Netzpolitik 

Kalter Krieg 2.0: NSA nutzt Twitter als modernes Spionage-Tool

Die NSA schient die alten Spionage-Methoden 1:1 in das digitale Zeitalter übertragen zu haben.
Die NSA schient die alten Spionage-Methoden 1:1 in das digitale Zeitalter übertragen zu haben.
Foto: imago
Um gestohlene Software zurück zu kaufen, hat der US-Auslandsgeheimdienst laut mehreren Berichten via kodierter Twitter-Nachrichten mit einem Spion kommuniziert.

Die NSA nutzte ihren offiziellen Twitter-Account, um mit einem angeblichen russischen Spion zu kommunizieren. Das berichten New York Times und The Intercept übereinstimmend. Demnach habe man mehrmals öffentliche Tweets abgesetzt, deren Inhalt und Veröffentlichungszeitpunkt vorab vereinbart wurden. Wurde der Tweet veröffentlicht, wusste der Gesprächspartner, dass ein Treffen stattfinden soll oder dass man die Kommunikation aufrecht erhalten will.

Russischer Spion, der gestohlene Software zum Verkauf anbot

Die ungewöhnlich öffentliche Unterhaltung fand mit einem möglichen russischen Spion statt, der angeblich im Besitz von Software für Cyberangriffe war, die man NSA und CIA gestohlen hatte. Dieses wurde laut New York Times über ein undurchsichtiges Netzwerk namens „Shadow Broker“ („Schatten-Makler“) angeboten. Zu seiner Person schrieb die Zeitung nur, er habe Kontakte zu Cyber-Kriminellen und dem russischen Geheimdienst.

Erste Geldübergabe in Berlin

Über Mittelsmänner sei die CIA auf das Angebot aufmerksam geworden, hieß es in dem Bericht weiter. Während eines guten Teils des vergangenen Jahres habe sich der Geheimdienst dann bemüht, an die Daten zu gelangen. Der Russe forderte für diese dem Bericht zufolge zunächst zehn Millionen und schließlich eine Million Dollar. Als Beweis für seine Glaubwürdigkeit habe er einen Teil seines Materials an die CIA übergeben und dafür 100.000 Dollar erhalten. Das Geld sei in bar in einem Koffer übergeben worden, der in einem Hotelzimmer in Berlin abgestellt worden sei.

CIA unzufrieden mit erhaltenen Informationen

Zufrieden war die CIA mit den Hacker-Daten offenbar nicht, wirklich Geheimes habe der Mann nicht anbieten können, berichtete die Zeitung weiter. Auch die Informationen zu Trump waren demnach entweder bereits bekannt oder zweifelhaft. Die Zusammenarbeit sei im vergangenen Monat beendet und der Russe aufgefordert worden, Westeuropa zu verlassen. Laut „The Intercept“ kam es über den Umgang mit den Angeboten innerhalb der CIA zu Differenzen.

CIA will von nichts wissen und schwärzt Journalisten an

Die CIA dementiert die Berichte jedoch als „offenkundig falsch“. Es sei eine „fiktionale Geschichte“, dass die CIA um 100.000 Dollar betrogen worden sei, erklärte der Geheimdienst gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Die Menschen, die angeschwindelt wurden, waren James Risen und Matt Rosenberg“, hieß es in der Stellungnahme im Hinblick auf die Autoren der betreffenden Artikel in „The Intercept“ und „NYT“, die am Freitag erschienen waren. Derartige Stellungnahmen zu Medienberichten gibt die CIA nur sehr selten ab.

US-Abgeordnete zweifeln Dementi der CIA an

Die „New York Times“ berief sich bei ihrem Bericht auf den Russen selbst sowie Vertreter von Geheimdiensten in den USA und Europa. Das Dementi der CIA überzeugte nicht alle. „James Risen hat den Pulitzer-Preis gewonnen“, hob der demokratische US-Abgeordete Ted Lieu auf Twitter mit Blick auf den „Intercept“-Artikel hervor. Der Bericht lege nahe, dass CIA-Chef Mike Pompeo „Angst“ habe, von Russen kompromittierendes Material über Trump zu erhalten.

Twitter stellt ungewöhnlich öffentliche Wahl für Spionage-Kommunikation dar

Öffentliche Nachrichten zwischen Geheimdiensten und Spionen sind nichts Ungewöhnliches, wohl aber die Wahl von Twitter als Plattform. Mithilfe von Steganographie versteckten russische Spione offenbar bereits 2005 Nachrichten in öffentlichen Beiträgen auf Webseiten. Das Terror-Netzwerk Al Kaida versteckte zudem mit einer ähnlichen Methode Nachrichten in pornografischen Fotos, über eBay-Angebote sowie Reddit-Postings.

Rolle Russlands im US-Wahlkampf weiterhin in Untersuchung

Die Rolle Russlands im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 untersucht derzeit Sonderermittler Robert Mueller. Er prüft, ob es illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung gab und ob Trump später als Präsident versuchte, die Ermittlungen des FBI zu den Russland-Kontakten zu behindern.

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