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Überwachungsstaat China: Orwell'sche Dystopie oder positiver Einfluss?

Das chinesische Social-Credit-System steht unter westlicher Kritik. Doch was steckt wirklich hinter der angeblichen Dystopie?
Das chinesische Social-Credit-System steht unter westlicher Kritik. Doch was steckt wirklich hinter der angeblichen Dystopie?
Foto: imago/Ikon Images
Das Social-Credit-System, dem sich die Volksrepublik China bereits seit geraumer Zeit bedient, ist der westlichen Ansicht nach unvorstellbar. Doch hat es womöglich mehr positive Seiten als du denkst?

Das chinesische Punktesystem – weitestgehend als "Social Credits" bekannt – ist in der westlichen Welt mit überwiegend negativen Assoziationen behaftet. Doch scheint es, als erfülle es seinen Zweck. Denn das Ziel des Social-Credit-Systems besteht darin, die Bevölkerung zur Gesetzestreue und Integrität umzuerziehen.

China: Social Credits entscheiden über deinen Status

Wer gegen Gesetze, Regeln oder Normen verstößt, muss damit rechnen, dass auch sein Punktestand sich verringert. Auf der anderen Seite jedoch erhalten Bürger Credits, wenn sie beispielsweise wohltätige Zwecke unterstützen, ehrenamtliche Arbeit verrichten oder Blut spenden. Es wird also Druck auf die Bevölkerung ausgeübt, dessen negative Effekte sich vor allem im Sozialstatus niederschlagen.

Die positiven Effekte jedoch spiegeln sich vor allem in den Wohlfahrtsprogrammen der Regierung wieder. Je höher nämlich der soziale Punktestand eines Bürgers wird, desto höher werden auch seine Chancen auf kostenlose medizinische Versorgung, Ermäßigungen der Heizkosten und Ähnliches. Weitere negative Effekte eines geringen Status zeigen sich in Form geringerer staatlicher Subventionen und der ausbleibenden Chance auf Regierungsjobs.

Gelehrte streiten über soziales Punktesystem

Während ebendiese negativen Effekte häufig als Indiz für die Begründung eines autoritären Regimes herbeigezogen werden, sehen das MIT Technology Review zufolge viele Gelehrte anders. Sie argumentieren, dass das Social-Credit-System der Volksrepublik keinen nennenswerten Effekt der Kontrolle mit sich bringt. So werden die gesammelten Daten beispielsweise nicht mit jenen vermischt, die beispielsweise eine Bank benötigt, um einen Kredit zu bewilligen.

Video: Chinas Social-Credit-System

Natürlich richten sich Menschen nach den sozialen Normen ihres Umfelds und werden infolge vermehrter Kameraüberwachung – wie sie in China vorzufinden ist – mit geringerer Wahrscheinlichkeit Straftaten begehen. Hinzu kommt, dass das System sich derzeit weitestgehend in der Pilotphase befindet. Einige Faktoren, wie Punktabzüge wegen unautorisierter Petitionen, wurden in der Suining-Region beispielsweise wieder abgeschafft, weil sie der Bevölkerung nicht gefielen.

Propaganda statt Unterdrückung

Den Gelehrten zufolge funktioniere das System also vielmehr als Werkzeug der Propaganda als der Unterdrückung. Wieder andere meinen, man könne das aktuelle Bild auf die in der chinesischen Tradition verankerten Förderung moralisch guten Verhaltens zurückführen und dass die Bevölkerung schlichtweg einen völlig anderen Blick auf Privatsphäre und Freiheit habe.

Fakt ist, dass sich Asien zum Technologie-Nabel der Welt zu entwickeln scheint. So können Chinas Polizisten Verdächtige mittlerweile sogar an ihrem Gang erkennen. Die Meinungen zur strittigen Thematik der Überwachung scheiden sich weltweit, weshalb es wohl noch einige Zeit beanspruchen wird, bis einheitliche Systeme gefunden werden können.

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