Künstliche Intelligenz war eines von vielen Themen, die auf der CeBIT 2018 angesprochen wurden. Auch die Deutsche Bahn setzte sich damit auseinander. Sabina Jeschke gehört zum Vorstand für den Bereich Digitalisierung des Unternehmens und erläuterte in einer Präsentation, wie KI genutzt werden kann, um die Personenbeförderung künftig zu optimieren: „Wenn wir unser Schienensystem zum Beispiel mit Sensoren ausstatten, die Rückmeldung geben, sobald etwas nicht stimmt, könnten wir das Problem sofort beheben. Das gilt unter anderem für Bäume, die im Verlauf eines Sturms auf den Schienen landen“, erklärt sie. Laut ihrer Aussage können derartige Schwierigkeiten bisher nur dann erfasst werden, wenn jemand die betroffene Stelle sieht und Rückmeldung gibt.

Deutsche Bahn steht vor „brutalem Durchbruch“ bei Quantencomputern

Das wäre praktisch, da so Verzögerungen durch Fahrbahnschäden vermieden werden könnten. Da das Schienennetz der Deutschen Bahn allerdings rund 30.000 Kilometer misst, könnte die Umsetzung schwierig werden. Sie sprach auch von neuen „Cyber-Security-Herausforderungen“, die im Rahmen eines laut ihrer Aussage bevorstehenden „brutalen Durchbruchs“ in Sachen Quantencomputer anstehen. Allerdings möchte sie nicht auf geplante Vorkehrungen eingehen. „Ein zu hohes Sicherheitsrisiko“, erläutert Jeschke. Die Rednerin nannte viele Ideen, ließ dabei aber die Umsetzung aus, weshalb die Anwesenden mit offenen Fragen zurückgelassen wurden.

Auch ein Abteil des geplanten Ideenzugs der Deutschen Bahn wurde für die Gäste zugänglich gemacht. Das Ausstellungsstück lockte mit gedämpftem Licht und gemütlichen Sitzen, die an den Seitenwänden angebracht wurden. Zwar wird einem jede Menge Komfort geboten, aber dafür auch weniger Platz. „Manche Bereiche sollen etwas Kapazität einbüßen und andere dafür dazugewinnen“, sagt der Projektleiter des Ideenzuges Carsten Hutzler. Wie das genau aussehen soll, konnte er leider noch nicht erklären.

Zum Thema Fahrpreis führt die Deutsche Bahn derzeitig Befragungen durch. Da das Angebot von Bereich zu Bereich unterschiedlich ausfällt, kommen wahrscheinlich gestaffelte Preise zustande. Im Grunde genommen bot die Deutsche Bahn zwar einen beeindruckenden Auftritt, hielt sich aber auch in Sachen Informationen etwas zurück.

SAP, ein Softwareriese mit eigenem Freizeitpark

SAP ist ein gutes Beispiel für einen Aussteller, der sich nicht nur durch einen beeindruckenden Auftritt, sondern auch durch einen hohen Mehrwert definiert. Das Softwareunternehmen hatte praktisch seinen eigenen kleinen Freizeitpark im Zentrum des Messegeländes errichtet, welcher nicht nur zur Bespaßung der Gäste diente, sondern auch dazu, die Möglichkeiten des Softwareangebots genauer zu erläutern. So wurde ein Zelt vor dem Riesenrad aufgebaut, indem praktisch alle Daten rund um den SAP-Bereich eingesehen werden konnten – eine Art Steuerzentrale.

Das vorgestellte System lieferte dabei nicht nur allgemeine Informationen zur Wartezeit für das aufgebaute Riesenrad oder die Kabinentemperatur, sondern auch Prognosen zur Auslastung bei schlechtem Wetter oder wann an welchem Essensstand Nachschub benötigt werden könnte. Gerade Laien konnten sich dort dank der anschaulichen Umsetzung ein gutes Bild von den Möglichkeiten des Softwareriesen machen. Schließlich konzentriert er sich auf die Datenverarbeitung. Wer sich dann noch für die Produkte interessierte, konnte sich Informationen rund um den Freizeitbereich von den Mitarbeitern holen.

Autonome Unterwasserdrohnen aus dem Hause Fraunhofer

Die Fraunhofer Gesellschaft trat gleich mit zwei Messeständen auf. Thematisch versuchte sie von der Blockchain-Technologie über 3D-Drucker bis zu autonomen Drohnen alles abzudecken, wofür sie wiederum eine Menge Platz benötigte. So stellte zum Beispiel das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) eine autonome Unterwasserdrohne vor, mit der sie beim von Shell ausgerichteten „Ocean Discovery XPrize“-Wettbewerb antritt. Da diese etwas größer ausfiel, bekam sie ihren eigenen Stand.

Wie die Drohne funktioniert, erklärt der am Projekt beteiligte Forscher Eduard Maydanik: „Wir nutzen ein Katamaran als Oberflächenfahrzeug, um die Drohne auf das offene Gewässer zu ziehen. Sobald wir einen für uns interessanten Punkt erreicht haben, setzen wir sie aus. Die Drohne taucht ab und tastet mithilfe eines Sonarradars, der sich entweder am Bauch oder an den Seiten befindet, den Meeresboden ab.“ Die Daten werden darauf automatisch an eine Steuerzentrale gesendet.

Für Informationen über die anderen Forschungsbereiche der Gesellschaft stand der zweite Stand zur Verfügung. Dort wurden zum Beispiel Geräte wie Roboterarme oder auch 3D-Drucker präsentiert und von den jeweiligen Wissenschaftlern erklärt. Die räumliche Trennung war in diesem Sinne praktisch, da schon alleine aufgrund der Unterwasserdrohne die anderen Forschungsinstitute hätten kürzertreten müssen.

Patchie: Therapiehelfer bei Mukoviszidose

Der Smart-Health-Bereich fiel im Vergleich zu den anderen Ständen der großen Unternehmen wesentlich kleiner aus. Das ist schade, da in diesem Rahmen gute Ideen eventuell unter dem Radar geblieben sind. App-Entwickler mit einem geringen Budget mussten sich beispielsweise einen Schreibtisch teilen. So konnten sie zwar nicht mit einem beeindruckenden Auftritt glänzen, dafür aber mit cleveren Konzepten.

Das Therapiemaskottchen „Patchie“ für Kinder mit der Erbkrankheit Mukoviszidose wäre da ein gutes Beispiel. Die Stoffwechselerkrankung führt dazu, dass der Schleim, der die Zellen bedeckt, zähflüssig wird. Das hat zum Beispiel schwerwiegende Folgen für die Lunge. Der Schleim führt zu Atemnot oder auch zu wiederkehrenden Infekten und Lungenentzündungen. Die Krankheit geht mit einer lebenslangen Therapie einher, die mit einer täglichen Medikation sowie einem strikten Ernährungsplan verknüpft ist. Durch Minispiele und Feedbacks bei nichterledigten Aufgaben wie dem Händewaschen soll „Patchie“ den Kindern dabei helfen, auf die wichtigen Details im Rahmen ihrer Therapie zu achten und sich so trotz allem normal zu fühlen.

Fazit zur CeBIT: Blinkende Lichter bedeuten nicht immer auch Inhalt

Insgesamt wurden auf der CeBIT 2018 einige interessante Konzepte vorgestellt. Leider gab es einige Aussteller, die sich mehr um einen beeindruckenden Stand kümmerten als um die Präsentation ihrer Produkte. Die Deutsche Bahn hätte die Messe zum Beispiel nicht ausschließlich dazu nutzen sollen, ihren Ideenzug vorzustellen, wenn sie eigentlich noch gar nicht definiert hat, wohin sie mit ihm will. Genauso verhält es sich mit den Ideen zur KI oder den Hypothesen zu den Quantencomputern.

Andere Aussteller lockten mit blinkenden Lichtern und großen Modellen von futuristischen Städten, doch konnten nicht sagen, was das mit ihrem Unternehmen zu tun hat. Diese waren allerdings nicht die Regel, was der Softwareriese SAP und die Fraunhofer Gesellschaft unter Beweis stellten. Kleinere Unternehmen, die nur wenig Platz hatten, nutzten diesen zudem möglichst effektiv, auch wenn sie häufig nur eine kleine Zielgruppe ansprachen.

Doch nicht nur die Aussteller kümmerten sich darum, ihre Stände für ein möglichst großes Publikum ansprechend zu machen. Die Messeveranstalter selbst sorgten für Livemusik und bauten sogar eine Surfanlage auf. Hier stellt sich die Frage, inwiefern das neue Konzept der Cebit 2018 fruchten konnte.

Die Messeveranstalter zumindest bezeichneten die CeBIT am Freitag als vollen Erfolg. Die Besucherzahlen sind zwar im Vergleich zum Vorjahr von 200.000 auf 120.000 gesunken, aber durch die neue und laut dem CeBIT-Chef Oliver Frese „lockere“ Aufmachung konnten neue Geschäftskontakte geknüpft werden. „Das bestätigen uns alle Kunden“, so Frese.

Die CeBIT 2018 hat bewiesen, dass sie immer noch wichtig ist, um auf Innovationen aus der Techbranche aufmerksam zu machen. Es bleibt nur noch abzuwarten, wie sich die Messe mit dem neuen Konzept in den nächsten Jahren entwickelt.

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