Netzpolitik 

Warum sich China über Trumps Handyverhalten freut

Paradox: Die abhörsichere Leitung des Weißen Hauses nutzt Trump selten. Und das, obwohl er dann nicht einmal selber wählen müsste.
Paradox: Die abhörsichere Leitung des Weißen Hauses nutzt Trump selten. Und das, obwohl er dann nicht einmal selber wählen müsste.
Foto: AP / Alex Brandon
Eigentlich dürfen US-Präsidenten Smartphones nur unter bestimmten Bedingungen benutzen. Doch von diesen Regeln hält Donald Trump nicht viel.

Wenn Donald Trump sein iPhone verwendet, um mit langjährigen Freunden und früheren Geschäftspartnern zu reden, hören China und Russland zu. Der US-Präsident wurde deshalb auch mehrfach gewarnt, ignoriert die Appelle seines Gefolges aber.

Der Grund seiner Beratungsresistenz: Nur in dem unsicheren iPhone kann er Kontakte speichern. Und das Ironische: Die Festnetzleitung des Weißen Haus, wo eine Sekretärin für ihn wählen würde, will er nicht nutzen, weil die Gespräche vom Weißen Haus aufgezeichnet werden. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Insider im Weißen Haus und US-Geheimdienst. Diese hätten anonym die Informationen weitergegeben, weil sie frustriert darüber sind, dass Trump sich nicht an die Sicherheitsprotokolle hält.

Ein iPhone reicht Trump nicht

Laut den Infos verwendet der US-Präsident derzeit drei iPhones. Zwei davon sind speziell abgesichert. Eines wird für Twitter und andere Apps genutzt. Das zweite ist für Telefongespräche. Weil er in diesem Telefon aber keine Kontakte speichern kann, hat er ein drittes iPhone. Das ist ein normales Seriengerät, mit all den Features und potenziellen Sicherheitslücken.

Der einzige Kompromiss, auf den sich Trump bisher einließ: Er hat sein Android-Smartphone gegen das iPhone getauscht. Android sei laut den US-Geheimdiensten nämlich noch unsicherer. Die Gefahr liegt aber nicht nur an den Smartphones. Geheimdienste sollen die Gespräche auch abfangen können, wenn sie durch die Funkzellen, Switches und Kabelleitungen gehen. Gerade wenn Trump mit Freunden im Ausland telefoniert, sei dies ein großes Sicherheitsrisiko.

China will Handelskrieg beenden

Der US-Geheimdienst soll sich sehr sicher sein, dass China mithört, wenn Trump telefoniert. Diese Information stamme von Personen, die für die chinesische Regierung arbeiten. So habe man auch herausgefunden, welchen Plan China mit der Abhöraktion verfolgt.

Das Ziel von China sei, das Eskalieren des Handelskriegs zwischen den USA und China abzuwenden. Dazu analysieren sie Trumps Verhalten: Mit wem spricht er über welche Themen, auf wen hört er und welche Themen bringen ihn besonders auf die Palme. Anhand der Spionage wird eine Liste erstellt mit Trumps Freunden, die auf den US-Präsident Einfluss haben.

Auf dieser Liste sollen ua. Stephen A. Schwarzman sein, CEO der Blackstone-Gruppe, und der frühere Casino-Magnat Steve Wynn. Beide unterhalten Handelsbeziehungen nach China. Die chinesische Regierung nutzt die chinesischen Geschäftspartner dieser Männer, die gewisse Themen ansprechen. Der Plan ist, dass Schwarzman und Wynn dann mit Trump darüber sprechen. Trump geht dann davon aus, dass die Vorschläge und Ideen von seinen Vertrauten kommen und nicht von der chinesischen Regierung.

Der US-Geheimdienst geht davon aus, dass die beiden nicht wissen, dass sie für diesen Zweck manipuliert werden. Auf Nachfrage der New York Times verweigerte ein Anwalt von Wynn das Kommentar. Eine Sprecherin der Blackstone-Gruppe sagte, dass Schwarzman „glücklich sei, in bestimmten kritischen Angelegenheiten zwischen den Ländern zu vermitteln, auf Wunsch der Staatsoberhäupter beider Seiten.“

Russland hört mit, will aber nichts unternehmen

Laut dem US-Geheimdienst hört Russland ebenfalls mit. Die russische Regierung habe aber derzeit keine konkreten Pläne, mit diesen Informationen etwas anzufangen. Aufgrund der Freundschaft zwischen Putin und Trump sei es nicht nötig, den US-Präsidenten über dessen Freunde zu beeinflussen.

China nutze die Taktik der Beeinflussung schon seit Jahrzehnten, so US-Offizielle. Dazu wurden Netzwerke aus prominenten Geschäftsleuten und Akademikern aufgebaut, die empfänglich für die Meinungen sind, die China vertritt. Der Unterschied ist, dass durch das Abhören von Trump der Fokus viel gezielter auf einzelne Personen gelegt werden kann, anstatt ein großes Netzwerk aufzubauen, mit der Hoffnung, dass durch irgendeine Person darin die chinesische Agenda irgendwann ins Weiße Haus getragen wird.

Ein konkretes Beispiel für Beeinflussung sei, dass Trumps Freunde dazu angehalten wurden, dem US-Präsidenten zu so vielen Treffen wie möglich mit dem chinesischen Präsidenten zu überreden. Denn wie China richtig erkannt hat, legt Trump viel Wert auf persönliche Beziehungen. Bei Treffen unter vier Augen gäbe es viel häufiger Einigungen, als wenn sich Delegationen oder andere Regierungsvertreter zu Verhandlungen treffen.

Trump hat Angst

Ein Lichtschimmer für die Sicherheitsbeauftragten des Weißen Hauses ist die Paranoia des US-Präsidenten. Trump habe schon mehrmals öffentlich geäußert, dass er glaube, dass seine Telefone abgehört werden. Aus diesem Grund schmäht er auch die Nutzung des Festnetzes vom Weißen Haus, weil es zum bekannten Protokoll gehört, dass diese Gespräche von der Belegschaft aufgezeichnet werden.

Sie hoffen, dass er aufgrund der Furcht durch die Überwachung zumindest keine Staatsgeheimnisse auf seinem iPhone ausplaudert. Allerdings hat sich Trump schon bei anderen Situationen verplappert. So hat er etwa mit russischen Vertretern vertrauliche und sensible Geheimdienstunterlagen geteilt, die von Israel an die USA weitergegeben wurden.

Immerhin: Trump schreibt weder E-Mails noch SMS von seinen drei iPhones. Seine Kritiker merken an, dass es ironisch sei, dass Trump bewusst ein iPhone nutzt, dass abgehört wird. Denn im Präsidentschaftswahlkampf hatte er Hillary Clinton mehrfach attackiert, weil ihre Partei einen ungesicherten E-Mail-Server genutzt hat. Er forderte, Clinton deshalb ins Gefängnis zu sperren.

Handy beim Golfspielen vergessen

Sorgen macht dem US-Geheimdienst auch ein anderer Protokoll-Verstoß von Trump. Eigentlich sollte er seine zwei offiziellen Dienst-iPhones alle 30 Tage abgeben, damit diese durch neue Geräte ersetzt werden. Sollte tatsächlich Malware auf das iPhone gekommen sein, wird so verhindert, dass noch weitere Daten oder Gespräche dadurch abgegriffen werden. Trump macht das aber aus Bequemlichkeit nur sehr selten.

Das ist besonders ein Problem, wenn er seine Handys mal wieder aus den Augen verlieren sollte. 2017 hat er eines seiner iPhones in einem Golf Cart vergessen. Das löste eine hektische Suche nach dem Handy aus. In der Zwischenzeit hätte sich jemand Zugriff auf das iPhone verschaffen und Malware darauf installieren können.

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Obama-Phone konnte nicht viel

Auch Trumps Vorgänger, Barack Obama, hatte ein Dienst-iPhone. Dies hatte aber noch viel weniger Funktionen, als die zwei iPhones von Trump. Das Obama-Phone konnte nur E-Mails von einer bestimmten Adresse empfangen, die nur ausgewählte Angestellte des Weißen Hauses hatten.

Es hatte weder Kamera noch Mikrofon, keinen Zugang zum App Store und das Verschicken von Textnachrichten war verboten, weil diese nicht, wie es das Protokoll vorschreibt, gesammelt und archiviert werden konnten. Obama verglich das Smartphone in einer Talkshow deshalb mit einem Spielzeug-Handy für dreijährige Kinder. Wenn Obama wirklich ein Handy benötigte, borgte er sich eines von seinen Assistenten aus.

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