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Chinesische Sanitärarbeiter werden vollständig überwacht: Ist das ein Griff ins Klo?

Mit einem Alarm werden chinesische Sanitärarbeiter daraufhingewiesen weiterzuarbeiten, wenn sie sich mehr als 20 Minuten nicht bewegt haben.
Mit einem Alarm werden chinesische Sanitärarbeiter daraufhingewiesen weiterzuarbeiten, wenn sie sich mehr als 20 Minuten nicht bewegt haben.
Foto: imago/Xinhua
Ein chinesisches Sanitärunternehmen scheucht seine Angestellten hin und her. Es überwacht ihre Bewegungsdaten und alarmiert sie, wenn sie länger als 20 Minuten Pause einlegen.

Eine Sanitärfirma in China kontrolliert jetzt ihre Mitarbeiter, indem sie sie mit über GPS verfügenden Tracking-Armbändern ausstattet. Das Unternehmen überwacht damit nicht nur, ob seine Angestellten ihre Arbeit machen, sondern auch wie viele Pausen sie einlegen. Es gibt sozusagen eine digitale Verwarnung, wenn etwas nicht stimmt.

Überwachung in China dringt vor in den Berufsalltag

Angestellte des Sanitärs in Nanjing, einer chinesische Stadt rund dreieinhalb Stunden nordwestlich von Shanghai, sollten sich hüten, länger als 20 Minuten Verschnaufpause einzulegen. Ihr Arbeitgeber, das Sanitärunternehmen Nanjing West River Environmental Services in Jiangsu, sieht das gar nicht gerne und kann sie prompt mit einem Alarm daran erinnern, weiterzuarbeiten.

Tracking-Armbänder überwachen den exakten Standort und die Bewegungsdaten der Angestellten. Sie verfolgen die Sanitärarbeiter als Pins auf einer Karte. "Please continue working, add oil!" ist der Wortlaut des Alarms, übersetzt bedeutet das "Bitte arbeite weiter, arbeite härter/ mach weiter/ viel Glück!".

Einen Tag nach Implementierung der Funktion schritt die Öffentlichkeit ein und empörte sich über die neue Form der Überwachung am Arbeitsplatz – denn sie erinnert wohl eher an das Tracking von Hunden oder die TV-Sendung "Big Brother".

"Arbeite härter!"

South China Morning Post, die größte englischsprachige Tageszeitung Hongkongs, berichtete, dass die chinesische Sanitärfirma als Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei, die umstrittene "Hinweisfunktion" deaktivierte, die die Mitarbeiter vorwärtstreiben soll, wenn sie sich zu lange nicht bewegten.

Von "Befreien", wie die Schlagzeile der Tageszeitung das Entfernen des Alarms betitelte, kann dennoch nicht die Rede sein, da die Standortdaten der Sanitärarbeiter mittels Tracking-Bänder trotzdem immer noch genau verfolgt werden. Damit verfügt die Sanitärfirma über die vollständigen Informationen, wo ihre Angestellten sich aufhalten und wann sie mit ihrer Arbeit beginnen.

Tracking ermöglicht vollständige Überwachung

Ein Mitarbeiter des Überwachungszentrum der Firma bestätigte in einem Video, dass die Funktionen der Armbänder eine vollständige Überwachung der Sanitärmitarbeiter ermöglichen.

Das Unternehmen scheint dem Ruf Chinas als Überwachungsstaat damit alle Ehre zu machen. Und damit ist es nicht alleine. Letztes Jahr offenbarte ein Bericht der South China Morning Post, dass eine chinesische Firma Sensoren einsetzte, um die Gehirnaktivitäten ihrer Mitarbeiter zu überwachen. Erst kürzlich observierte eine Schule im Süden Chinas Tausende Jugendliche mittels digitaler Armbänder. Gleichzeitig schreitet der Ausbau an Überwachungskameras im gesamten Land weiter voran. Will China den gläsernen Bürger?

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