Es ist kein Leichtes, Skeptiker von neuen Erkenntnissen der Wissenschaft zu überzeugen. Nichtsdestotrotz ist es eben das, was Jerry Taylor und sein Team sich zur Aufgabe gemacht haben. MIT Technology Review berichtet, wie sie es bewerkstelligen wollen, Kritikern des Klimawandels dessen Existenz und Auswirkungen näher zu bringen.

Vom Klimawandel-Leugner zum Verfechter

Taylor selbst war lange Zeit ein starker Vertreter der Theorie, es gäbe den Klimawandel nicht und machte das nicht zu einem Geheimnis – im Gegenteil. Er forschte und argumentierte öffentlich gegen die menschlichen Auswirkungen auf potentielle Veränderungen im Klima. Wie viele andere ließ jedoch auch er sich letzten Endes von der Realität und deren Gefahr für das Überleben der Menschheit überzeugen.

Mit der Hilfe seiner Kollegen im 2014 von ihm gegründeten Niskanen Centers versucht Taylor seit dem, Abgeordnete sowie deren Personal von einer klimafreundlicheren Politik zu überzeugen. Einen wesentlichen Bestandteil dieser Politik macht unter anderem die aggressive CO2-Steuer aus, die das Team fordert.

Umstieg statt Erweiterung

Die Mitarbeiter des Niskanen Centers sowie anderer Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, sind der Meinung, dass es dramatische Änderungen braucht, um die notwendigen Klima-Ziele rechtzeitig zu erreichen. Unter der aktuell vorherrschenden Politik, so die Wissenschaftler, würde niemals genügend saubere Energie produziert, um sich von fossilen Rohstoffen unabhängig zu machen.

Und eben hier kommt die Wissenschaft der Überzeugung ins Spiel. Sie soll den Verfechtern des Klimawandels nämlich in Form von Fachliteratur und Beratern zur Seite stehen, um sich nicht nur in der Welt der Politik zurechtzufinden, sondern diese auch tatsächlich für sich zu gewinnen.

An wen man sich richten muss

Es ist schwierig, sich an die Masse zu wenden. Sie hat meist schon eine festgelegte Meinung sowie bereits gebildete Fronten. Auch ist es trotz der Demokratie, in der wir heute leben, wie auch die Adressaten in den USA, meist der Fall, dass nicht die Masse über die Politik bestimmt, sondern umgekehrt. Es sind Politiker, Parteien und Organisationen, mit denen sich die Masse identifiziert.

Auch Dan Kahan, Professor für Recht und Psychologie an der Yale Universität, der sich eindringlich mit der Thematik des Klimawandels in der Politik auseinandergesetzt hat, gibt zu bedenken: „Positionen zum Klimawandel symbolisieren mittlerweile auf wessen Seite man sich in einem kulturellen Konflikt abseits der Wissenschaft gestellt hat.“

———-

Das könnte ebenfalls interessant sein:

———-

Dass es vor allem aus solchen Gründen das Ziel der Verfechter sein muss, sich an die kritische Elite zu wenden, gibt Megan Mullin, außerordentliche Professorin für Umweltpolitik an der Duke Universität, zu verstehen. Denn wenn die Elite überzeugt ist und dies auch auf einer konstanten Basis kundtut, kann sich auch die versteifte Meinung der Massen erweichen und schließlich ändern lassen. Jedoch warnt Mullin weiter, dass jene, die man zu überzeugen hat, in der Regel auch die stursten Verfechter ihrer Meinung sind.

Politisches wird entpolitisiert

Taylor gibt zu bedenken, dass es niemand mag, dumm genannt zu werden, oder dem Vorwurf gegenüber zu stehen, ein Lakai der Unternehmensinteressen zu sein. Aus diesem Grund versuchen er und sein Team, ihre Argumente auf jeden Kritiker anzupassen, den es zu überzeugen gilt.

So wollen sie vermeiden, dass sich die Politiker angegriffen oder in die Ecke gedrängt fühlen und versuchen stattdessen, ihnen auf derselben Ebene zu begegnen. Es gilt also das Produkt – in diesem Fall den Klimawandel – so zu verkaufen, dass es sich mit den Interessen und der Ideologie der jeweiligen Person vereinbaren lässt. Mehr noch stimmen die Interessen in der Argumentationsweise sogar so stark mit den Interessen der Verfechter überein, dass Kritiker gar keine andere Wahl haben, da sie mit einer abwehrenden Reaktion zugleich ihrer eigenen Ideologie den Rücken kehren würden.

In der Ruhe liegt die Kraft

Hin und wieder sind kleinere Schritte nötig, um das große Ziel zu erreichen. Vor allem unter der Fuchtel des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, könnten Politiker sich schnell das Genick brechen, wenn sie zu aggressiven Politiken zustimmen, die sich offensichtlich gegen den Klimawandel richten. Daher müssen Regulierungen, Steuern und ähnliches eben dieser Gegebenheit angepasst werden, damit man die entsprechenden Leute auf seine Seite ziehen kann.

Ein Geben und Nehmen

Ein weiterer Weg, seine Kritiker zu überzeugen, ist es, gemeinsame Interessen zu finden. Dabei geht es nicht darum, sich beispielsweise über das schöne Wetter zum Autofahren zu unterhalten, sondern vielmehr über grundlegende Regelungen oder Regulierungen, von denen entweder beide Seiten profitieren, oder mit denen zumindest beide einverstanden sind. Es geht also darum, sich auf halbem Wege entgegenzukommen.

Taylor gesteht ein, dass nicht alle Verhandlungen bisher Früchte getragen haben. Bei einigen Kritikern trifft man schlichtweg auf taube Ohren. Dennoch gibt er an, das Niskanen Center habe bereits einige republikanische Politiker für sich gewinnen können, wenngleich er die Namen noch nicht öffentlich nennen kann.

Neueste Videos auf futurezone.de