Pünktlich zur Bundestagswahl waren sie wieder ein Gesprächsthema in Deutschland: Glasfaserkabel. Schenkt man den Parlamentsparteien Glauben, so liegt die Zukunft der digitalen Infrastruktur Deutschlands im großflächigen Netzausbau. Vor allem Union, SPD und FPD wiesen darauf hin, dass es nötig sei, noch stärker zu investieren, um flächendeckend Datengeschwindigkeiten zu steigern.

Die große Koalition gab dazu im März dieses Jahres den Anstoß. Als „Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland“ initiierten das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Wirtschaftsverbund Netzallianz Deutschland eine Partnerschaft ein. 100 Milliarden Euro sollen insgesamt investiert werden, um bis 2018 alle deutschen Haushalte mit Anschlüssen von mindestens 50 Megabit zu versorgen – bis 2025 soll dann flächendeckend ein Gigabit erreicht werden.

Offensive vorerst erfolgreich

Große Pläne sind das und man darf gespannt sind, in welchem Umfang sie auch umgesetzt werden. Die Initiative der letzten Bundesregierung scheint in jedem Fall vorerst zu fruchten. Im ersten Halbjahr 2017 konnten über eine Million Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt werden. Insgesamt gab es Ende Juni 2017 8,2 Millionen Glasfaseranschlüsse im Land.

Vodafone hat angekündigt in den nächsten vier Jahren 13,7 Millionen neue Gigabit-Anschlüsse zu schaffen – das ist rund ein Drittel aller deutschen Haushalte. Das Unternehmen rechnet dafür mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro.

Doch Kritik trübt die auf den ersten Blick so positive Bilanz. Entgegen des Trends zur Glasfaser und trotz der bekannten Einschränkungen dieser Methode, hält Deutschlands größter Netzbetreiber, die Telekom, am Kupferkabel als Rückgrat für ihr Datennetz fest. Zu kostspielig und zu zeitaufwändig sei es, alle Netzkabel auszutauschen, stattdessen will die Telekom die Geschwindigkeitsvorgaben der Bundesregierung mittels Vectoring erreichen. Dabei werden die vorhandenen Kupferkabel optimiert, was höhere Übertragungsraten ermöglicht.

Tatsächlich ist die Vectoring-Methode um einiges billiger, als das Verlegen neuer Glasfaserleitungen, auf der anderen Seite erscheint das Vectoring kurzsichtig, denn trotz aller Optimierung sind der Übertragungsfähigkeit von Kupferkabeln physikalische Grenzen gesetzt. Das mittelfristige Ziel „Gigabit-Deutschland“ ist mittels Vectoring eigentlich nicht zu erreichen.

Wundermaterial Glasfaser

Der Umstieg auf Glasfaser erscheint alternativlos, vor allem in Erwartung noch höheren Datenaufkommens in den kommenden Jahren. Wie wir von einer vernetzten Zukunft profitieren können, hängt zu großen Teilen davon ab, wie schnell die zu erwartenden Datenmengen übertragen werden können.

In dieser Hinsicht ist die elektrische Datenübertragung via Kupferkabel gegenüber der optischen Datenübertragung via Glasfaser klar im Nachteil. Zudem ist das übertragene Signal bei Glasfaserleitungen unempfindlich gegenüber elektrischen und magnetischen Störfeldern. Die optische Datenübertragung ist, im Gegensatz zur elektrischen, zudem abhörsicher. In der digitalen Gegenwart und Zukunft gelten die Lichtwellenleiter, wie sie eigentlich heißen, deshalb als Allheilmittel.

Eine einfache Gleichung

Die Politik und die Netzbetreiber sind gefordert, denn die Gleichung ist im Prinzip ganz einfach: ohne flächendeckendes Glasfasernetz wird die Zukunft weniger vernetzt sein, als wir uns das im Moment ausmalen. Ohne Glasfaser wird sich hierzulande weder die Industrie 4.0 etablieren können, noch werden unsere Groß- und Kleinstädte so smart, wie es die Idee der Smart City vorsieht.

Die vernetzten Fabriken und Stadtteile, die Daten sammeln, austauschen und sich aufeinander abstimmen, brauchen geeignete Leitungen, um voll zur Geltung zu kommen. Riesige Datenmengen kommen auf uns zu, die im besten Fall mit noch größerer Geschwindigkeit und noch niedrigerer Latenz abgewickelt werden wollen, als wir es heute gewohnt sind. Es ist zu vermuten, dass die technischen Standards in diesem Bereich in den nächsten Jahren immer weiter steigen.

Deutschland liegt im Europa-Ranking der Haushalte mit Glasfaseranschluss weit zurück. Vor allem in ländlichen Regionen rechnet sich der Ausbau der Netze für Unternehmen kaum – dort sitzt allerdings ein Großteil der deutschen Unternehmen, der auf die steigenden Datenmengen reagieren muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die vernetzte Zukunft Deutschlands liegt deshalb in den Händen lokaler Initiativen, die in vielen hunderten kleinen Projekten den Netzausbau vorantreiben. Anbieter wie Gelsen-net in Gelsenkirchen, M-Net in München, htp im Großraum Hannover oder inexio in Saarbrücken zählen da ebenso hinzu, wie Zusammenschlüsse auf kommunaler Ebene, die jene Löcher stopfen, die die Großunternehmen zurücklassen.

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