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Wacht auf! Darum sind Cyber-Angriffe so gefährlich

Die Angst vor Drohnenkämpfen, Atombomben und biologischen Waffen wächst. Vielen Leute ist nicht bewusst, dass sie den Gefahren von Cyber-Kriminalität bereits schutzlos ausgesetzt sind.

Sicherheit zum Anklicken
Sicherheit vor Cyberkriminalität ist für alle wichtig – Leider wird nicht offen über die Gefahren diskutiert. Ein ausreichender Schutz fehlt bisher. Foto: pixabay.com

Sonnencreme ist kein ausreichender Schutz vor UV-Strahlen. Genauso garantiert ein gewöhnliches Anti-Viren-Programm keine vollständige Sicherheit im Falle von Cyber-Angriffen. Das betrifft nicht nur unseren persönlichen Alltag im Web, sondern auch technische Ausrüstung im öffentlichen Sektor. Schutzmaßnahmen vor Kriminalität im Internet erhalten nur langsam Einzug in die politische Debatte. Nun hat die Bundesregierung endlich die Gründung einer Agentur für Cybersicherheit beschlossen. Von konkreter Problembekämpfung erfahren die Bürger derweilen nichts.

Wir sind nicht ausreichend vor Cyberangriffen geschützt

Digital- und netzpolitische Themen werden auf der Agenda des Bundeskabinett regelmäßig nach hinten verschoben. Haben unsere politischen Akteure etwa Angst, sich solch komplexen Herausforderungen zu stellen? Immerhin haben wir noch nie selbst erfahren, wie ein Staat an einem Cyberkrieg zugrunde geht. Glücklicherweise nimmt das Bewusstsein zu, dass Staat und Bürger vor den akuten Gefahren des Internets geschützt werden müssen.

Die Gefahren von Cyberkriminalität sind präsent

Erst im vergangenen Jahr sorgte die WannaCry-Ransomware für weltweites Chaos. Die Erpressungssoftware setzte im Mai 2017 mehr als 200.000 Computer in 150 Ländern lahm. Als Lösegeld wurden Bitcoin-Zahlungen verlangt. Die Gesamtkosten des Angriffs beliefen sich nach Schätzungen auf bis zu 4 Milliarden US-Dollar. Bis heute ist nicht klar, wer für den Cyberangriff verantwortlich ist. Die Bedrohung durch einen erneuten Angriffs ist wahrscheinlich. Nur weiß niemand, wann und mit welcher Härte sie uns trifft.

Gesundheitssektor

Eine der größten Schwachstellen für Cyberkriminelle ist das Gesundheitswesen. Der geschickte Angriff auf ein einziges Krankenhaus kann hunderte von Leben gefährden. Denn Krankenhäuser verlassen sich beim Großteil der Patientenbehandlungen auf eine funktionierende IT. Abläufe und besondere Erscheinungen werden digital dokumentiert, spezielle Aggregate können Menschen am Leben halten. Die WannaCry-Attacke wurde damit zu einer gefährlichen Angelegenheit: In England und Schottland waren bis zu 70.000 Geräte in Krankenhäusern des National Health Service betroffen. Der Ausfall von Blutbank-Kühlschränken und MRT-Scannern wurde für viele Patienten zur Lebensgefahr.

Kapital- und Wirtschaftssektor

Wie so oft ist natürlich auch das liebe Geld ein Sorgenkind. Mehr als 92 Prozent aller Währungen der Welt existieren mittlerweile in digitaler Form und nicht mehr als Bargeld. Ein erfolgreicher Angriff auf ein einzelnes Finanzinstitut könnte Geldbeträge in Milliardenhöhe auf einen Schlag vernichten und den Gläubigern der Banken ihre Anlagen nehmen. Innerhalb von Stunden bis Monaten würde sich die Störung auf Volkswirtschaften aller Länder auswirken.

Grundversorgung und Infrastruktur

Von der Möglichkeit eines Cyberangriffs sind auch die Versorgungsbetriebe und unsere Infrastruktur nicht sicher. Unsere Gesellschaft ist in hohem Maße auf einen leichten Zugang zu Wasser, Elektrizität und Nahrungsmitteln angewiesen. Können diese Grundbedürfnisse nicht gedeckt werden, ist das ein großes Problem für uns. Bereits im August 2003 führte der „Northeast Blackout“ in den USA zu rund 100 Todesfällen. Die Ursache für den Stromausfall wurde in einem einzigen Softwarefehler gefunden. Unbeabsichtigte Cyberanfälligkeiten richten Schaden an, böswillige Attacken sind umso gefährlicher.

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In der Politik geht es wie immer langsam voran

Endlich, im August des Jahres 2018, bekennt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) öffentlich: „Wir müssen schneller sein als die Angreifer und die Täter“. Laut der dpa möchte die Bundesregierung Anfang 2019 eine Agentur für Cybersicherheit mit 100 Mitarbeitern aufstellen. Diese soll Staat und Bürger vor Hackerangriffen schützen. Forschungsprojekte für Sicherheitstechnik sollen während der kommenden fünf Jahre mit 200 Millionen Euro gefördert werden.

Ein aktuelles Thema in der Politik ist auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Dass sie uns im Falle eines Cyberangriffs nützlich sein müsste, wird jedoch nicht in Betracht gezogen. Dabei könnte eine digitale Bundeswehr zu einem aussichtsreichen und attraktiven Arbeitsgeber für junge Generationen werden. Eine auf Cyberattacken spezialisierte Parlamentsarmee könnte ein wichtiger Schutzgewährleister für Staat und Gesellschaft sein.

Wer verteidigt uns bei digitalen Attacken?

In Deutschland wurde die Wehrpflicht aus mehreren Gründen ausgesetzt: Zum einen waren die hohen Kosten entscheidend, insbesondere aber war das Verteidigungssystem sicherheitspolitisch und militärisch nicht mehr zeitgemäß. Dass aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, soziale Ungerechtigkeit sowie eben Cyber-Kriminalität nicht von der Welt sind, wurde dabei nicht berücksichtigt. Nun denkt die Politik wieder über ein allgemeines Dienstjahr nach – entweder in der Bundeswehr oder im sozialen Bereich. Im Falle eines Cyberkriegs bleiben wir jedoch schlecht aufgestellt.

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Wer sich bei der Bundeswehr in der IT-Abteilung ausbilden lassen will, muss sich noch immer der Grundausbildung der Bundeswehr unterziehen. Das erfordert auch den Umgang mit Schusswaffen sowie sportliches Leistungsvermögen. Zudem geht es dort in erster Linie um den Schutz des internen IT-Betriebs der Bundeswehr. Mit einer Wiedereinführung der Wehrpflicht würden Schulabsolventen in der Bundeswehr den Umgang mit Waffen lernen, um auf Kriegssituationen vorbereitet zu werden. Um den deutschen Bürgern Sicherheit im digitalen Zeitalter zu gewährleisten, braucht es eine Alternative: Ein (freiwilliges) Jahr in der IT für Cyber-Sicherheit anstelle des traditionellen Wehrdienstes – zur Vorbereitung auf eine digitale Krise.

Fazit: Lösungen müssen gefunden und schneller umgesetzt werden

Digitalisierung ist längst keine Zukunftsprognose mehr, sie bestimmt unseren Alltag. In vielen Bereich profitieren wir vom technologischen Fortschritt. Gleichzeitig entstehen neue Schwachstellen, die uns angreifbar machen. Im Privaten zählen dazu unsere personenbezogene Daten, die wir an Online-Anbieter übermitteln, unser Surfverhalten und die digitalen Fußabdrücke, die wir auf jeder besuchten Website hinterlassen. Vor allem sind aber auch Prozesse des Staates und der Wirtschaft von den zunehmenden Angriffsmöglichkeiten betroffen, was wiederum Einfluss auf unseren Alltag nimmt. Für jeden neuen Schutz können Angreifer jederzeit ein Schlupfloch finden. Die gesamtgesellschaftliche Relevanz der Cyber-Sicherheit ist jedoch noch nicht in den Köpfen der Leute angelangt. Viele fühlen sich nicht persönlich betroffen, weil das Thema im politischen Diskurs oft zu kurz kommt.

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