Netzpolitik 

AfD vergisst Domain zu verlängern – und lässt ihre Website kapern

Der Autor und Herausgeber Timotheus Schneidegger zeigt, wie leicht die AfD zu hintergehen ist.
Der Autor und Herausgeber Timotheus Schneidegger zeigt, wie leicht die AfD zu hintergehen ist.
Foto: Screenshot
Die AfD Ostfriesland hat in einem internen Streit vergessen, das Recht an ihrer Domain zu verlängern. Deshalb heißt die Website neuerdings Flüchtlinge in Europa willkommen.

Fünf Wörter, eine Grafik und zwölf Sterne: Das ist alles, was die Website www.afd-ostfriesland.de aktuell zeigt. Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls um Inhalte der Partei, deren Namen die Domain trägt.

Webseite der AfD einfach ersteigert

Bis die AfD es versäumte, sie zu verlängern – und Timotheus Schneidegger sie sich sicherte. Schneidegger ist Autor und Herausgeber der philosophischen Zeitschrift "Lichtwolf". Für 120 Euro ersteigerte er sich den Namen der betreffenden Website, wie die taz berichtet. Demnach sei er "auf der Suche nach einer billigen Nachmittagsbeschäftigung" darauf gestoßen.

Aber Scheidegger kaufte die Domain nicht nur, sondern füllte die Website mit den Farben und Sternen der Europa-Flagge. Weder Links noch Videos noch Ordner sind auf afd-ostfriesland.de zu finden, aber die Silhouette dreier Menschen und der Text: "Refugees Welcome. Bring your families".

Legale Übernahme durch freigegebene Registrierung

Das Vorgehen ist legal. Sind die Nutzungsrechte für eine Domain abgelaufen und vom Betreiber nicht verlängert oder gekündigt worden, handelt es sich um eine Expired Domain. Sie ist in diesem Fall wieder zur Registrierung freigegeben. Der neue Eigentümer übernimmt damit einerseits die vorhandene Backlink-Struktur, die einen Teil des Werts einer Website ausmacht, aber die Altlasten der Domain wie Bots oder Google-Abmahnungen.

Schuld daran trägt Niedersachsens umstrittener Landeschef Paul Hampel. Infolge einiger Turbulenzen im AfD-Kreisvorstand Ostfriesland trat auch der Abgeordnete Holger Pieters zurück, der bisherige Inhaber der Domain afd-ostfriesland.de. Normalerweise gehen in diesem Fall die Nutzungsrechte automatisch an den Nachfolger über, allerdings gab es eine Weile keinen. Erst Ende März wurde ein neuer Kreisvorstand gewählt. Um den Internetauftritt hatte sich in dieser Zeit niemand gekümmert, weshalb die Domain Anfang April auslief.

AfD-Kreisvorstand will ehemaligen Inhaber juristisch belangen

Der Kreisvorstand selbst wolle nun gegen Pieters juristisch vorgehen, berichtet die taz. Schließlich habe Pieters die Website an den kommissarischen Vorstand übergeben müssen, sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende Reiner Osbild. So sei die Homepage nun in die Hände des politischen Gegners gefallen. Pieters selbst will nichts von einem kommissarischen Vertreter gewusst haben.

Von einem Rückkauf der Domain ist derzeit noch keine Rede. Schneidegger will sie behalten – es sei denn, die AfD zahle dafür. Das Geld würde der derzeitige Besitzer dann der Amadeu-Antonio-Stiftung spenden, die sich gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzt. Aber das will die AfD noch nicht: „Wenn Ihr Freund sich jetzt von Ihnen trennen und Ihre Plattensammlung vor die Tür stellen würde, dann würden Sie sie doch auch nicht zurückkaufen wollen", sagte Osbild. Bis dahin bleibt es bei "Refugees Welcome".

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