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CO2-Kompensationen: Ablasshandel oder klimafreundliche Alternative?

CO2-Kompensationen machen das Fliegen ein bisschen weniger umweltschädlich. Oder?
CO2-Kompensationen machen das Fliegen ein bisschen weniger umweltschädlich. Oder?
Foto: iStock/asiseeit
Wer reinen Gewissens fliegen will, zahlt gerne drauf – das Geschäft mit CO2-Kompensationen läuft gut. Doch sind wir damit wirklich aus dem Schneider?

Das Umweltbewusstsein der Deutschen wird immer größer, mit Ausnahme der Klimaleugner. Wer seinen ökologischen Fußabdruck klein halten möchte, isst weniger Fleisch, bestellt nicht mehr alles online und nimmt öfter mal das Rad. Auf Flugreisen wollen jedoch die wenigsten verzichten. Da kommt es gelegen, dass Unternehmen wie Atmosfair und Myclimate sogenannte CO2-Kompensationen anbieten: Wer fliegen will, zahlt einfach drauf. Doch erreichen wir durch solche Spenden wirklich eine Nullbilanz, oder waschen wir nur unser Gewissen rein?

CO2-Kompensationen: Endlich wieder gewissenhaft fliegen?

Atmosfair ist einer der bekanntesten Anbieter für CO2-Kompensationen. Der Marktführer verzeichnet große Erfolge: Allein in Deutschland hat es vergangenes Jahr 9,5 Millionen Euro Ausgleichszahlungen für Flüge erhalten – das sind 40 Prozent mehr als im Jahr davor. Auch der Konkurrent Myclimate freut sich über die Zahlungsbereitschaft der deutschen Fluggäste: Nach eigenen Angaben wurde die Spendensumme aus vergangenem Jahr bereits im ersten Quartal 2019 um 220 Prozent übertroffen.

Wie wird kompensiert?

Bei den CO2-Kompensationen handelt es sich im Endeffekt um Spendengelder, die weltweit in Projekte gesteckt werden, die unserer Umwelt zugute kommen sollen. Darunter fallen vor allem die Erzeugung von Ökostrom und Maßnahmen zur Einsparung von Energie.

Für jeden Flug, den ein Kunde antritt, wird der CO2-Fußabdruck berechnet. Er zahlt dann die Summe, die notwendig ist, um den erhöhten Kohlenstoffdioxid-Verbrauch durch die verschiedenen Projekte auszugleichen. So kann die Menge an CO2, die durch den jeweiligen Flug emittiert wird, anderswo eingespart werden.

Ein kompensierter Flug nimmt also keinen Schaden mehr?

Für die CO2-Emissionen zu zahlen ist auf jeden Fall allemal besser, als ohne Kompensation zu fliegen. Allerdings rechtfertigen Zahlungen an Atmosfair, Myclimate und Co. nicht ab sofort jede innerdeutsche Strecke mit dem Flugzeug zurückzulegen.

Denn: Oft werden längst nicht alle Emissionen mit einbezogen, die auch tatsächlich bei einer Flugreise anfallen. Zu komplex ist die Berechnung der tatsächlichen CO2-Bilanz eines Fluges, die sich aus viel mehr Komponenten zusammensetzt, als wir erahnen. Streng genommen müsste zum Beispiel die CO2-Bilanz des Start- und Landeflughafens in die Kalkulation mit einbezogen werden.

Die umweltfreundliche Lösung sind Flüge mit Ausgleichzahlungen also noch lange nicht. Wer hin und wieder nicht aufs Fliegen verzichten kann, sollte die Angebote dennoch nutzen, um das Übel so klein wie möglich zu halten.

Ein Grund, dass viele Deutsche sich so oft für Inlandsflüge entscheiden, sind die günstigen Preise im Vergleich zu Bahnfahrten. Das ändert sich jedoch zukünftig: Die Zeit von Billigflügen ist bald vorbei. Du hast dich sicherlich immer schon mal gefragt, wie viele Emissionen du als einzelner Passagier erzeugst. Wir verraten dir, wie viel CO2 du ausstößt, wenn du in ein Flugzeug steigst.

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