Netzpolitik 

Coding-Computer Calliope mini startet in Berliner Grundschulen

Wieland Holfelder, Engineering Director & Site Lead bei Google Deutschland und Gesche Joost, Gesellschafterin der Calliope gGmbH sowie Internetbotschafterin der Bundesregierung, probieren mit Schülern der Alt-Lankwitzer Grundschule in Berlin den Mini-Computer aus.
Wieland Holfelder, Engineering Director & Site Lead bei Google Deutschland und Gesche Joost, Gesellschafterin der Calliope gGmbH sowie Internetbotschafterin der Bundesregierung, probieren mit Schülern der Alt-Lankwitzer Grundschule in Berlin den Mini-Computer aus.
Foto: Calliope
Im Saarland ist der Mini-Computer von Calliope bereits im Einsatz. Nun sind Schüler – und Lehrer – in Berlin mit dem Programmieren dran.

Hinter dem Klein-Computer "Calliope mini" steht ein sechsköpfiges Team, das das deutsche Schulsystem revolutionieren will. "Digitale Souveränität und Spaß am Coden" ist das Motto, dem die Gründer folgen. Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse sollen mit Calliope spielend digitale Bildung erfahren. Seit Oktober 2016 wird der Mikro-Controller Calliope mini bereits in zwei Grundschulen im Saarland eingesetzt. Weitere Bundesländer sollten zeitnah folgen.

Am Freitag ist das Coding-Projekt an Berliner Grundschulen gestartet. 2.500 der Mini-Computer sind dort im Rahmen des eEducation Masterplans ab sofort im Einsatz. Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler sollen so erreicht werden. Der Masterplan zielt darauf ab, die digitale Medienkompetenz im öffentlichen Bildungsbereich zu fördern – mit Calliope als Leitprojekt. Seit 2005 ist der Masterplan für alle staatlich-allgemeinbildenden Schulen verpflichtend.

Scheeres: "Programmieren können auch Grundschulkinder"

Bildungssenatorin Sandra Scheeres bezeichnete bei der Präsentation in Berlin den Microcontroller als "faszinierendes Werkzeug", das sich in die unterschiedlichsten Unterrichtsfächer einbauen ließe: "Programmieren können auch schon Grundschulkinder. Die webbasierte Programmiersprache NEPO schafft eine spielerische und fehlertolerante Herangehensweise für erste eigene Programme."

Google.org und weitere Digital-Unternehmen unterstützen das Projekt. So dient "Open Roberta" dem Calliope-Projekt als Plattform. Die Entwicklung der MINT-Initiative Roberta und wurde am Fraunhofer-Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) ins Leben gerufen und wird von Google.org gefördert. Per Web-Browser können damit eigene Programme für den "mini" spielerisch und einfach von den Kindern selbst entwickelt werden. Auf der Open-Roberta-Plattform arbeiten sie mit der Drag-and-Drop-Programmiersprache NEPO.

Calliope: nicht nur für Schüler

Der Mini-Computer wurde erstmals auf dem IT-Gipfel 2016 der Öffentlichkeit präsentiert. "Um fit für die Jobs der Zukunft zu sein, brauchen unsere Kinder digitale Kenntnisse", sagte Gesche Joost, Internetbotschafterin der Bundesregierung und Mitgründerin von des Mikro-Controllers. Noch 2017 soll der "mini" in weiteren Bundesländern zum Einsatz kommen.

Auf Anfrage von futurezone berichtete Nora Perseke von Calliope über die weiteren Einsatzorte des Mini-Computers: "Wir sind bereits aktiv in Hamburg mit Pilotschulen und werden demnächst in Niedersachsen unser Pilotprogramm starten. Außerdem führen wir Gespräche mit den Ländern Sachsen und Rheinland-Pfalz."

Und auch eine kommerzielle Version des Calliope war von Anfang an in Planung. "Der 'mini' ist bereits bestellbar über unseren Vertriebspartner, das Cornelsen Verlagskontor", so Perseke. Auf der Website von Cornelsen sind Klassensätze verfügbar, aber auch Einzelexemplare können erworben werden.

Calliope richtet sich nach Angaben des Unternehmens ausdrücklich nicht nur an Schüler. Ein Booklet mit didaktisch aufbereiteten Unterrichtsmaterialien wie einem Einmaleins-Rechentrainer oder einem Modell für eine Straßenbeleuchtung soll auch Lehrkräften und Eltern die Möglichkeit geben, mit dem Mini-Computer zu arbeiten. Die entsprechende Fortbildung ist kostenfrei. Darüber hinaus entstehen auch Anwendungen in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality und Indoor-Navigation mit dem Orientierungssensor BMX055 von Bosch.

Dennoch wird auch diskutiert, ob die Bauanleitungen der Altersklasse wirklich entsprechen. Das Calliope-Team arbeitet zwar nach eigenen Angaben auch an Projekten für ältere Schüler, eine Anleitung zur Verwendung eines Ultraschallsensors mit dem Calliope mini sorgte aber beispielsweise auf Twitter für eine Beschwerde.

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