmfläche keine physischen Einschränkungen mehr, weil keine physischen Tasten vorhanden sind.

Sieh dir dein Android oder iPhone an: Sowohl das Telefon- als auch das (Taschen)Rechner-Layout ähneln denjenigen, die vor 100 Jahren erfunden wurden. Menschen sind einfach Gewohnheitstiere und nehmen eher Vertrautes an, als Neues zu lernen. Das erklärt zwar nicht vollständig, warum Handy- und Taschenrechnertastatur nicht vereinheitlicht wurden. Aber es scheint immerhin der Grund dafür zu sein, dass sich Google und Apple für eine Telefon- statt für eine Rechnertastatur in ihren Smartphones entschieden haben.

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