Digital Life 

Stanford-Professor hat gruselige Pläne: So will er dein Handy überwachen

Ein Stanford-Professor hat ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Er will durch Handy-Überwachung unsere Handynutzung analysieren.
Ein Stanford-Professor hat ein ungewöhnliches Projekt gestartet. Er will durch Handy-Überwachung unsere Handynutzung analysieren.
Foto: iStock/amesy
Ein Stanford-Professor treibt die Handy-Überwachung auf die Spitze. Er will alle fünf Sekunden einen Screenshot deines Smartphones machen. Und das ist noch längst nicht alles.

Die Möglichkeiten der Handy-Überwachung scheinen immer mehr zuzunehmen. In die Debatte mischt sich nun auch ein Stanford-Professor mit einer, zugegeben, gruseligen Idee: Er schlägt vor, alle fünf Sekunden einen Screenshot des Smartphones aufzunehmen, um die Handynutzung und das sonstige digitale Leben von Menschen zu verstehen. Ist das zu viel Spionage oder sogar sinnvoll?

Spionage im Netz
Spionage im Netz

Stanford-Professor hat Gruseliges vor: So sieht seine Handy-Überwachung aus

Mit seinem sogenannten "Human Screenome Project" sorgt Stanford-Professor Byron Reeves für Aufsehen. Das Konzept, das er mit zwei Kollegen entwickelt hat, hat nämlich ein ganz bestimmtes Ziel: Handy-Überwachung. Die Methode: Alle fünf Sekunden ein Screenshot. Das klingt nach Spionage, könnte aber für unsere Zukunft durchaus sinnvoll sein.

Reeves hat den Start seines Projekts vor einigen Tagen in der Zeitschrift Nature offiziell vorgestellt. Es soll noch akkurater Aufschluss über den digitalen Fußabdruck eines Handy-Nutzers geben. Dafür nimmt eine Software im Hintergrund Screenshots der Handy-Aktivitäten auf – alle fünf Sekunden.

Es soll das digitale Pendant des Human Genome Project (Humangenomprojekts) werden, ein internationales Forschungsprojekt, das im Herbst 1990 mit dem Ziel gegründet wurde, das menschliche Genom vollständig zu entschlüsseln. Entschlüsseln heißt, die Abfolge der Basenpaare der menschlichen DNA auf ihren einzelnen Chromosomen durch Sequenzieren zu identifizieren.

So wie dieses Projekt unser Verständnis von Krankheiten verändert hat, soll das Human Screenome Project uns mit Big Data-Ansätzen eine Vorstellung davon geben, wie Technologie mit sozialen Problem verbunden ist.

Forschungsgegenstand: Handynutzung "von Post zu Post, von App zu App"

Reeves geht es also nicht darum, Handynutzung zu verteufeln. Vielmehr will er mit seiner Methode der Handy-Überwachung feinere soziologische Daten auswerten können als das bisher mit der Metrik der Bildschirmzeit möglich ist. Letztere würde seiner Meinung nach sowieso zu negativ angesehen. Da die Forschung hinterherhinke, würde eine lange Bildschirmzeit mit negativen Folgen wie Depressionen in Verbindung gebracht.

Dem Forscher ist es wichtiger, verschiedene Pfade von Nutzern auszumachen – wie sie von Post zu Post, von App zu App und so weiter. Diese Handynutzung führe zu Aktivität, Reflexion und beeinflusse auch das analoge Leben. "Es geht darum, wie Menschen Fragmente miteinander verbinden, die scheinbar nicht miteinander in Beziehung stehen", sagt er. "Diese können vom Lesen der Posts von Facebook-Freunden über die Nachrichten des Präsidentschaftswahlkampfs bis hin zu Bankgeschäften gehen, alles in der gleichen Minute ... Das hat wirklich nichts mit der Gesamtzeit [Gesamtbildschirmzeit, Anm. d. Red.] zu tun."

YouTube-Video: Human Screenome Project zur Handy-Überwachung

So, wie unsere DNA immer weiter sequenziert wird, soll auch unsere digitale DNA, in dem Fall unsere Handynutzung, auseinandergenommen werden. Dadurch ein "Screenom" zu erstellen, würde die Möglichkeit bieten, Smartphones und Tablets auf Nutzungsmuster zu untersuchen, die mit Themen wie Social Media-Sucht und psychischen Gesundheitsproblemen zusammenhängen sollen.

30 Millionen Screenshots

Das Projekt des Stanford-Professors steht noch am Anfang, eine Erkenntnis hat das Team aber schon geliefert: Die Art und Weise, wie Menschen auf ihren Geräten aktiv sind, erklärt angeblich die Verbreitung von gefälschten Nachrichten, sogenannten Fake News, und kann als Indikator für Diabetes dienen. Für diese Erkenntnis hat Reeves' Team rund 30 Millionen Screenshots aus den USA, China und Myanmar gesammelt, angeblich über verschlüsselte, sichere Server.

Eine der größten Herausforderungen dürfte das Forscherteam trotzdem zeitnah treffen: Ängste um die Privatsphäre durch die Handy-Überwachung. Zwar sollen erst einmal nur Freiwillige beim Human Screenome Project mitmachen, dennoch mag eine Handy-App, die alle fünf Sekunden unbemerkt die Aktivitäten von Handynutzern aufzeichnet, für viele gruselig klingen.

Handy-Überwachung & Spionage: Sie sind schon real

Besonders vor dem Hintergrund, dass das vergangene Jahrzehnt von Spionageaktivitäten durch Hacker und Werbetreibende, den zweifelhaften Umgang von Cambridge Analytica mit Facebook-Nutzerdaten und weiteren Skandalen geprägt war. Es ist eine Menge vertraulicher Informationen, mit denen digital aktive Menschen eh schon handeln.

Für Reeves jedoch sind die bisher gesammelten Daten "atemberaubend". "Es ist faszinierend. Man hat das Gefühl, einen Menschen kennenzulernen." Derweil enthüllt eine andere Studie, dass Handy-Überwachung erschreckend real ist. Auch Spionage-Apps können dich unbemerkt stalken. Fühlt du dich beim Thema Handynutzung auch verfolgt? So schützt du dich vor Handy-Spionage.

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