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Wikipedia ist offline: Autoren sträuben sich gegen neues Urheberrecht

Aus Protest gegen die Artikel 13 und 11 gehen die Autoren von Wikipedia offline.
Aus Protest gegen die Artikel 13 und 11 gehen die Autoren von Wikipedia offline.
Foto: Wikimedia Deutschland e.V.
Für 24 Stunden lässt sich Wikipedia nicht erreichen. An ihre Stelle tritt ein offener Brief, mit dem die Autoren gegen die neue Urheberrechtsreform der EU Stimmung machen.

Am Donnerstag, 21. März, ist Wikipedia offline. Für ganze 24 Stunden protestiert sie als Teil der Wikimedia gegen die Urheberrechtsreform im digitalen Binnenmarkt der EU – insbesondere gegen die Artikel 13 und 11. Anstelle der Enzyklopädie findet sich auf der Seite für den Zeitraum des Protests ein Aufruf an Leser und Abgeordnete.

Wikipedia offline: "Dies ist unsere letzte Chance"

Die freien Autoren von Wikipedia wollen sich mit der temporären Stilllegung des Portals öffentlich gegen die geplante Urheberrechtsreform positionieren. Wer am Donnerstag also auf die Suche nach Informationen geht, wird lediglich einen Aufruf zu lesen bekommen: "Dies ist unsere letzte Chance. Helfen Sie uns, das Urheberrecht in Europa zu modernisieren."

"Die geplante Reform könnte dazu führen, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wird", heißt es in der Protestschrift. "elbst kleinste Internetplattformen müssten Urheberrechtsverletzungen ihrer Userinnen und User präventiv unterbinden (Artikel 13 des geplanten Gesetzes), was in der Praxis nur mittels fehler- und missbrauchsanfälliger Upload-Filter umsetzbar wäre."

"Zudem müssten alle Webseiten für kurze Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben, um ein neu einzuführendes Verleger-Recht einzuhalten (Artikel 11). Beides zusammen könnte die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit erheblich beeinträchtigen", schreiben die Autoren weiter und warnen: "Obwohl zumindest Wikipedia ausdrücklich von Artikel 13 der neuen Urheberrechtsrichtlinie ausgenommen ist (allerdings nicht von Artikel 11), wird das Freie Wissen selbst dann leiden, wenn Wikipedia eine Oase in der gefilterten Wüste des Internets bleibt."

Deutschland wehrt sich gegen Upload-Filter

Neben den Anliegen der Wikipedia machen sich auch diverse Bürgerinitiativen innerhalb der EU gegen die Reform in ihrer derzeitigen Fassung aktiv. So hat beispielsweise die Petition von SaveTheInternet.info mittlerweile mehr als fünf Millionen Unterschriften sammeln können. Auch die deutschen Parteien scheinen es sich langsam anders zu überlegen.

Während die sozialistischen MdEPs Mehreen Khan, der Brüssel-Korrespondentin der Financial Times, zufolge die neue Reform stützen wollen, habe sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) nun dagegen entschieden. Zu den Oppositionellen gehören zudem und 145 Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen, Wirtschafts- und IT-Verbände, Internet-Pioniere, Journalistenverbände und Kreativschaffende.

Zuletzt hatte sich die federführende Instanz der aktuellen Urheberrechtsreform, MdEP Axel Voss (CDU), im Interview dazu geäußert. Dabei gab er zu erkennen, dass er das Internet, dessen Prozesse und Kultur nicht versteht und erkannte im selben Zug zigtausenden Demonstranten die Fähigkeit der freien Meinungsbildung ab. Am 27. März 2019 soll das Europaparlament final über die derzeitige Fassung abstimmen.

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