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Chinas KP fühlt sich gestört: Milliardär wird auf Facebook gesperrt

Aus dem Exil in New York heraus stört der Milliardär Guo Wengui Chinas Führungsriege: Wohl deshalb wurde sein Facebook-Account nun gesperrt.

Guo Wengui lebt im Exil – in einem 68-Millionen-Dollar-Apartment.
Guo Wengui lebt im Exil – in einem 68-Millionen-Dollar-Apartment. Foto: @KwokMiles (Twitter)

Der im Exil in New York lebende Milliardär Guo Wengui ist den Führern der Kommunistischen Partei in China seit längerem ein Dorn im Auge. Mit Korruptionsvorwürfen, die er in den sozialen Medien verbreitet, ist er besonders in einem Parteitagsjahr wie diesem, in dem die Macht neu verteilt wird, ein störender Faktor. Wohl weil er auf Facebook besonders aktiv über Korruptionen innerhalb der Familie der chinesischen Parteiführungsriege berichtet, wurde er am Samstag von dem Netzwerk ausgeschlossen.

Facebook habe nach eigenen Angaben ein Profil unter Guos Namen sowie eine weitere mit ihm assoziierte Seite beobachtet und schließlich beide Accounts geblockt. Sie hätten zudem persönliche Informationen enthalten, die gegen Facebooks Datenschutzrichtlinien verstoßen hätten. Das teilte die New York Times am Sonntag mit. Demnach habe Charlene Chian, eine Sprecherin von Facebook, kommentiert, die Online-Plattform habe aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre gehandelt. „Wir wollen, dass sich Menschen frie auf Facebook bewegen und sicher fühlen können. Deshalb erlauben wir es nicht, dass persönliche Informationen anderer ohne deren Einverständnis veröffentlicht werden.“ Welcher User sich bei Facebook beschwert hatte, wollte sie laut New York Times nicht sagen.

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China: „Der Fall ist hochpolitisch“

Guo Wengui kommentierte den Vorfall bisher nicht. Ein Profil auf Facebook mit seinem Namen besteht nach wie vor, verifiziert ist es allerdings nicht. Erst Ende April 2017 hatte eine chinesische Zensurbehörde eine Mitteilung veröffentlicht, mit der Warnung, dass unauthorisierte Berichterstattung über Guo Wengui „ernste Konsequenzen“ haben werde. „Wir weisen noch einmal darauf hin: Der Fall Guo Wengui ist politisch hochsensibel“, so der Beginn der Mitteilung der Deutschen Welle zufolge.

Für die Beziehung zwischen Facebook und der chinesischen Regierung ist es ebenfalls eine hochpolitische Zeit. Mit fast 1,4 Milliarden Einwohnern ist das Land für viele ausländische Unternehmen interessant. Auch Facebooks Gründer und CEO Mark Zuckerberg arbeitet seit längerer Zeit auf eine Markteintrittsgenehmigung in China hin, mit großen Gesten den KP-Funktionären gegenüber. Er traf sich mit chinesischen Politikern, begann Mandarin zu lernen und, Berichten zufolge, sich mit der Propaganda der Kommunistischen Partei auseinanderzusetzen.

Chinas „Great Firewall“

Bisher müssen chinesische Bürger trotzdem noch auf Alternativen zu Facebook und anderen internationalen Social Media-Netzwerken zurückgreifen, wie Ren Ren und Weibo (eine Art Mischung aus Facebook und Twitter). Mit WhatsApp wurde im Juli 2017 ein weiterer, unerwünschter Messenger von der chinesischen Regierung zensiert. Mit dem Test einer Foto-Appversuchte Zuckerberg im August an der chinesischen Zensur – der „Great Firewall“, mit der auch VPN-Zugänge in China gesperrt werden – vorbeizukommen.

Guo lebt in New York in einem 68 Millionen US-Dollar teurem Apartment mit Blick auf den Central Park. Er hat lediglich ein Touristenvisum und hat in den Vereinigten Staaten Asyl beantragt, seinem Anwalt zufolge aufgrund seines Status als „politischer Gegener des chinesischen Regimes“.

Er ist nicht der einzige Dollar-Milliardär, der über die Vermögensverhältnisse einflussreicher Politiker in China Informationen besitzt. Ende Januar wurde beispielsweise der Milliardär Xiao Jianhua aus Hongkong heraus entführt und nach China verschleppt.

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