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Boeing 737 Max 8 im Flugsimulator: Piloten hatten nur Sekunden, um Tragödie zu verhindern

Im Flugsimulator blieben den Boeing-Piloten 40 Sekunden, um das tückische MAC-System auszuschalten.
Im Flugsimulator blieben den Boeing-Piloten 40 Sekunden, um das tückische MAC-System auszuschalten.
Foto: Pixabay
Im Simulator wurde der Flug der abgestürzten Lion Air-Maschine nachgestellt. Dabei offenbarte sich das ganze Drama um das Boeing-Modell 737 Max 8.

Die Untersuchungen rund um den Absturz eines Lion Air-Flugzeugs im Herbst 2018 sind noch längst nicht abgeschlossen. Im Flugsimulator wollten Piloten jetzt herausfinden, wieso ihre Kollegen das Software-System der Boeing 737 Max 8 nicht in den Griff bekamen und ob sie den Crash irgendwie hätten verhindern können. Dabei zeigt sich die ganze Tragödie der unvorbereiteten Flugzeugführer.

Boeing 737 Max 8 im Flugsimulator: Es waren nur Augenblicke

Im Zentrum der derzeitigen Ermittlungen über den Absturz der Lion Air-Maschine im Oktober vergangenen Jahres steht ihr Software-System. Mittlerweile ist bekannt, dass die Piloten auf die Funktionalität des Modelltyps Boeing 737 Max 8 nicht ausreichend vorbereitet waren, das gilt auch für jene, die im Februar 2019 einen weiteren Absturz einer solchen Maschine in Äthiopien nicht verhindern konnten. Nun wollte man genauer wissen, was in den letzten Sekunden im Cockpit geschehen sein muss.

Um das herauszufinden, versuchten Piloten im Flugsimulator den Lion Air-Flug zu rekonstruieren. Es war bereits bekannt geworden, dass ein defekter Sensor dazu führte, dass das MAC-System verrückt spielte und anstatt das Flugzeug wie geplant zu stabilisieren, inkorrekte Daten lieferte und seine Nase zwanghaft zu Boden richtete. Im Simulator zeigte sich, dass das MACS noch deutlich stärker in die Steuerung eingriff, als es die Piloten erwartet hätten, berichtet die New York Times unter Berufung auf an den Tests beteiligte Personen.

Der simulierte Sensorausfall offenbarte, dass die Piloten nur Sekunden hatten, um das System auszuschalten und die Lage wieder in den Griff zu kriegen. Denn: Es schaltet sich für zehn Sekunden ein und pausiert dann fünf Sekunden. In dieser Zeit können Piloten die Nase der Maschine mithilfe eines Schalters am Steuerhorn zwar wieder nach oben ziehen, doch der defekte Sensor lieferte weiterhin falsche Daten. Also griff das System wieder ein und drückte es nach unten.

Die Tragödie: Ein Auf und Ab, dann Absturz

Daraus ergibt sich die ganze Tragödie, so, wie Experten sie nach den jüngsten beiden Abstürzen von Boeings Typ 737 Max 8 bereits beobachten konnten: Dutzende Male sollen die Piloten mit dem Schalter am Steuerhorn versucht haben, das MACS zu überlisten. Sie wussten offenbar nicht, dass sie einen Motor, der von dem System betrieben wurde, deaktivieren mussten. So ging es ständig hinauf und hinab, ohne dass der drohende Absturz verhindert werden konnte.

Wie die NYT weiter berichtet, sei im Simulatortest das Flugzeug bereits nach etwa 40 Sekunden außer Kontrolle gewesen. Boeing teilte derweil mit, man wolle den Piloten künftig mehr Handlungsspielraum geben, auf die Eigenheiten der 737 Max 8 waren sie nicht gut vorbereitet. Außerdem stellte sich heraus, dass den Flugzeugen Sicherheitsfunktionen fehlten, weil sie extra kosteten. Ein Software-Update für die 737 Max 8 wurde bereits "vorläufig genehmigt".

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