Meinung 

Wenn "Women in Tech and Startups" aufeinander treffen

Gründerin Nicole Simon eröffnet das regelmäßige Treffen der Tech-Frauen
Gründerin Nicole Simon eröffnet das regelmäßige Treffen der Tech-Frauen
Foto: Futurezone
Ein erster Blick hinter die Kulissen von Witas offenbart tolle Frauen und spannende Geschichten.

Witas Berlin ist ein zweimonatliches Meetup, das darauf zielt, Frauen aus den Bereichen Tech, Medien und Start-ups in Berlin zusammenzubringen“, so die eigene Beschreibung der "Women in Tech and Startups" mit immerhin 1.865 Mitgliedern. Das klingt zunächst etwas nüchtern und gibt nicht viel her, und man fragt sich, warum knapp 2.000 Personen Teil dieser Gruppe sind.

Dann trifft man Nicole Simon, die Witas Berlin im August 2015 gegründet hat, und ihre Gäste alle persönlich und gut gelaunt begrüßt. Angemeldet waren rund 70 Frauen, davon kamen etwa 32. Das sei aber normal, sagt Nicole. Die Stimmung in der gemütlichen Runde ist auf jeden Fall von Anfang an gelöst.

Nicole selbst ist ziemlich vielseitig. Sie ist Autorin und Spezialistin für Social Media und Content. Die Event-Reihe hat sie 2006 noch als „Girl Geek Dinner“ gestartet und vor drei Jahren in Witas umbenannt. „Das war einfacher als immer zu erklären, dass es nicht nur für Girls, nicht nur für Geeks ist, und dass es kein Dinner gibt“. Ihr Auftreten ist resolut, sie lacht viel, spricht die wichtigen Dinge aber ernsthaft an. Darum sind auch alle entspannt, selbst wenn Nicole mit dem Finger auf eine Teilnehmerin zeigt und diese dazu auffordert, nun zum angesetzten Thema ihren Standpunkt zu erzählen. Teilnahme ist bei Witas wichtig und gewünscht, auch wenn man manchmal erst dazu genötigt werden muss.

Von Biomimetik , U-Booten und Psychologen mit Tech-Start-ups

UnserTeam von Futurezone darf ebenfalls mitsprechen. Wir werden sogar als hervorragendes Beispiel für das Tagesthema herangezogen: „Wenn du dich gut verkaufen willst, musst du wissen, was du anzubieten hast. Die Medien (also wir, Anm. d. Red.) sind hier, um spannende Geschichten zu finden“.

Gehört haben wir tatsächlich viel Spannendes. Sena, beispielsweise, sucht gerade einen Job. Sie hat einen Master in Bionik/ Biomimetik und war Teammitglied und Leiterin beim European und International Submarine Racing. Nina kommt aus Bulgarien, ist Produktdesignerin und stempelt ihre Visitenkarte auf alles, was sie finden kann. Ergibt sich die Gelegenheit nimmt sie an Hackathons teil, die sie in Regelmäßigkeit auch gewinnt. Kathrin wiederum hat, ohne Ahnung davon zu haben, ein Tech-Start-up gegründet und sucht nun händeringend nach Personal. Eigentlich ist sie Psychologin.

Besprochen werden vor allem Strategien, zum Beispiel, wie man mit dem Stress und der Ablehnung während der Jobsuche umgeht. Yoga soll da sehr hilfreich sein, meint Sena. Kathrin schwärmt dagegen von Trello, wenn es um das Verfolgen eigener Arbeitsziele und Aufgaben geht. Es sei so schön, wenn man ein Häkchen an Erledigtes machen könne. Aber auch wenn es banal klingen mag, die Gruppe behandelt Themen, die grundlegende Dinge ansprechen: eigene Organisation, die Priorisierung der wichtigen Dinge, die Verfolgung des persönlichen Erfolges, der laut Nicole letzten Endes das individuelle Aushängeschild darstellt. Wie andere von sich überzeugen, wenn man selbst gar nicht weiß, was man eigentlich schon geschafft und erreicht hat?

Ruhig mal den Mann helfen lassen

Für Männer meistens kein Problem, so Nicole. Die schmücken sich im Notfall auch mit fremden Federn. Einen wichtigen Ratschlag gibt sie dazu: Einfach mal nach Hilfe fragen. „Wenn jemand möchte, dass du deine Aufgaben erledigst, dann muss er auch dafür sorgen, dass du das kannst“. Begeisterte Zustimmung kommt aus der hinteren Reihe von Noa. Sie ist Data Scientist bei King, also Candy Crush, und hat sich auch erst gegen diese Taktik gesträubt. Mittlerweile macht sie das regelmäßig, weil ihre männlichen Kollegen scheinbar sehr dankbar sind, wenn sie ihr, der Frau, unter die Arme greifen können. Da hat Mann dann etwas Gutes für die Unterstützung der weiblichen Belegschaft getan. Das Motto lautet also „unbedingt ausnutzen“!

Nach der Gesprächsrunde folgt das Networking. Ausgestattet mit Getränken aller Art mischt sich das illustre Volk. Wir haben die Chance mit jenen Frauen zu sprechen, die uns während der Einzelvorstellungen durch ihre interessanten Werdegänge und Aktivitäten aufgefallen sind. Da wurde bei uns bereits ganz aufgeregt getuschelt. Andere, die wir noch nicht gehört hatten, kommen direkt zu uns. Ganz ungezwungen, ganz einfach, einfach großartig. Wir wissen jetzt, warum Witas so viele Mitgliederinnen hat.

Fazit

Eine absolut lohnenswerte Erfahrung. Wir zumindest waren überaus angetan von der Atmosphäre, den Persönlichkeiten und der einfachen Art, in der alle aufeinander zu gegangen sind. Unkompliziertes Austauschen und Netzwerken ist uneingeschränkt möglich, wird von Organisatorin und Gründerin Nicole aber auch eingefordert – was gut ist. Wer Rat sucht, wird fündig. Wer einen Job sucht, durchaus auch. Wer nur Anschluss sucht sowieso. Die Amtssprache ist Englisch, da viele der Teilnehmerinnen aus allen Teilen der Welt nach Berlin gekommen sind, und Männer sind übrigens auch sehr willkommen. Sie müssen allerdings als Plus One angemeldet sein.

Das nächste #witas Berlin Meetup findet am 02. Mai 2017 im hub:raum statt. Wer teilnehmen möchte, meldet sich direkt via Meetup bei #witas an oder auch auf der Homepage für den Newsletter.

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