Spätestens seit den „Sissi“-Filmen von Ernst Marischka (1893-1963) aus den 50er Jahren ist die Geschichte der Herzogin Elisabeth in Bayern, die sich als unbekümmerte Teenagerin Hals über Kopf in Franz Joseph I., Kaiser von Österreich, verliebt, weltweit bekannt. RTL+ zeigt nun mit „Sisi“ ab dem 12. Dezember eine sechsteilige Event-Serie über die Liebesgeschichte von Sisi und Franz. Die sechs Episoden werden in Doppelfolgen auch am 28., 29. und 30. Dezember jeweils um 20:15 Uhr in der Primetime bei RTL zu sehen sein.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verraten Jannik Schümann (29) und Dominique Devenport (25), was die Serie von den klassischen „Sissi“-Filmen unterscheidet, wie sie sich in Uniform und Korsett gefühlt haben und warum Sex-Szenen in der Serie eine tiefere Bedeutung haben.

Warum hatten Sie Lust, diese ikonischen Rollen zu spielen?

Jannik Schümann: Ich fand die Neuinterpretation von unserer Serie wahnsinnig spannend. Ich hatte Lust, Franz von einer anderen Seite zu zeigen – einen Charakter, den jeder kennt und möglicherweise Weihnachten im Fernsehen sieht. Natürlich sind wir mit fiktiven Charakteren und Dialogen nicht annähernd an der Realität dran, aber dennoch sind wir mit Sicherheit realitätsnaher als die alten Filme. Und die Geschichte bringt so viel Tiefe mit sich, unsere Bücher haben das schön zu Papier gebracht.

Dominique Devenport: Besonders interessant bei diesen beiden Figuren war, dass man zwar einerseits irre viel Material und alles Mögliche an Biografien, Fakten und Dokumenten findet. Andererseits gibt es eben keine aktuellen Fotografien der beiden, keine Zeitzeugen und keine Video-Mitschnitte. Ich hatte immer das Gefühl, man kann sich so gut informieren wie man nur will, trotzdem bleiben die letzten paar Prozent ein Mythos. Diesen paar Prozenten die eigene Stimme einzuhauchen, fand ich sehr interessant.

Die Serie hat einen düstereren Charakter als die „Sissi“-Filme. Wie neuartig ist denn die Geschichte erzählt?

Schümann: Wir haben die ganze politische Ebene mit Schlachten und Kriegen reingebracht, die zu kurz gekommen ist in den anderen Filmen. Der große politische Konflikt erklärt uns Franz auch viel besser. Wir zeigen einen Kaiser, der untreu ist und der mit Prostituierten schläft, auch während der Ehe. Der Sex ist nicht einfach nur in der Serie, weil wir Lust hatten, ihn zu zeigen, sondern weil er für die Geschichte wichtig ist und sie vorantreibt. Für Franz ist er ein wahnsinnig wichtiger Bestandteil, weil er Frauen bisher immer nur als Objekte wahrnahm und Sex als Ventil gebraucht hat, um sich abzureagieren. Jetzt trifft er auf eine Frau, die so nicht wahrgenommen werden möchte, sondern als Liebhaberin, die sanft berührt werden möchte. Sisi muss ihn erst mal knacken, um mit ihm eine Liebesbeziehung zu führen, weil er Liebe vorher noch gar nicht gespürt hat.

Devenport: Das Neue an „Sisi“ ist, dass wir sie überhaupt erst mal zum Menschen machen. Bei Sisi kennt man vor allem die Gemälde von der großen Kaiserin Elisabeth oder die feenhafte und immer fröhliche Frau aus den Marischka-Verfilmungen. Wir zeigen die beiden Figuren als vielschichtige Personen mit Interessen, Stärken und auch Schwächen.

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  • Hatten Sie Probleme damit, das Verhalten Ihrer Rollen zu verstehen?

    Schümann: Franz und seine Entscheidungen sind so weit entfernt von Jannik, dass ich mir diese Frage erst gar nicht stelle. Aber wenn man sich die Rolle erarbeitet und sieht, woher er kommt, dass er als kleiner Junge schon ins Militär gesteckt wurde, mit 18 Jahren Kaiser wurde und dann Mama im Rücken stehen hat, die ihm sein Leben lang ins Ohr flüstert, dass Gefühle ein Zeichen von Schwäche sind, da kann man sich alles herleiten und total verstehen, warum Franz so handelt, wie er handelt.

    Devenport: Ich hatte auch das Gefühl, dass Sisi für mich relativ nachvollziehbar handelt. Vieles konnte ich mir mit dem Altersunterschied erklären, sie ist doch noch ein Stück jünger als ich. Mit 15 macht man eben manchmal Dinge, weil sie einem gerade durch den Kopf gehen.

    Dominique, für Sie war es die erste große Hauptrolle. Mit welchem Gefühl sind Sie in die Produktion reingegangen und mit welchem Gefühl heraus?

    Devenport: Ich bin mit einer großen Aufregung, Vorfreude und gewissen Naivität in die Produktion gestartet. Vor mir lag ein unbekanntes großes Loch, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommen wird. Nach den vier Monaten hatte ich das Gefühl, eine Weltreise gemacht zu haben, weil man wirklich in diese Zeit abgetaucht ist. Gelernt habe ich auch, dass man sich eben nur bis zu einem gewissen Stück vorbereiten kann. Wenn etwas nicht wie gewünscht klappt, muss man zur nächsten Szene übergehen und das Vergangene möglichst vergessen.

    Jannik, konnten Sie Dominique mit Ihrer Erfahrung auffangen?

    Schümann: Ich hatte das Gefühl, dass wir uns gegenseitig aufgefangen haben, für uns beide war das ein großer Schritt. Ich wusste, dass solche Dreharbeiten wahnsinnig schwer und anstrengend sind. Dominiques Vorteil war, dass sie die Erfahrung noch nicht hatte und mit einer wahnsinnig gesunden Naivität und Lebhaftigkeit rangegangen ist. Das hat mich angesteckt. Ich habe sie als großes Brett wahrgenommen, sie hat das Ding immer lächelnd gestemmt, auch wenn mal die Luft durch die Korsetts dünn wurde (lacht).

    Wie haben Sie sich in Uniform und engem Kleid gefühlt?

    Devenport: Die Kostüme waren eine Erfahrung für sich, im Gegensatz zu normalen modernen Kostümen nimmst du bei diesen beim Anziehen direkt eine andere Haltung an. Vieles ist dann auch nicht mehr möglich und du wirst automatisch in diese Rolle geworfen. Mit den Kleidern und auch den Haaren hat das immer eine ganze Weile gedauert, aber so konnte ich jeden Morgen im Spiegel selber zuschauen, wie immer weniger Dominique und immer mehr Sisi da war. Und das ist auch nah an der Realität dran. Sisi hatte unfassbar lange Haare und hat täglich mehrere Stunden damit verbracht, einfach nur dazusitzen und frisiert zu werden. Sie hat Leute gebraucht, die sie in die Kleider reingesteckt und zugeschnürt haben.

    Schümann: Auch ich habe das Kostüm als Hilfsmittel genutzt, um in die Rolle zu finden. Ich hatte natürlich nicht die großen Sorgen, die meine weiblichen Kolleginnen hatten mit der wahnsinnig körperlichen Belastung, diese Kleider zu tragen. Aber auch die Uniform war nicht vergleichbar mit der Jogginghose. Sie war eng maßgeschneidert, was mir eine Körperlichkeit und eine aufrechte Haltung gegeben hat, die mir geholfen haben, zu Franz zu werden.

    Pferde reiten oder Tanzen gehört auch zu Ihren Rollen. Wie haben Sie sich vorbereitet?

    Devenport: Wir haben beide sowohl Reit- als auch Tanzunterricht bekommen und hatten mit dem ganzen Cast eine Einführung in die Etikette. Jannik hatte noch Stunttraining für die Kriegsszenen und viel körperliches Krafttraining. Wir haben viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt.

    Mit „The Empress“ widmet sich Netflix auch der Kaiserin. Warum ist die Geschichte immer noch faszinierend?

    Devenport: Wir sind schon länger auf der Suche nach Geschichten, bei denen wir weibliche Protagonisten haben. Sisi gibt ein interessantes Frauenbild ab. Gerade was Emanzipation angeht, könnte man schon sagen, dass sie zu den ersten Vorbildern gehört hat. Außerdem will diese Geschichte „normales Mädchen trifft auf den Prinzen, sie heiraten, leben auf dem Schloss und ihre Liebe ist stärker als alles“, die Menschheit bis heute sehen. Auch der Mythos-Anteil spielt dabei eine Rolle. Dass man sich die Figuren nie komplett erschließen kann, macht es interessant, diese Geschichte immer und immer und immer wieder zu erzählen.

    Dominique, Sie haben kürzlich verraten, dass Sie die „Sissi“-Filme vor der Produktion gar nicht gesehen haben.

    Devenport: Ich habe sie mir angeschaut, als ich die Zusage für die Rolle bekommen habe. Es war aber weniger eine Recherche, weil ich die „Sissi“ von Romy Schneider gar nicht als Vorlage genutzt habe. Ich wusste nur, dass die Leute, wenn sie an Sisi denken, an diesen Film denken und gar nicht an die historische Frau. Und davon wollte ich mir ein Bild machen.

    Jannik, gehören die „Sissi“-Filme bei Ihnen zur Weihnachtstradition?

    Schümann: Nein, meine Eltern haben uns das nie vorgelebt. Ich kannte die Filme aber schon und habe sie noch mal gemeinsam mit Dominique vor dem Dreh in Lettland geguckt – vielmehr um in die Welt einzutauchen, als etwas abzugucken. Uns war es wichtig, dass wir die Filme nicht während der Drehtage anschauen, damit wir wirklich unsere Neuinterpretation absetzen von den alten Filmen. Die wollen wir auch gar nicht ersetzen und finden sie weiterhin toll auf ihre Art.

    Wie liefen die Dreharbeiten ab?

    Schümann: Wir haben zum größten Teil im Baltikum gedreht und waren die ersten fünf Wochen in einem Studio in Riga. Dort wurde die komplette Hofburg nachgebaut. In Litauen haben wir viel außen gedreht, die kompletten Kriegsaufnahmen fanden in Vilnius und Umgebung statt. Zuletzt waren wir noch fünf Tage in Bayern, um wirklich das Alpenpanorama mitzunehmen.

    Devenport: Besonders Vilnius war eine magische Zeit. Es ist eine extrem schöne und überraschende Stadt, es gibt eine große Altstadt mit verwinkelten Straßen, Kopfsteinpflaster und vielen Cafés. Wir waren im Sommer dort und die Corona-Regelungen waren lockerer. Wir sind alle abends zum Essen gegangen, haben angestoßen und sind dabei zusammengewachsen.

    Eine zweite „Sisi“-Staffel ist bereits bestätigt. Wie ist das für Sie?

    Schümann: Ich glaube, wir haben beide total Lust, diese Charaktere weiterzuerzählen, weil einfach noch so viel kommt. Das ist selten der Fall, dass die Personen älter werden und ihr Leben spannender wird. Bei Sisi kommt noch eine aufregende Zeit, wenn sie den Thronfolger zur Welt bringt und in ihre eigene Welt abdriftet… Da sind wir noch lange nicht angekommen mit der zweiten Staffel und das könnten Dominique und ich auch jetzt noch nicht spielen, da sind wir noch zu jung. Aber wer weiß, wie wir mit den Rollen mitwachsen.

    Devenport: Sisi hat wirklich so viele unterschiedliche Lebenswandel durchlaufen, von einem Extrem ins nächste, unterbrochen von tragischen Schicksalsschlägen, da gibt es noch viel zu erzählen. Ich freue mich auch darauf, dass der ganze Cast wieder da sein wird, wir waren wie eine Familie.

    (jom/spot)

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