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Die 5G-Auktion hat begonnen: Aber was haben wir eigentlich vom neuen Mobilfunk?

5G wird kommen: Aber was haben wir eigentlich davon?

Hinter dem künftigen Mobilfunkstandard 5G stecken viele Versprechen. Einige davon wird er erfüllen können, hinter anderen verbergen sich wiederum Risiken. Ist es das wert?
Mi, 20.02.2019, 15.34 Uhr

5G wird kommen: Aber was haben wir eigentlich davon?

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Hinter dem künftigen Mobilfunkstandard 5G stecken viele Versprechen. Einige davon wird er erfüllen können, hinter anderen verbergen sich wiederum Risiken. Ist es das wert?

In Deutschland hat die große Auktion der 5G-Frequenzen begonnen. Auf die Frage, was uns ein 5G-Netz eigentlich bringen wird, müsste man allerdings sofort die Gegenfrage stellen: Wem denn überhaupt genau? Grundsätzlich verspricht die nächste Mobilfunkgeneration mehr Bandbreite und eine kürzere Latenzzeit (Verzögerung zwischen Sender und Empfänger) denn je. Die aktuell im Einsatz befindliche LTE-Technik (4G) kann heute eine Datenrate von maximal 300 Gigabit pro Sekunde und eine Latenzzeit von unter zehn Millisekunden erreichen. Mit 5G sollen es bis zu 20 Gigabit pro Sekunde und weniger als eine Millisekunde Latenzzeit sein.

Berlin wird zum Testfeld für 5G

5G-Netz heißt mehr als das Handy zu bedienen

Multiplayer-Computerspiele am Smartphone spielen, Filme in 4K-Auflösung streamen und Drohnen über Mobilfunk fernsteuern - das alles soll mit 5G möglich sein. Die Technik wird es selbstfahrenden Autos, Maschinen und Sensoren ermöglichen, miteinander in Echtzeit zu kommunizieren (Internet der Dinge). Interessant für Unternehmen wird auch die Möglichkeit sein, ganze Teile des Mobilfunknetzes für sichere interne Kommunikation zu reservieren. Für jemanden, der sein Smartphone meist nur für WhatsApp, Facebook und CandyCrush verwendet, wird es hingegen eher irrelevant sein, ob oben auf dem Display statt 3G oder LTE plötzlich 5G steht.

"Für Smartphones ist 5G vermutlich nicht der Riesenschritt", meint Stefan Schwarz von der TU Wien. Er leitet das Christian-Doppler-Labor für zuverlässige drahtlose Konnektivität. "Das Ziel von 5G ist es, mit Mobilfunk mehr zu können, als Smartphones zu bedienen. Es geht darum, neue Geschäftsfelder zu erschließen." Als Beispiel dafür nennt Schwarz Industrieanwendungen wie die Fernbedienung von Robotern.

Erste Versteigerung von Frequenzen gestartet

Nachdem eine Verschiebung in letzter Sekunde vom Verwaltungsgericht Köln abgewendet wurde, hat die Versteigerung für die Frequenzen des neuen Mobilfunkstandards 5G in Deutschland am 19. März begonnen. Zuvor konnten Unternehmen, die teilnehmen wollen, noch bis zum Nachmittag des 25. Januar 2019 Zulassungsanträge stellen. Zu den Vergabebedingungen gehört es unter anderem, mindestens 98 Prozent aller Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen, berichtet die tagesschau.

Insgesamt nehmen vier Konzerne an der Versteigerung teil: Neben den traditionellen Unternehmen Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica hat sich auch die United-Internet-Tochter Drillisch Netz AG angemeldet. Diese gilt als Neueinsteiger, weil sie selbst noch kein eigenes Mobilfunknetz betreibt, sondern jene der übrigen Anbieter mitnutzt.

Versteigert wird das Frequenzspektrum zwischen 3,4 und 3,7 Gigahertz. Dieses eignet sich für den 5G-Standard besonders aufgrund seiner Kurzwelligkeit, da dadurch hohe Datengeschwindigkeiten erzielt werden können.

Für Netzbetreiber dürfte es dabei teuer werden, denn für die 41 angebotenen Frequenzblöcke, die gleichzeitig versteigert werden, ruft die Bundesnetzagentur immerhin Mindestgebote zwischen 1,7 und fünf Millionen Euro auf, berichtet Welt. Allerdings wurden diese bereits im Vorfeld herabgesetzt. Man rechnet jedoch damit, dass umgerechnet rund 50 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen gespült werden, also deutlich weniger als bei der letzten großen UMTS-Auktion.

5G-Kritiker haben Gesundheitsbedenken

Das 5G-Netz verlangt dazu mehr Sender denn je. Manche davon werden nur so groß wie eine Schuhschachtel sein und an Gebäudefassaden oder in Schaltschränken Platz finden. Der Grund liegt im verwendeten Frequenzbereich. 5G verwendet so genannte Millimeterwellen oder Mikrowellen, deren Reichweite nur gering ist. Manchen Skeptikern bereitet das Sorgen. Sie fürchten aufgrund von hoher Frequenz und hoher Senderdichte gesundheitsschädliche Auswirkungen auf den Menschen. So lange es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu gibt, solle man mit der Einführung von 5G warten.

Die Auswirkungen von 3G und LTE auf den Menschen wurden bereits umfassend erforscht. Eindeutige Hinweise darauf, dass die Mobilfunktechnologien krebserregend sind, gibt es bisher nicht. Es gibt eindeutige Effekte auf die Beweglichkeit menschlicher Spermien. Dass dies zu verringerter Reproduktionsfähigkeit führt, ist allerdings wiederum nicht bewiesen. 5G-Befürworter weisen jedenfalls darauf hin, dass die Strahlengrenzwerte für den Standard gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen Expertengremien festgelegt und als völlig harmlos eingestuft wurden.

Auch potenzielle Spionage-Gefahr wird nicht ausgeschlossen

Eine weitere Gefahr wittern 5G-Kritiker angesichts der aktuellen Anschuldigungen gegen Huawei. Das chinesische Unternehmen zählt zu einem der Vorreiter bei 5G-Technologie. Es stattet Mobilfunkanbieter in aller Welt aus. Laut den USA fließen Daten an die chinesische Regierung. Huawei dementiert den Spionagevorwurf vehement. Dennoch wurde das Unternehmen in einigen Ländern bereits von 5G-Projekten ausgeschlossen, etwa Italien oder Australien. Die britische Cyberabwehr meint unterdessen, das Spionagerisiko durch Huawei-Technik sei gering.

In Deutschland scheint diese Sorge nicht überall geteilt, auch wenn deutsche Anbieter schon vor Huawei gewarnt wurden. Die Telekom zumindest hat bereits eine Stadt zum Testen des 5G-Netzes ausgesucht. Das eigentliche Problem: Nicht überall im Land gibt es auch flächendeckend ein mobiles Netz. Das Funkloch Deutschland hat weiterhin Bestand.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf futurezone.at.

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