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Tijen Onaran: „Erfolg ist harte Arbeit“

Für Tijen Onaran ist klar: Für erfolgreiche Menschen ist häufig der Weg das Ziel. Warum dazu ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration gehören, erklärt sie in ihrer neuesten Kolumne.

Tijen Onaran
Tijen Onaran setzt sich für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche ein. Foto: Anna Schwarz

Ich liebe Geschichten von erfolgreichen UnternehmerInnen, die trotz denkbar schlechten Voraussetzungen wahnsinnig viel erreichen. Eine dieser Geschichten ist die von der spanischen Köchin María Marte, deren Karriere wortwörtlich als Tellerwäscherin angefangen hat. Obwohl sie aus ärmlichen Verhältnissen kommt, ist sie heute eine Sterne-Köchin mit zwei Michelin-Sternen.

Aber so wichtig solche Vorbilder und unsere persönlichen HeldInnen auch sind – sie allein genügen nicht. Denn was ist der Schlüssel zu ihrem Erfolg? Intuition? Glück? Talent? Ein starker Wille? Oder schlicht und ergreifend harte Arbeit? In den seltensten Fällen fallen diesen Menschen Erfolge einfach in den Schoß. Ich denke, dass die große Gemeinsamkeit aller Erfolgsgeschichten sich auf die einfache Formel bringen lässt: Erfolg ist harte Arbeit. Oder in Management-Deutsch: Erfolg ist ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration.

Von außen sieht Erfolg oft einfach aus

Wir feiern Erfolge und sehen in den Momenten nur den kleinen Ausschnitt einer langen, beschwerlichen Reise. Darüber vergessen wir viel zu häufig den langen Weg, der notwendig war, um zu diesem Punkt zu gelangen. Auch ich höre immer wieder mal Sätze wie „Da hast Du ja richtig Glück gehabt.“ Dann denke ich mir immer: Ja, eine Prise Glück gehört natürlich immer auch dazu, aber am Ende des Tages ist Erfolg das Resultat von harter Arbeit. Denn Glück allein führt nicht automatisch zum Erfolg. Was bringt es dir, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, wenn du in diesem Moment dann letztlich nichts vorzuweisen hast?

Ist alles nur durch harte Arbeit erreichbar?

Wenn harte Arbeit also der Schlüssel zum Erfolg ist, kann ich dann wirklich alles erreichen? Ganz so einfach ist es sicher auch nicht. Als ich noch ein Kind war, haben mich meine Eltern zunächst einmal zum Ballett geschickt. Obwohl ich damals auch hart an mir gearbeitet habe, war ich letztlich doch eher der Elefant im Porzellanladen.

Danach wollte ich es mit Taekwondo probieren, was mir sehr viel mehr Spaß gemacht hat. Auch hier flogen mir die Erfolge nicht einfach so zu. Aber mit der entsprechenden Anstrengung konnte ich hier sehr viel mehr Erfolge verbuchen als ich sie beim Ballett jemals hätte erreichen können.

Was sind meine Ziele? Wohin will ich wirklich?

Ich glaube, dass sich diese Erfahrung auch auf das Berufsleben und das Unternehmertum übertragen lässt. Das Leben ist einfach zu kurz für den falschen Job. Wenn ich heute merke, dass ich nicht zu 100 Prozent hinter dem stehe, was ich mache, stelle ich mir die Frage, ob es sich lohnt, viel Arbeit und Mühe in ein Projekt zu stecken.

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Das war letztlich auch der Grund für mich, vor vier Jahren meinen Job an den Nagel zu hängen und mich selbständig zu machen. Heute nehme ich mir besonders in stressigen Phasen immer wieder einmal kurz Zeit und visualisiere mit einer einfachen Technik meine Ziele, indem ich sie auf ein Blatt Papier notieren. Ich frage mich, ob das, was ich mache, mich auch dorthin führt, wohin ich möchte.

Das erspart zwar am Ende des Tages nicht die harte Arbeit. Mit der entsprechenden Motivation macht sie aber doch sehr viel mehr Spaß und Freude. Und genau darauf kommt es doch letzten Endes Tag für Tag an.

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Moderatorin, Speakerin und Kolumnistin. Mit startup affairs berät sie Unternehmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche. Vor ihrer Selbstständigkeit war Tijen Onaran für Europa-, und Bundestagsabgeordnete, für das Bundespräsidialamt sowie für Verbände und eine Hochschule in leitenden Funktionen tätig. Wer sich mit ihr trifft, muss erst an Paul, Cocker Spaniel adeliger Herkunft, und Leo, Labrador-Mix exotischer Herkunft, vorbei.

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