Netzpolitik 

Neue GroKo will Vectoring nicht mehr fördern

Vectoring soll in der Theorie Highspeed-Intenret per Kupferkabel ermöglichen, doch nicht immer kann die Technologie verwendet werden.
Vectoring soll in der Theorie Highspeed-Intenret per Kupferkabel ermöglichen, doch nicht immer kann die Technologie verwendet werden.
Foto: Stefan Müller
Die Telekom möchte mit Vectoring bei alten Hausanschlüssen schnelle Internet-Verbindungsgeschwindigkeiten ermöglichen. Jetzt kündigte die neue Große Koalition das Ende der Förderung der Technologie an, da in man in Zukunft nur noch den Glasfaserausbau mit staatlichen Mitteln unterstützen wolle.

Deutschland und Digitalisierung: zwei Begriffe, die bisher noch nicht wirklich zusammenpassen. Besonders die derzeitige Diskussion über ein mögliches Digital-Ministerium verdeutlicht, dass wir Deutschland noch ganz am Anfang der digitalen Umwälzung steht.

Vor allem der Ausbau von schnellen Internetzugängen geht bei uns langsam voran. Das ergibt sich auch aus dem Tätigkeitsbericht Telekommunikation der Bundesnetzagentur 2016/2017. Bisher besitzen nur 2 Prozent aller Haushalte einen Glasfaseranschluss, 2017 lag die durchschnittliche Geschwindigkeit aller Internetanschlüsse in Deutschland bei 15,3 Mbits. Zu langsam, um datenintensive Zukunftstechnologien sinnvoll umzusetzen. Übrigens weiterhin stark benachteiligt ist der ländliche Raum, wo lediglich 36 Prozent der Haushalte auf Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s zurückgreifen können.

Eine Lösung für dieses Problem, die auch ohne aufwendige Neuverlegungen von Leitungen umgesetzt werden kann, stellt das Vectoring dar.

Vectoring: Schnelles Internet per Kupferkabel

Die meisten Haushalte in Deutschland sind derzeit per Kupferkabel mit einem Zugangspunkt ihres Internetproviders verbunden. Doch die metallischen Leiter haben zwei Schwachstellen. Je größer die Entfernung zwischen Telefonanschluss in Haus oder Wohnung des Nutzers und der Verteilstelle des Netzbetreibers ist, desto stärker wirkt die Leitungsdämpfung in der Kupferverbindung und desto stärker nimmt die erreichbare Übertragungsrate ab. Diese Entfernung wird übrigens als Teilnehmeranschlussleitung (TAL) oder auch Letzte Meile genannt.

Üblicherweise werden zudem immer hunderte Kupferadern in einem Kabel gebündelt, was jedoch dazu führt, dass sich die Drähte bei der Datenübertragung gegenseitig stören. Je mehr Adern in einem Strang gebündelt werden, desto größer wird das Störpotential. Dieses Phänomen wird Übersprechen genannt.

Genau hier setzt Vectoring an. Durch eine intelligente Signalsteuerung wird versucht, die Übersprechungen so gering wie möglich zu halten, indem die verwendeten Frequenzen, die durch die einzelnen Adern geschickt werden, individuell angepasst werden.

Konzept für die Zukunft oder Brückentechnologie?

Damit diese Anpassung jedoch möglich ist, muss ein Internetanbieter die Kontrolle über das gesamte Hauptkabel haben, Mitbewerber werden dadurch aus der Leitung ausgeschlossen und können ihre Dienste nicht mehr anbieten.

Da vor allem die Telekom Vectoring anbietet, wird häufig kritisiert, dass das Unternehmen auf diese Weise seine Monopolstellung ausbauen möchte. Die Wettbewerber müssen zunehmend ihr Equipment in den Verteilerstellen abbauen, weil sie bei mit Vectoring ausgestatteten Standorten den Zugriff auf die letzte Meile verlieren.

Zudem sind die Möglichkeiten des Vectoring begrenzt: Oft kann die Internetgeschwinigkeit dadurch höchstens verdoppelt werden, auch ein neuer Router ist nötig, möchte man die schnellen Leitung nutzen. Ist ein Haushalt zu weit von einer Verbindungsstelle entfernt, kann auch Vectoring keine hohen Internetzugänge garantieren. Die einzige Alternative ist dort die Verlegung von Glasfaserkabeln – doch das kostet.

Fazit: Vecotring als Brückentechnologie

Vectoring kann nur in wenigen Szenarien wirklichen Nutzen bringen. Ob der Ansatz mehr ist als eine Brückentechnologie, wird sich zeigen, sobald erste Erfahrungen des neuen "Super-Vectoring" der Telekom vorliegen. Doch eines ist jetzt schon sicher: Ein wirklicher Ersatz für ein hinreichend ausgebautes Glasfasernetz ist Vectoring auch in Zukunft nicht.

Update: Große Koalition will Vectoring nicht fördern

2014 verkündete Angela Merkel, dass bis 2018 jeder Haushalt in Deutschland mit mindestens 50 MBit pro Sekunde an das Internet angeschlossen werden sollte. Ermöglicht wollte man dieses Ziel unter anderem auch durch die Förderung der Vectoring-Technik mit staatlichen Mitteln.

Da da der flächendeckende High-Speed-Internetausbau längst noch nicht abgeschlossen ist, verabschiedet sich die neue Große Koalition gezwungener Maßen von der Strategie. Im Gespräch mit heute.de ließ der designierte Kanzleramtchef Helge Braun (CDU) verlauten, dass demnächst nur noch zukunftsfähige Technologien gefördert werden sollen: "Wir fördern in Zukunft nur noch Glasfaser. Die Sorge, dass wir Kupferkabel fördern, dass wir Vectoring finanzieren mit staatlichen Mitteln - das tun wir nicht."

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