Meinung 

#ThrowbackThursday: Ich war noch nie in einer Telefonzelle

Telefonzellen prägten früher unsere Städte. Heute sind sie nur noch vereinzelt zu sehen.
Telefonzellen prägten früher unsere Städte. Heute sind sie nur noch vereinzelt zu sehen.
Foto: imago/ photothek
Immer Donnerstags wird es retro bei futurezone. Dieses Mal erinnert sich unser Autor ganz persönlich an die Telefonzellen – auch wenn er selbst nie in einer war.

Ich bin 25 Jahre alt und muss gestehen, dass ich noch nie in einer Telefonzelle war. Mein erstes Handy bekam ich zum Übertritt ins Gymnasium. Damals musste ich immer mit dem Bus in die Schule fahren und meine Eltern meinten, dass ich für Notfälle ein Handy bräuchte.

Seitdem lebe ich mit dem Handy und kam noch nie in die Notwendigkeit, eine Telefonzelle zu nutzen. Mit dem Aufbau des Mobilfunknetzes und der Verbreitung des Handys verschwinden immer mehr Telefonzellen aus unseren Städten. Trotzdem sehe ich, wenn ich durch Berlin laufe, immer noch viele kleine, magentafarbenen Telefonhäuschen. Wie ist eigentlich die Geschichte der Telefonzelle? Das will ich euch in unserer Retro-Serie "Throwback Thursday" zeigen.

Die Geschichte der Telefonzelle

Am 12. Januar 1881 wurde in Berlin der erste Fernsprechkiosk in Betrieb genommen. Acht Jahre später kam dann der Münzsprecher auf. Mit dem Münzsprecher entstanden die ersten „Fernsprechhäuschen“ für geschlossene Räume. Der Begriff Telefonzelle war eigentlich nur für Hotels und Postämter reserviert, da dort Menschen in festgemauerten Zellen telefonieren konnten. In unserem Sprachgebrauch setzte sich trotzdem spätestens seit den 1920er Jahren der Begriff Telefonzelle durch, da in dieser Zeit die Telefonzelle in mehrere deutsche Städte und Gemeinden den Einzug schaffte.

Viele Menschen erinnern sich bestimmt an den Schriftzug „ Fasse dich kurz!“ aus den 70er Jahren. Dieser stand neben den Automaten, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Denn durch einen Festpreis ließen sich Ortsgespräche unendlich ausdehnen. Die Blütezeit erlebte die Telefonzelle dann in den Neunziger Jahren. Damals befanden sich laut dem deutschen Städtetag mehr als 160.000 Telefonzellen im öffentlichen Raum. Seit dem Jahr 2007 ist das Handy zum Massenprodukt geworden und die Telefonzelle vom Aussterben bedroht. Statistisch gesehen besitzt heute jeder Deutsche ein Handy. Telefonzellen gibt es dagegen in Deutschland inzwischen nur noch rund 20.000.

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Vorteile der Telefonzelle

Der revolutionäre Vorteil der Telefonzelle in den Anfängen war, dass damit Menschen telefonieren konnten, die sich keinen eigenen Festnetzanschluss leisten konnten. Gleichzeitig wurde durch die Glasfaser-Wende gewährleistet, dass kein Fremder beim Gespräch mithört. Wenn ich sehe, wie viele Menschen heutzutage in U-Bahnen oder an öffentlichen Plätzen telefonieren, hat das ungestörte Telefonieren für die Bevölkerung allerdings an Bedeutung verloren.

Ganz abgeschafft wurden Telefonzellen trotzdem nicht, besonders an Bahnhöfen und an Flughäfen findet man sie noch recht häufig. Für Notsituationen können sie nämlich immer noch ganz praktisch sein. Denn, wenn mein Handy Akku einmal leer sein sollte und ich nicht nach Hause komme, brauche ich doch einmal eine Telefonzelle.

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