Mit „Last Night in Soho“ startet am 11. November der neue Psychothriller von Regisseur Edgar Wright (47, „Baby Driver“) in den deutschen Kinos. Darin beweist Anya Taylor-Joy (25, „Das Damengambit“) einmal mehr, dass sie eine herausragende Schauspielerin ist. Und auch Newcomerin Thomasin McKenzie (21, „Jojo Rabbit“) begeistert. Im Film reist die junge Studentin Eloise (McKenzie) in ihren Träumen zurück in das schillernde London der 60er-Jahre. Doch Realität und Wirklichkeit verschwimmen ineinander – und Eloise hegt bald einen schrecklichen Verdacht.

„Last Night in Soho“: Modestudentin kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur

Die junge Frau Eloise Turner hat einen großen Traum: Sie möchte eine namhafte Designerin werden. Und sie scheint ihrem Traum ein großes Stück näher zu kommen, als die schüchterne Britin an einer Modeschule in London studieren darf. Für Ellie – wie sie sich nennt – geht es vom Land in die große Stadt, jedoch nicht ohne eine Warnung ihrer Großmutter, bei der sie lebt. Denn Eloises verstorbene Mutter hatte ähnliche Träume, das Stadtleben sei jedoch für sie zu hart gewesen, wie die Großmutter erklärt.

Das Mädchen, das ein Faible für die Swinging Sixties hat, ist zunächst begeistert von ihrem Studentenleben in London. Schnell stellt Ellie jedoch fest, dass die anderen Studentinnen aus dem Wohnheim über sie herziehen. Kurzerhand zieht sie in ein Zimmer im obersten Stockwerk einer Villa im Stadtteil Soho, das die alte Miss Collins (Diana Rigg, 1938-2020) vermietet. Ellie fühlt sich schon bald einer jungen Frau verbunden, die in den 60ern in eben diesem Zimmer lebte: die mysteriöse und glamouröse Sandy (Taylor-Joy). In ihren Träumen begleitet die junge Studentin die angehende Sängerin ins schillernde London. Doch sie stellt von Mal zu Mal fest, dass die Welt von Sandy alles andere als beneidenswert war. Ellie findet immer mehr über Sandy heraus, zugleich verschwimmen Realität und Wirklichkeit immer stärker. Doch statt loszulassen kann Eloise die tragische Geschichte nicht ruhen lassen.

Glamouröses London trifft auf heutige Zeit

In „Last Night in Soho“ nimmt Regisseur Edgar Wright die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Zeit: Sprunghaft geht es von der Gegenwart in das schillernde London der 60er-Jahre. Die Stimmung des Jahrzehnts wird durch eine clevere Songauswahl hervorgehoben. Details wie die geschmackvolle Kleidung, Erinnerungen an Sean Connery als James Bond oder Besuche im Nachtclub „Café de Paris“ hüllen den Film in ein betörendes Licht. Doch der Schein trügt: Denn Eloise findet heraus, dass Sandy ein glückliches Leben verwehrt blieb. Stattdessen tauchte die junge Frau ein in das Rotlichtmilieu der 60er. Ihr Partner Jack (Matt Smith, 39) entwickelte sich zum Bösewicht, der die strahlende Sandy unter seiner Fuchtel hatte.

Nicht nur in Eloise‘ Träumen erwacht Sandy zum Leben. Auch im wahren Leben wirken sich die Erlebnisse auf sie aus: Sie zieht sich an wie die Frau, die in ihren Träumen erscheint, und möchte immer mehr über sie in Erfahrung bringen. In ihren Reisen in die Vergangenheit ist Ellie mal die stille Beobachterin, mal schlüpft sie komplett in Sandys Rolle. Ihre Versuche, mit der jungen Frau zu interagieren, scheitern jedoch. Und so fühlt sie sich machtlos, als sie mit ansehen muss, welche Erniedrigungen und Qualen Sandy erlebt.

Bekannte Elemente neu inszeniert

Zugegeben: Das Spiegelmotiv dürfte jedem bekannt sein. Dennoch setzt Wright es in vielen Szenen ein. Einmal beobachtet Eloise Sandy durch einen Spiegel, mal erkennt sie sich darin wieder. Ein anderes Mal nutzt sie ihn, um Geschehenes darin zu sehen. Aber nicht nur das wiederkehrende Motiv des Spiegelbildes setzt der Filmemacher gekonnt ein. Auch die Verschmelzungsoptik von Eloise und Sandy beeindruckt, etwa als während eines Tanzes ständig die Figur wechselt. Die Verbindung der beiden Frauen wird so – auch eindrucksvoll durch den Wechsel von schnellen und langsamen Elementen – intensiviert.

Horrorelemente kommen ebenfalls nicht zu kurz: Verschwommene, männliche Gestalten ohne erkennbares Gesicht jagen nicht nur Sandy, sondern auch Eloise – und das nicht nur nachts. Dennoch ist sich Ellie sicher, nicht verrückt zu sein. Anders wirkt das auf die Zuschauer, doch genau das macht den Reiz des Filmes aus.

Der Psychothriller konzentriert sich vor allem auf die Verbindung zwischen Ellie und Sandy. Dabei gibt es noch weitere spannende Konstellationen, die jedoch kaum Erwähnung finden. Darunter die Beziehung von Ellie zu ihrer Großmutter und ihrer verstorbenen Mutter. Auch eine Liaison zu einem ihrer Kommilitonen wird thematisiert. Weshalb die beiden einander anziehend finden, wird den Zuschauern jedoch nicht klar. Trotz kleinen Minuspunkten überzeugt „A Night in Soho“ jedoch – vor allem dank einer starken Besetzung.

(sob/spot)

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