Auf seinen Verdacht hin überprüfte ein Zeit Online-Reporter die Softwaresysteme und Nutzungsweisen in vielen deutschen Kommunalämtern auf deren Sicherheitsstandards. Dabei schaffte er es unter anderem, sich Zugang zu geheimen Dokumenten der Kreisstadt Rheinstetten zu verschaffen, und sich in den Account der Bundeswirtschaftsministerin und Stadtverordneten in Darmstadt Brigitte Zypries zu hacken. Auch in der Verwaltung des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg fand der Reporter Mängel – ein Mitarbeiter dort sagte ihm, der Fokus läge auf dem Datenschutz, nicht aber auf der Datensicherheit.

Das Zusammenspiel von Fahrlässigkeit und schlechter Software ist fatal

Die Missstände betreffen sowohl Dörfer als auch Großstädte. Manche Fehler entstünden zwar durch menschliches Versagen, dies zeige unterm Strich aber ebenfalls, dass die Programme Sicherheitslücken aufweisen. Der Reporter hat bei allen Herstellern von kommunalen Verwaltungsprogrammen, die er testete, Fehler gefunden. Zudem entdeckten die Ämter oft wochen- oder sogar monatelang nicht, dass sie gehackt worden waren. Ein Problem sei, dass Software teuer ist, sich jedoch rasant weiterentwickle – Updates sind also dringend notwendig, um die Qualität zu gewährleisten.

Neuschreiben der Softwares wäre sicherste Maßnahme

Der Reporter fordert: „Wir brauchen dringend junge Programmierer, die die Tücken und Besonderheiten des Webs beherrschen.“ Nach seiner Einschätzung könnten nämlich sogar Hobby-Hacker die Programme entern. Ein Problem sei auch, dass deutschlandweit der Markt für kommunale Verwaltungsprogramme aus nur einer Handvoll Unternehmen bestünde. Bei ihnen allen habe der IT-Experte Sicherheitslücken gefunden. Er sieht in einem Neuschreiben der Software die beste Chance auf Verbesserung. Die für seinen Test gehackten Ämter und Unternehmen wurden informiert und wollen ihre Software und Nutzungsweisen verbessern.

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