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Stasi-Methoden – Bekanntes Unternehmen überwachte seine Mitarbeiter am Arbeitsplatz

Überwachung am Arbeitsplatz in einem der größten Modeunternehmen in Deutschland.
Überwachung am Arbeitsplatz in einem der größten Modeunternehmen in Deutschland.
Foto: iStock/stnazkul
Sensible Informationen aus Gesprächen auf dem Gang oder an der Kaffeemaschine gespeichtert. Eines der erfolgreichsten Modeunternehmen Deutschlands sieht sich Skandal wegen Überwachung am Arbeitsplatz ausgesetzt.

In Zeiten der Digitalisierung ist Überwachung am Arbeitsplatz immer einfacher umzusetzen und wird somit immer mehr zum Problem. Dies illustriert der aktuelle Fall eines in Deutschland allgegenwärtigen Mode-Unternehmens, gegen das der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz jetzt ein Bußgeldverfahren eingeleitet hat.

Überwachung am Arbeitsplatz: Bußgeldverfahren bei Mode-Unternehmen

In den Einkaufspassagen der Bundesrepublik gehören die Klamottenläden von H&M zum alltäglichen Straßenbild. Kaum jemand besitzt nicht wenigstens ein T-Shirt der schwedischen Marke. Seit einiger Zeit sieht sich H&M einem Skandal wegen Überwachung am Arbeitsplatz ihrer Mitarbeiter ausgesetzt. Jetzt hat der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Schon im Oktober letzten Jahres kursierten Meldungen, laut denen H&M Informationen über Krankheiten und weiteren sensiblen Themen ihrer Mitarbeiter aufgezeichnet hätte. Jetzt haben die Datenschutzbeauftragten knapp 60 Gigabyte an Material ausgewertet und kamen zu dem Schluss, dass die Vorwürfe wegen Überwachung am Arbeitsplatz nicht aus der Luft gegriffen waren. Im Gegenteil: "Der Verdacht [...] hat sich erhärtet...", lässt sich Caspar laut FAZ zitieren, weshalb er ein Bußgeldverfahren gegen die Schweden auf den Weg brachte.

Vorsicht mit deinen Daten
Vorsicht mit deinen Daten

Demnach enthielten die Daten „detaillierte und systematische Aufzeichnungen von Vorgesetzten über ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es handelt sich dabei auch um Gesundheitsdaten der Betroffenen, von der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, sowie um Daten von Personen aus deren sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse.“

H&M-Mitarbeiter deckten die Überwachung am Arbeitsplatz auf

Mitarbeiter des Kundenservices von H&M deckten den Skandal auf, indem sie auf frei zugängliche Ordner im System stießen, die die sensiblen Daten enthielten. Die Quelle dieser intimen Informationen scheinen einerseits Gespräche der Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern, aber auch Klatsch und Tratsch von Gang-Gesprächen gewesen zu sein. Überwachung am Arbeitsplatz also, die Stasi-Methoden gleicht.

H&M wollte sich zu den Enthüllungen unter Verweis auf das laufende Verfahren vorerst nicht äußern. Die Mitarbeiter zeigen sich hingegen generell enttäuscht über die Reaktion ihres Arbeitgebers. Im für das Management schlimmsten Szenario, das für die Mitarbeiter wahrscheinlich am fairsten wäre, steht H&M ein Bußgeld von 4 Prozent des globalen Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs bevor.

Bist du jetzt auf das Problem aufmerksam geworden, dann bist du hier richtig, denn wir zeigen dir, wie du herausfindest, ob du am Arbeitsplatz überwachst wirst. Auch dein Smartphone ist vor Überwachung nicht gefeit. So erkennst du Spionage-Apps auf deinem Handy.

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