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„Weißes Rauschen“-Video auf YouTube soll Urheberrechtsverletzungen enthalten

Das „Content ID“-System von YouTube zeigte bei dem Video fünf angebliche Urheberrechtsverletzungen an. Die Urheber wollen nun Geld sehen, der Macher des Videos weigert sich.

Die Website YouTube ist auf einem Computer geöffnet.
Der Forscher wollte mit dem YouTube-Video die Auswirkungen von "weißem Rauschen" auf die Psyche untersuchen. Foto: Pexels (Symbolbild)

Der Musik-Technologie-Spezialist und Professor Sebastian Tomaczak aus Australien hat auf YouTube (bereits im Jahr 2015) ein zehnstündiges Video mit nichts als „weißem Rauschen“ hochgeladen. Gegenüber TorrentFreak beschreibt er ganz genau, mit welcher Software er das Rauschen aufgenommen hatte (es war Audacity und dessen Noise-Filter).

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Weißes Rauschen wird in den Ingenieur- und Naturwissenschaften häufig verwendet, um Störungen in einem sonst idealen Modell abzubilden. Tomaczak wollte damit einfach nur erforschen, wie sich das Rauschen auf die Psyche auswirkt, wenn es permanent im Hintergrund da ist, etwa beim Schlafen oder Essen.

YouTube-Software „Content ID“ irrte sich schon zuvor

Nun hat der Musik-Experte allerdings auf YouTube insgesamt fünf Warnungen von YouTube bekommen, dass sein Werk Urheberrechtsverletzungen beinhalten soll. Dafür verantwortlich ist YouTubes System „Content ID“, das sich schon öfters geirrt hat, wenn es um Urheberrechtsverletzungen geht.

So wurde auf YouTube im Jahr 2015 etwa ein Video gesperrt, das nichts außer Katzenschnurren enthalten hatte. Das Content-ID-System, das YouTube zur Überprüfung von Urheberrechtsverletzungen einsetzt, hat offenbar einen Fehler gemacht und hielt das Katzenschnurren für einen Teil des Songs „Focus“, der auf EMI erschienen ist.

Urheber wollen Geld für YouTube-Video

Die fünfte Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzungen traf nun Anfang des Jahres ein. Normalerweise würde das Video mit dem „Weißen Rauschen“ in so einem Fall von YouTube offline genommen werden, aber im Fall von Tomaczak haben sich alle fünf (vermeintlichen) Urheber dafür entschieden, das Werk stattdessen zu monetarisieren – also dafür Geld zu kassieren, dass ihr „weißes Rauschen“ angeblich verwendet worden war. Das funktioniert ebenfalls über das Content-ID-System.

Tomaczak, der selbst einen Musik-Blog betreibt, sagte gegenüber TorrentFreak, dass er nicht zum ersten Mal von falschen Urheberrechtsverletzungsforderungen auf YouTube betroffen sei. Dass jetzt andere mit seiner Arbeit Geld kassieren sollen, will er nämlich nicht hinnehmen. „In jeden Fall kann ich beweisen, dass ich die Arbeit selbst gemacht habe. Ich habe das Original-Material meiner Arbeiten oder kann Komponenten herzeigen, die die Originalität beinhalten. Ich hoffe, dass das auch in diesem Fall erfolgreich sein wird.“

Software wie „Content ID“ wird von EU als Allzwecklösung diskutiert

Es ist seit längerem bekannt, dass Filtersysteme wie „Content ID“ nicht immer treffsicher sind und es immer wieder zu ungerechtfertigten Urheberrechtsverletzungsansprüchen kommt. Dennoch werden derartige Systeme derzeit auf EU-Ebene unter dem Schlagwort „Upload-Filter“ als Allheilmittel für Urheberrechtsverletzungen diskutiert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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