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EA schafft nach Shitstorm Mikrotransaktionen vorübergehend ab

Einige Spiefiguen im neuen Star-Wars-Game "Battlefront II" konnten nur nach 40 Stunden Spielzeit oder direkt mit Echtgeld freigeschaltet werden. Nach massiver Kritik der Spieler setzte EA das umstrittene Geschäftsmodell aus.
Einige Spiefiguen im neuen Star-Wars-Game "Battlefront II" konnten nur nach 40 Stunden Spielzeit oder direkt mit Echtgeld freigeschaltet werden. Nach massiver Kritik der Spieler setzte EA das umstrittene Geschäftsmodell aus.
Foto: EA
Nachdem EA auf Reddit die Praxis der Lootboxen verteidigte, begann ein ungeahnter Shitstorm gegen den Publisher. Jetzt deaktiviert das Unternehmen vorerst die Mikrotransaktionen im neuen Teil der Star-Wars-Battlefront-Serie.

Mikrotransaktionen, insbesonders gekoppelt mit Lootboxen, sind derzeit eine Plage, die sich durch aktuelle Videospiele zieht. Der aufgestaute Frust der Gamer darüber, hat sich jetzt bei Star Wars Battlefront 2 entladen. Die Kritik daran war so massiv, dass der Publisher Electronic Arts die Mikrotransaktionen vorerst aussetzt.

Star Wars Battlefront 2 ist ein Shooter im Star-Wars-Universum. Zwar gibt es auch eine Einzelspieler-Kampagne, der Fokus liegt aber auf Mehrspieler-Schlachten. Um in den Schlachten als ikonischer Star-Wars-Charakter spielen zu können, wie Darth Vader oder Luke Skywalker, müssen diese erst mit einer Ingame-Währung freigeschaltet werden. Ein Reddit-User hat errechnet, dass ein durchschnittlicher Spieler etwa 40 Stunden Spielzeit investieren muss, um genug Währung zu sammeln, um Darth Vader freizuschalten.

Das alleine sorgte schon für viel Kritik. Zusätzlich kommt bei Battlefront 2 aber das Lootbox-System hinzu. Die Ingame-Währung kann zwar nicht mit realem Geld gekauft werden, aber Lootboxen. Diese enthalten Karten, die Vorteile in der Schlacht liefern. Doppelte Karten werden in die Ingame-Währung umgewandelt. Ein Spieler, der also Darth Vader gleich haben will, kauft sich mit echtem Geld Lootboxen, in der Hoffnung doppelte Karten und damit die Ingame-Währung zu erhalten.

Shitstorm auf Reddit

Da platzte vielen Gamern der Kragen. Auf Reddit wurde ein Shitstorm losgetreten. Auf Metacritic gaben zornige Spieler Battlefront 2 so schlechte Bewertungen, dass die User Score 0,8 von 10 ist. Die Berichte darüber schafften es sogar bis zu Mainstream-Medien wie CNN, was wiederum bei Analysten und Anlegern an der Börse für Bedenken sorgte.

EA reagierte daraufhin. Ein Mitarbeiter schrieb auf Reddit, dass man mit der langen Spielzeit zum Freischalten von Darth Vader erreichen wollte, dass Spieler stolz auf ihre Leistung sind. Der Post bekam über 680.000 Downvotes und ist damit der unbeliebteste Reddit-Post aller Zeiten. Der zweite Platz hat lediglich 24.000 Downvotes. EA senkte dann zwar die Freischaltkosten für Darth Vader und Luke Skywalker um 75 Prozent, die Welle der Entrüstung hielt aber an.

Jetzt hat EA die Notbremse gezogen. Pünktlich zum offiziellen Start des Spiels wurden die Mikrotransaktionen deaktiviert. „Wir haben eure Bedenken gehört, dass wir Spieler einen unfairen Vorteil geben. Das war nie unsere Absicht. Sorry, dass wir das nicht richtig gemacht haben“, so der General Manager des Spielentwicklers DICE in einem Statement.

Die Möglichkeit Lootboxen mit echtem Geld zu kaufen, soll es aber später wieder geben, nachdem Änderungen am Spiel vorgenommen wurden. Welche das sind, ist noch offen. Als echter Sieg gegen Pay-to-Win-Systeme und Lootboxen kann dies deshalb nicht gefeiert werden. Es wirkt eher so, als warte EA ab, bis Gras über die Sache gewachsen ist, um dann genauso weiterzumachen wie zuvor.

Lootboxen trotz Vollpreis-Titel

Das Problem der Lootboxen besteht weiterhin und wird auch zukünftig in fast allen Games zu finden sein. Dies wird solange der Fall sein, solange Spieler dafür Geld ausgeben, obwohl sie bereits 60 oder 70 Euro für das eigentliche Spiel bezahlt haben.

Einige Länder, wie etwa Belgien, überlegen deshalb regulierend einzugreifen. Da die Gegenstände in den Lootboxen, die mit echtem Geld gekauft werden, zufallsgeneriert sind, könnte das als Glücksspiel ausgelegt werden. Würden Videospiele mit Lootboxen als Glücksspiel klassifiziert werden, könnte dies in manchen Ländern zu Altersbeschränkungen oder sogar Verkaufsverboten führen.

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