Meinung 

Female Founder, kommt aus den Puschen und nehmt Euer Schicksal endlich selbst in die Hand!

futurezone-Kolumnistin Miriam Mertens rät Gründerinnen, nicht immer nur auf den richtigen Moment zu warten.
futurezone-Kolumnistin Miriam Mertens rät Gründerinnen, nicht immer nur auf den richtigen Moment zu warten.
Foto: Pako Quijada
Gründerinnen haben es schwer in der Welt der Start-ups. Aber ist dem wirklich so? Unsere Kolumnistin sieht Frauen eher selbst in der Verantwortung, sich zu behaupten.

Der Anteil weiblicher Gründerinnen kommt in Deutschland nicht in die Gänge – ‚Female Founder‘ sind nach wie vor die Minderheit in der Startup-Welt. Mehr Förderprogramme wie besondere Investitionsunterstützung lösen nicht das Problem. Frauen, nehmt endlich Euer Schicksal selber in die Hand.

Good news, bad news?

Schaut man alleine auf die Zahlen des Bundesministeriums für Wirtschaft, kommt keine Gründereuphorie in Deutschland auf: Die Anzahl an Gründungen im Voll- sowie im Nebenerwerb ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Was zunächst wie eine schlechte Nachricht aussieht, ist auf den zweiten Blick weniger dramatisch. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die gute gesamtwirtschaftliche Lage auf dem Arbeitsmarkt, die Gründungen als Ersatz für Arbeitslosigkeit nicht mehr nötig macht.

Der Anteil an wachstumsorientierten Startups insbesondere aus der Tech-Branche steigt kontinuierlich. Die Rahmenbedingungen für Startups, sei es etwa die Verfügbarkeit von Kapital, Arbeitsinfrastruktur wie Co-Working-Spaces, Inkubatoren, Acceleratoren oder technische Infrastruktur wie Cloud- und SaaS-Plattformen, waren in Deutschland nie so gut wie heute.

Der Anteil der Gründerinnen wiederum ist laut dem Female Founder Monitor des Bundesverbands Deutscher Startups (PDF) zwar zum dritten Mal in Folge leicht gestiegen, liegt aber nach wie vor bei niedrigen 14,6%. Darüber hinaus gibt es gerade bei den weiblichen Gründerinnen eine Verschiebung von Gründungen in Vollerwerb in Nebenerwerbs-Gründungen, was sicher die Erfolgschancen für diese Unternehmen nicht erhöht. Noch dramatischer sieht die Situation aus, wenn man sich die Vergabe von externem Kapital nach Geschlechtern anschaut. Von Frauen geführte Startups erhalten deutlich weniger Risikokapital als die von Männern. Was läuft also falsch in Gründerinnen-Land Deutschland?

You. Can. Do. It.

Viel wurde schon elaboriert und diskutiert, was die Gründe für die niedrigen Gründungsraten von Frauen sind. Schief läuft es schon in Kindertagen bei zu viel pinkem Prinzessinnen-Spielzeug für die Mädchen und Lego-Robotern zum Selber-Programmieren für die Jungs. Weiter geht es bei zu wenig weiblicher MINT-Förderung an der weiterführenden Schule und der wirtschaftlich nicht so aussichtsreichen Studienwahl nach dem Schulabschluss. Während der Planung eines Gründungsvorhabens gehen Frauen nach dem Female Founder Monitor risikoärmer vor, planen von vorne herein nicht mit externen Risikokapitalgebern und gründen nach dem Scheitern eher nicht wieder neu.

Förder- und Entwicklungsmaßnahmen, die diese Punkte adressieren und dabei helfen, konservative Rollenbilder über Bord zu werfen, kann ich dabei nur unterstützen. Und das gilt natürlich für beide Geschlechter gleichermaßen - denn alles was hilft, Barrieren im Kopf abzubauen, ist richtig und wichtig. Es darf dabei aber nicht passieren, vom Denken und Planen nicht ins Handeln zu kommen (auch das gilt für Mann und Frau gleichermaßen) – ganz nach dem schönen alten Zitat von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“

Letztendlich kann nur Veränderung kommen, wenn man und Frau einfach startet, einfach mal anfängt und nicht wartet, bis alle Rahmenbedingungen optimiert sind. Häufig höre ich, wenn ich von meinem eigenen Startup erzähle:Das würde ich auch gerne machen, wenn nur a), b), c) endlich wäre, wenn ich nicht x), y), z) hätte. Meine Standardantwort: Der richtige Zeitpunkt wird nie kommen! Das 100% richtige Skillset auch nicht. Die Lebenssituation wird immer Aspekte mit sich bringen, die gerade nicht passend sind.

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Es hilft alles nichts. Wenn Du eine Veränderung willst und wirklich das Thema Startup & Selbständigkeit was für Dich ist, mache es einfach. Die Forderungen nach mehr Frauenförderung finde ich für mich selber da mental häufig kontraproduktiv, weil sie in meiner Vorstellung manifestieren, dass anscheinend etwas noch nicht reicht oder noch nicht passt, um erfolgreich zu sein. Jetzt und heute ist die Situation für potenzielle Gründerinnen wie sie ist und – auch wenn nicht alles optimal war und ist – es geht. Man kann als Gründerin erfolgreich sein und einen guten Weg gehen - und zwar gar nicht so schlecht.

Was mir bei meinem Startup-Start am meisten geholfen hat:

  • Vorbilder. Menschen kennenzulernen, die ihr Ding durchgezogen haben, obwohl sie vermeintliche Hürden für eine Unternehmensgründung wie Kinder, ungünstiger Standort etc. mitgebracht haben. Vorbilder laufen einem nicht einfach über den Weg, sondern sucht sie Euch - auf Konferenzen, im Web, in Podcasts, oder im privaten Umfeld.
  • Fakten anstatt Angst sprechen lassen: Viel im Job erreicht, Karriere gemacht und schon das ein oder andere tolle Projekt vorzuweisen – warum sollte es im eigenen Startup nicht auch gut laufen und warum sollten die anderen besser sein. Keiner hat den magischen Zauberstab, und auch wenn es abgedroschen klingt: Jeder – auch jeder Gründer – kocht nur mit Wasser.
  • Ansprüche runterschrauben: Finanzielle Belastungen und Ansprüche zu reduzieren gibt gerade in der Phase einer Startup-Gründung Freiheit und nimmt Druck, jetzt sofort und schnell profitabel sein zu müssen.
  • Rosarote Blase platzen lassen: Egal was passiert, die Wahrscheinlichkeit, dass es anstrengend wird, ist sehr hoch. Und dass Du das, wenn Du wirklich willst, gut meistern wirst, auch. Es hilft aber nicht, sich von vorneherein unrealistische Vorstellungen zu machen und später enttäuscht zu sein.

Einfach die Zügel selber in die Hand zu nehmen und die Gründung zu wagen, ist am Ende die beste und effektivste Maßnahme gegen zu wenig Gründerinnen in Deutschland. Nicht mehr und nicht weniger.

Über Miriam Mertens

Miriam Mertens' Leidenschaft gilt der Tech-Branche, Startups und dem Weltfrieden - und das am besten alles drei in Kombination. Sie begleitet seit vielen Jahr die deutsche Start-up-Szene, zuletzt in ihrer Rolle als Vice President Startup-Kooperationen bei der Telekom. Gerade baut sie ihr eigenes Startup Happy Rebels auf, was durch Online-Coaching-Produkte Menschen hilft, freier und selbstbestimmter zu leben.

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