2013 konnte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vorstellen, dass bis 2020 eine Million Elektroautos zugelassen werden. Irgendwann wäre auch ein Verbot des klassischen Elektromotors möglich. Auf ein genaues Datum wollte sich die Kanzlerin jedoch nicht festlegen lassen.

Doch wie sieht es tatsächlich aus in Sachen “Elektromobilität” in Deutschland, abseits der Wahlkampf-Floskeln? Was haben die Parteien im Wahlkampf 2013 versprochen? Welche Themen wurden letztlich umgesetzt?

Was sagten die Parteien im Bundestagswahlkampf 2013 zum Thema Elektromobilität

Anders als bei der kommenden Bundestagswahl wurde das Thema E-Mobilität im Wahlkampf 2013 nur am Rande erwähnt.

Der Preis eines Elektrofahrzeuges war vor vier Jahren deutlich höher als heute. Der Verbrennungsmotor war noch nicht in Verruf geraten, der Dieselskandal ließ noch zwei Jahre auf sich warten und hatte den Ruf deutscher Autobauer noch nicht angekratzt. Das Elektroauto wurde als Konzept der Zukunft gehandelt und nicht als kurzfristig realisierbare Alternative zum Benziner oder Diesel. Dementsprechend vage fielen auch die Wahlversprechen der Parteien aus.

SPD und CDU

Die SPD versprach steuerliche Vorteile für Firmen, die ihre Flotte um Elektrofahrzeuge erweitern oder auf solche umstellen. Taxi- und Speditionsunternehmen wären die größten Profiteure dieser Maßnahme gewesen. Auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur wollten die Sozialdemokraten fördern.

2013 setzte sich die CDU für indirekte Maßnahmen wie Kfz-Steuerbefreiungen und einen Nachteilsausgleich für Dienstwagen-Besteuerung ein. Insgesamt wollte die Union Deutschland zu einem Leitmarkt der Elektromobilität ausbauen und so die Grundlagen dafür schaffen, dass 2020 eine Millionen E-Autos auf deutschen Straßen rollen.

FDP und Linke

Die FDP lehnte direkte Subventionen und Zuschüsse ab. Sie sprach sich für ein Wechselkennzeichen für Elektroautos aus. Bürger, die ihr E-Auto nur als Zweitwagen nutzen, bräuchten keine weiteren Steuern und Abgaben zahlen und könnten das Kennzeichen des Hauptwagens verwenden.

Auch die Linke war gegen Subventionen für den Neukauf eines E-Autos, noch seien sie zu teuer, eine Anschaffung nicht realistisch. Stattdessen sollte die Akku-Forschung staatlich gefördert werden. Auch seien strengere CO2 -Richtlinen für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren wichtig.

Grüne und AFD

Die Grünen sprachen sich ebenfalls für striktere Grenzwerte aus. Darüber hinaus sollten E-Autos von der Kfz-Steuer befreit und deren Kauf subventioniert werden.

Die AfD lehnte Subventionen aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit ab. Vielmehr sollte die Forschung die Grundlagen für eine finanzierbare E-Mobilität schaffen.

Was hat sich in den letzten drei Jahren geändert? Was hat die Politik umgesetzt?

Elektroautos: Status Quo

  • Anfang 2017 waren circa 34.000 Elektroautos in Deutschland zugelassen, 2013 waren es nur 7.114.
  • Eine Verkaufssteigerung ist also bereits zu erkennen, doch soll die angestrebte Zahl der Bundesregierung von einer Million Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 verwirklicht werden, müssten pro Monat 30.000 neue E-Autos verkauft werden.

Eine der wichtigsten Änderung seit der letzten Bundestagswahl war die Einführung des Umweltbonus. Die Bundesregierung verspricht sich durch diese Subvention bessere Verkaufzahlen bei E-Fahrzeugen.

Die wichtigsten Fakten zum Umweltbonus

Was wird gefördert?

  • Elektroautos, Brennstoffzellenfahrzeuge und Plug-In Hybride.
  • Der Listenpreis darf 60.000 Euro nicht überschreiten.
  • Das Auto muss zu den förderfähigen Fahrzeugen gehören.
  • Tesla Modelle und viele andere Premium-Fahrzeuge werden nicht gefördert.

Wieviel Geld ist im Fördertopf?

  • 1,2 Milliarden Euro für circa 300.000 Fahrzeuge.

Wieviel Geld gibt es für den Autokauf?

Eine Hälfte des Zuschusses übernimmt der Bund, die andere der Hersteller. Daraus ergeben sich folgende Fördersummen:

  • Elektroauto: 4000 Euro
  • Brennstoffzellenfahrzeuge: 4000 Euro
  • Plug-In Hybrid: 3000 Euro

Welche anderen Voraussetzungen sind zu beachten?

  • Der Autokauf oder Leasingbeginn liegt nach dem 17. Mai 2016
  • Das Auto muss in Deutschland gekauft werden und mindestens sechs Monate hier angemeldet bleiben

Käufer neuer BMWs erhielten mit Abstand die meisten Förderungsbewilligungen. 6.000 Anträge wurden für Neuwagen des Bayerischen Traditionsunternehmens genehmigt. 3.700 Boni fallen auf Renault, 3.000 auf Audi. Volkswagen profitierte bisher selten von dem Zuschuss. Nur 2.400 Käufer eines Neuwagens aus Wolfsburg erhielten bis Juli 2017 den Umweltbonus.

Umweltbonus unbeliebter als erwartet

Insgesamt wurde die Förderung bis Juli 2017 jedoch lediglich 23.024 Mal in Anspruch genommen.

Bereits 2016 ließen die Grünen einen Verdacht für die seltene Inanspruchnahme der Prämie in einer Anfrage an die Bundesregierung verlauten.

Der Rabatt kommt bei den Kunden nicht an, Elektroautos wurden trotz der Zuschüsse nicht signifikant billiger. Der Grund: selten wird für ein Neuwagen der Listenpreis bezahlt, dieser ist nur Orientierungspunkt für Händler und Kaufinteressenten. Daneben gewährten die PKW-Hersteller bereits vor der Einführung des staatlichen Umweltbonus freiwillige Preisreduzierungen bei E- und Hybridautos.

Rechenbeispiel Nissan Leaf

Anfang 2016, vor der Einführung der staatlichen Prämien, konnte mit etwas Verhandlungsgeschick und in Kombination mit diversen Herstellerrabatten ein Verkaufspreis für den Nissan Leaf ausgehandelt werden, der 16,1 Prozent unter dem Listenpreis lag. Mit Einführung der Umweltprämie im Juli 2016 beendeten die Hersteller ihre anderen Rabattaktionen.

Wollte ein Kunde nun einen Nissan Leaf mit staatlicher Förderung erwerben, fiel die Differenz zum Listenpreis mit 16,6 Prozent nicht viel höher aus. Kurz gesagt: Der Umweltbonus reduziert den realen Verkaufspreis nur um 155 Euro, statt der angepriesenen 4.000 Euo.

Hilft der Umweltbonus der Natur?

Hauptgrund für den Umstieg auf E-Autos ist das Ziel, die CO-Emissionen zu reduzieren. Daher sollte sich eigentlich die aktuelle Förderlinie bereits positiv auf den Umweltschutz auswirken.

Doch laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen, könne selbst der Absatz von 300.000 Fahrzeugen keine Reduktion von Luftschadstoffen herbeiführen. Die Maßnahme sei vielmehr als Maßnahme für die Verkaufsförderung anzusehen mit dem Ziel einer hohen Marktdurchdringung.

Die Autos brauchen Strom: Der Stand der Ladeinfrastruktur

Kurz zur Tankstelle fahren, Super nachfüllen und in der Zwischenzeit ein Carazza essen, ist bei Elektroautos leider nicht möglich. Der E-Autofahrer braucht Geduld.

Zwar können Elektroautos auch Zuhause an der Steckdose geladen werden, doch wegen der geringen Stromstärke dauert der Ladevorgang dort sehr lange. Zum Vergleich: Ein Tesla Model S benötigt an einer normalen Schuko-Steckdose 25-40 Stunden für einen kompletten Ladezyklus. An den firmeneigenen „Superchargern“ ist der Akku bereits nach maximal 75 Minuten voll.

Sollen Straßenfahrzeuge in Zukunft mehrheitlich elektrisch betrieben werden, ist die großflächige Verfügbarkeit von Ladestationen essentiell.

Derzeit (Stand August 2017 ) stehen in Deutschland 7.179 Ladestationen mit 21.054 Anschlüssen zur Verfügung. 2013 waren es 2.821. Seit März läuft das Förderprogramm “Ladeinfrastruktur” des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Der Bund fördert die Errichtung 15.000 neuer Ladesäulen bis 2020 mit 300 Millionen.

Läuft der Aufbau der Stationen problemlos, könnten in Deutschland circa 66.000 E-Autos gleichzeitig an öffentlichen Ladepunkten aufgeladen werden. Anfang 2017 gab es in Deutschland rund 14.500 herkömmliche Tankstellen mit einer Vielzahl von Zapfsäulen.

Die KfZ-Steuer: Zehn Jahre steuerfrei

Seit dem 1.1.2017 gilt: Alle E-Autos sind zehn Jahre von der KfZ-Steuer befreit. Die Regelung gilt rückwirkend für Neuanmeldungen bis zum 1. Mai 2011.

Das versprechen die Parteien im Wahlkampf 2017.

Martin Schulz (SPD) fordert eine EU-weite Quote für E-Autos, die Grünen wollen bis 2020 sogar zwei Million E-Fahrzeuge auf den deutschen Straßen sehen.

Die Linke sieht in der Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, will aber zusätzlich auch die Entwicklung alternativer Antriebsarten fördern. Die AfD spricht dem Elektroauto ein langfristiges Fortbestehen ab; zu groß seien die Nachteile im Vergleich zu konventionellen Verbrennungsmotoren.

CDU-Chefin Merkel geht mittlerweile davon aus, dass die “Eine-Million-E-Auto”-Marke bis 2020 nicht mehr zu erreichen sei. Auch auf EU-Ebene geht die Merkel-Bundesregierung gegen die Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur vor. Sie setzte sich für eine Reduzierung der vorgesehen Pflicht-Ladestationen bei Neubauten ein. Grund sei eine mögliche Überlastung der Bauindustrie und ein res­sour­cen­scho­nender Umgang mit Bodenschätzen.

Fazit

Elektroautos werden Teil des Alltags, wobei ihre Relevanz für den Straßenverkehr bisher noch nicht so groß ist, wie es die große Medienpräsenz vermuten lässt.

Umgesetzt hat die große Koalition seit der letzten Wahl vor allem den Ausbau der Ladeinfrastruktur. In den letzten vier Jahren hat sich die Anzahl der Ladestationen mehr als verdoppelt, bis 2020 sollen insgesamt 15.000 neue öffentliche Ladestellen entsehen.

Eine weitere wichtige Neuerung ist die Einführung des Umweltbonus, dessen Rabat faktisch jedoch geringer ausfällt als von der Regierung beworben.

Ob die laufenden Förderprogramme sinnvoll die Verbreitung der E-Autos unterstützen, und ob die Parteien ihre Versprechen hinsichtlich der Elektromobilität einhalten werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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