Digital Life 

So schlägst du Stalker mit ihrer eigenen Waffe: dem Smartphone

Betroffene können Stalking jetzt via App dokumentieren und damit zur Polizei gehen.
Betroffene können Stalking jetzt via App dokumentieren und damit zur Polizei gehen.
Foto: imago images/ blickwinkel
In Zeiten des Internets und sozialer Medien ist Stalking so einfach wie nie. Zum Leidwesen der Betroffenen. Eine neue App soll sie jetzt unterstützen.

Stalking wirkt für viele harmloser, als es eigentlich ist. Das liegt zum einen am umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes und der verbreiteten Annahme, Zuneigung sei immer etwas Schönes. Wenn diese Zuneigung allerdings Grenzen überschreitet, die Privatsphäre des Anderen missachtet wird und Betroffene sich bedroht fühlen, sollte das nicht romantisiert, sondern zu Anzeige gebracht werden. Eine neue Handy-App soll Stalking-Opfern dabei helfen, rechtlich gegen Belästigung vorzugehen.

Betroffene können jetzt via App gegen Stalker vorgehen

Ricarda Theiß arbeitet bei der Opferhilfsorganisation Weißer Ring, die vor kurzem die App "No Stalk" gelauncht hat. Auf der Digitalkonferenz re:publica hat sie am Montag über den Umgang mit Cyberstalking gesprochen. Denn: Smartphones und soziale Netzwerke bieten noch vielfältigere Angriffsflächen und Überwachungsspielräume für Stalker, die Opfer meistens mit einer Kombination aus digitalem und Offline-Stalking belästigen.

"Die digitale Welt erweitert die Angriffsfläche für Belästigungen und Nachstellungen. Der Stalker steht jetzt nicht mehr nur morgens und abends vor der Haustür, sondern er hat das Opfer 24/7 im Visier", sagte Theiß auch im Gespräch mit dem Spiegel.

Straftaten via App nachweisen

Mit "No Stalk" können Belästigungen jetzt dort dokumentiert werden, wo sie vorrangig eingehen: auf dem Smartphone. Von Anrufen über Mails bis hin zu Sprach- und Textnachrichten, Stalker nutzen häufig mehrere Kanäle, um ihre Opfer zu erreichen. Diese wollen oft schnellstmöglich verdrängen, was passiert ist – Nachrichten etc. zu löschen liegt da gerade bei digitaler Belästigung nahe.

Da sich Betroffene jedoch im Falle einer polizeilichen Anzeige in der Nachweispflicht befinden, sollten solche Nachrichten jedoch auf keinen Fall gelöscht, sondern als Beweise gesammelt werden.

Denn Stalking-Tagebücher, wie sie früher üblich waren, machen heutzutage nicht mehr viel Sinn. Gerade für Sprachnachrichten oder Anrufprotokolle muss daher eine andere Lösung her. Mit seiner neuen App hat der Weiße Ring eine solche, zeitgemäße Alternative geschaffen.

Dokumentation, Speicher, Schutz

Wir würden vermutlich anders über diese App berichten, wenn wir Stalkern mit den Informationen über die App helfen würden. Der Weiße Ring hat jedoch vorgesorgt: Alle Informationen, die Nutzer via App speichern, landen sofort auf verschlüsselt externen Servern. Diebstahl oder Zerstörung von Smartphones sind daher zwecklos.

Eine weitere Belastung von Betroffenen ist die dauerhafte, ängstliche Erwartung im Alltag. Stalker sind nicht selten bereit, ihrer Zielperson aufzulauern und zur großen Bedrohung zu werden. Der integrierte Hilfe-Button kann Sicherheit geben: Mit ihm kann in brenzligen Situationen ein Polizei-Notruf abgesetzt oder das Opfer-Telefon des Weißen Rings kontaktiert werden.

Von Behörden anerkannt

Besonders wichtig: Die Entwickler der App haben sich mit den zuständigen Strafverfolgungsbehörden abgestimmt. Das heißt, dass die Dokumentation der Beweise via App auch polizeilich anerkannt wird. Möchte ein Betroffener Anzeige erstatten, muss er oder sie lediglich zur Polizei gehen, kann sich dort direkt in seinem "No Stalk"-Account einloggen und die Dokumentation herunterladen.

Nicht nur Stalking-Opfer sollten versuchen, ihre Privatsphäre online zu schützen. Wir zeigen dir Apps, die dabei helfen können. Bist du ein Android-User, solltest du diese 8 gefährlichen Funktionen besser sofort abschalten.

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