Netzpolitik 

3D-gedruckte Waffen von Justiz untersagt: Selbst den USA ist das zu viel

Waffen aus dem 3D-Drucker sind vorerst in den USA restriktiert.
Waffen aus dem 3D-Drucker sind vorerst in den USA restriktiert.
Foto: Robert MacPherson/AFP/Getty Images
Auch die waffenliebenden USA haben ihre Grenze. Der öffentliche Zugang zu Bauplänen für tödliche Schusswaffen aus dem 3D-Drucker ist vorerst landesweit verboten worden.

Seit dem 1. August sollte es möglich sein, in den USA Baupläne für Waffen wie AR-15 und Berettas, die sich per 3D-Drucker erstellen lassen, aus dem Netz herunterzuladen. Nachdem acht Bundesstaaten dagegen geklagt hatten, wurde nun ein zwar nur temporäres, aber dafür landesweites Unterlassungsgebot erlassen.

Erste Links für 3D-Waffen-Baupläne bereits online

Bereits am Montagnachmittag wurde die Klage eingereicht, um den öffentlichen Zugriff auf Downloads von 3D-gedruckten Waffen zu unterbinden. Am Dienstag bewilligte ein Richter in Seattle das Anliegen. Der richterliche Erlass könnte allerdings zu spät gekommen sein, da die Dateien zum Herunterladen anscheinend bereits einige Tage früher als erlaubt online gewesen sein sollen. Mittlerweile wurden sie aber entfernt, so CNET.

Geklagt hatten die acht Bundesstaaten Massachusetts, Connecticut, New Jersey, Pennsylvania, Oregon, Maryland, New York und der District of Columbia. Problematisch ist vor allem, dass Waffen solcher Art nicht registriert und sehr schwer auffindbar sind, selbst mit Metalldetektoren. Sie sind verfügbar für jeden, unabhängig von Alter, geistigem Zustand oder krimineller Vergangenheit, hieß es von Seiten des Staatsanwaltes General Bob Ferguson.

US-Präsident Donald Trump reagierte am Dienstag mit eher verwirrenden Aussagen auf Twitter. So habe er bezüglich des Verkaufs von 3D-gedruckten Plastikwaffen bereits mit der NRA, der amerikanischen Waffenlobby, gesprochen.

Waffen-Enthusiast Cody Wilson ist Urheber der Kontroverse

Der US-Amerikaner und Waffennarr Cody Wilson hatte sich vor kurzem gegen die US-Justiz duchsetzen können. Über einen Vergleich erstritt er die Sonderlizenz, Pläne von Waffen und Waffenteilen auf seiner Plattform, einer Art umfangreicher Waffen-Enzyklopädie, anbieten zu dürfen. Dort finden sich Baupläne für Waffen wie AR-15 und Berettas, die sich mithilfe von 3D-Druckern erstellen lassen.

Waffen aus dem 3D-Drucker verstießen nur gegen Exportrichtlinien

Wilson sorgte vor fünf Jahren dafür, dass 3D-Drucker nicht mehr als Nerd-Spielzeug gesehen wurden, sondern als Maschine zur Herstellung illegaler Waffen. Seine einschüssige Pistole aus dem 3D-Drucker, die er Liberator nannte, wurde zum Symbol für die tödliche Gefahr aus dem Extruder.

Nachdem Wilson Videos veröffentlichte, in denen er die Liberator erfolgreich abfeuerte, ohne sich dabei die Hand wegzusprengen, schritt die US-Justiz ein. Nicht etwa wegen illegalen Waffenbesitzes – denn in vielen US-Bundesstaaten müssen selbstgebaute Waffen nicht registriert werden. Sie warfen ihm vor, gegen ITAR zu verstoßen, die US-Richtlinien für den Export von Waffen und Rüstungsgütern.

Waffe aus dem 3D-Drucker feuert ab, ohne wegzusprengen

Sie begründeten das damit, dass er auf seiner Plattform Defcad.com die 3D-Druck-Pläne für die Liberator und andere Waffenteile zur Verfügung stellte. Wenn jemand außerhalb der USA die Datei herunterlädt, wäre das so, als würde Wilson eine Waffe ohne Genehmigung exportieren, so der Vorwurf. Die über 100.000 Downloads für die Pläne, die in den Tagen nach der Veröffentlichung des YouTube-Videos zustande gekommen waren, stammten aus aller Welt.

Er darf Waffenpläne weiter teilen

Wilson ließ sich auf den Rechtsstreit ein. 2015 begann er den Fall gegen die US-Regierung zu führen. Laut ihm verstoße das Verbot der Veröffentlichung der 3D-Pläne gegen das verfassungsmäßige Recht auf freie Meinungsäußerung, sowie das Recht auf das freie Teilen von Informationen.

Wie Wired berichtete, hatte Wilson damit Erfolg. Das US-Justizministerium bot ihm einen Vergleich an, den er angenommen hat. Außerdem ist ihm versprochen worden, dass ITAR reformiert wird. Zukünftig solle das Handelsministerium die Herrschaft über ITAR haben und werde nicht versuchen, technischen Daten und Pläne von Waffen zu regulieren, die im Internet veröffentlicht werden.

Ein Sieg für die Waffen-Community

Wilson feiert diesen Erfolg als Sieg für seine gesamte Bewegung und die Waffen-Community. Tatsächlich machen sich aber derzeit alle anderen strafbar, die in den USA Pläne für Waffen aus dem 3D-Drucker anbieten, weil sie eben keine Sonderlizenz haben. Dass diese jetzt angezeigt werden, ist unwahrscheinlich.

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Denn hätte das US-Justizministerium damit gerechnet, den Prozess gegen Wilson zu gewinnen, hätten sie ihm nicht den Vergleich angeboten. Ein Sieg von Wilson wäre ein Präzedenzfall geworden und zukünftige Klagen gegen Anbieter von Waffen-3D-Plänen wären aussichtslos, solange die Pläne kostenlos angeboten würden.

Einfach selbst die Waffe basteln

Mittlerweile werden nicht nur Pläne für einschüssige Pistolen, sondern auch für Revolver, Gewehre und halbautomatische Waffen für 3D-Drucker und CNC-Fräsen angeboten. Das große Problem ist aber nicht, dass diese „Plastikwaffen“ unbemerkt durch einen Metallscanner kommen, sondern dass Gehäuse ausgedruckt werden. In den USA gilt nämlich lediglich das Gehäuse als meldepflichtig, alle anderen Waffenteile sind frei erhältlich.

Das heißt jemand, der sich einen AR15-Lower-Receiver ausdruckt, kann Lauf, Verschluss und die fehlenden Kleinteile einfach im Internet bestellen und sich so ein voll funktionsfähiges halbautomatisches Gewehr zusammenbauen.

Wilson hat diese Gesetzeslage mit seiner eigenen Firma Defense Distributed kommerzialisiert und so unter anderem seinen Prozess finanziert. Das Unternehmen stellt computergesteuerte Mini-CNC-Fräsen her (1.675 US-Dollar), mit denen Teilrohlinge von Gehäusen für Gewehre und Pistolen vervollständigt werden können. Gut 6.000 Stück davon sollen schon verkauft worden sein.

Defense Distributed – die Firma des 3D-Waffenbastlers


Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.at.

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