Digital Life 

iCloud soll bei der Ermittlung von Todesursache helfen

Die iCloud Daten eines Verstorbenen sollen bei der Aufklärung der Todesursache helfen.
Die iCloud Daten eines Verstorbenen sollen bei der Aufklärung der Todesursache helfen.
Foto: imago images/epd
Das Landgericht Münster hat entschieden, dass Apple der Familie eines Verstorbenen Zugang zu dessen iCloud gewähren muss. Dahinter steckt wohl mehr als nur Erinnerungen.

Im digitalen Zeitalter sind Daten wie iCloud-Fotos wertvolle Erinnerungen an Verstorbene. Solche Daten können jedoch auch dabei helfen, die Todesursache zu identifizieren. In einem aktuellen Fall soll Erben der Zugang zur iCloud eines Verstorbenen zur Ermittlung ungeklärter Umstände gewährt werden.

iCloud soll Aufschluss über Todesursache geben

In einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil (Az.: 014 0 565/18) hat das Landgericht Münster entschieden, dass Apple der Familie eines Verstorbenen Zugang zu dessen iCloud verschaffen muss. Das nahe Umfeld des Toten erhofft sich durch die Daten Aufschluss über die bisher ungeklärte Todesursache. Die in der iCloud gespeicherten Daten umfassen Fotos, E-Mails und andere Dokumente und könnten eine Schlüsselfunktion in der Ermittlung haben.

iCloud Daten könnten wichtige Hinweise liefern

Nach Angaben der Bielefelder Rechtsanwaltskanzlei Brandi, dem Vertreter der Erben, starb der Familienvater während einer Reise im Ausland. Aktuelle Daten aus dessen iCloud könnten Hinweise darüber geben, was der Mann kurz vor seinem Tod gemacht hat und den Fall schlussendlich lösen. Das würde seiner Familie nicht nur Gewissheit liefern, sondern auch mögliche Gewaltverbrechen ausschließen oder bestätigen.

Eine außergerichtliche Einigung war nicht möglich, da Apple den Erben den iCloud Zugang verweigerte. Das Unternehmen will den Fall nicht kommentieren. Es liegt nahe, dass Apple aus Datenschutzgründen gehandelt hat.

Urteil wurde durch ähnliche Fälle begründet

Das Landgericht Münster stützt seine Entscheidung auf ähnliche Fälle in der Vergangenheit. In einem ähnlichen Szenario hatte Apple dem Zugang nach Vorlage des Erbscheins eingewilligt. In anderen Fällen, die vor Gericht landeten, wurde ebenfalls zugunsten der Erben entschieden.

Auch der Bundesgerichtshof hatte im vergangenen Juli ein Grundsatzurteil gefällt, nach dem persönliche Inhalte im Netz grundsätzlich an die Erben gegeben werden. Laut dem BGH gebe es keinen Grund, bei digitalen Inhalten anders zu verfahren als bei Tagebüchern oder Briefen (AZ. III ZR 183/17).

Damals hat das BGH nicht gegen Apple, sondern gegen Facebook entschieden. Es ging um das virtuelle Erbe einer 15-Jährigen, die Ende 2012 vor eine U-Bahn gestürzt und zu Tode gekommen war. Die Eltern wollten mithilfe der Facebook-Daten einen Suizid ausschließen.

Das Thema virtuelles Erbe ist präsenter denn je. Erst kürzlich hat Facebook Neuerungen für Profile im Gedenkzustand angekündigt.

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